Die Kapitalerhöhung der krisengeplagten Credit Suisse ist in trockenen Tüchern. Die Schweizer Grossbank nahm im Rahmen einer Bezugsrechtsemission wie geplant 2,24 Milliarden Franken auf, wie die CS am Donnerstag nach Börsenschluss mitteilte.

98,2 Prozent der Aktionäre nahmen dabei das Angebot an, neue Aktien zu einem Abschlag zu zeichnen. Die restlichen neuen Aktien sollen am Markt zum Ausgabepreis oder darüber verkauft werden. Die neuen Aktien sollen am Freitag erstmals in den Handel an der Schweizer Börse kommen.

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Ende November hatte Credit Suisse mit einer Privatplatzierung bereits knapp 1,8 Milliarden Franken eingesammelt. Mit den brutto insgesamt rund vier Milliarden Franken will die Bank ihre Bilanz aufpolstern und eine jahrelange Sanierung finanzieren.

CS-CEO Körner: «Wichtiger Meilenstein»

Die bestehenden Aktionäre konnten im Rahmen der Kapitalerhöhung neue CS-Aktien zum Preis von 2,52 Franken zu zeichnen. Je Aktie hatten sie ein Bezugsrecht erhalten, wobei sieben Bezugsrechte zum Kauf von zwei neuen Aktien berechtigten. Die CS-Aktie schloss am Donnerstagabend auf 2,942 Franken.

Die CS-Aktionäre zeichneten nun laut der Mitteilung 873 Millionen der insgesamt 889 Millionen neu ausgegebenen Aktien. Damit bleiben nur noch 16,4 Millionen neue Aktien, für die noch ein Abnehmer am Markt gesucht wird.

CS-CEO Ulrich Körner wertet den erfolgreichen Abschluss der Kapitalerhöhung als «wichtigen Meilenstein» für die «neue» Credit Suisse. Die Bank habe in den letzten Wochen bei der Umsetzung der strategischen Massnahmen wichtige Fortschritte gemacht.

Saudi National Bank seit November an Bord

Weitere 1,76 Milliarden Franken hatte die Credit Suisse bereits Ende November über eine Kapitalerhöhung von einer Gruppe von qualifizierten Anlegern eingenommen. Dazu gehört die Saudi National Bank (SNB), die mit einem angepeilten Anteil von 9,9 Prozent neu die grösste Aktionärin der Credit Suisse ist.

Bei der Credit Suisse ist Realpolitik gefragt

Die Kritik am neuen saudischen Grossaktionär reisst nicht ab. Doch in der Krise hat die Bank kaum eine Wahl, kein anderer Investor ist in Sicht, schreibt Holger Alich in seinem Kommentar.

Die Credit Suisse benötigt neues Kapital zur Finanzierung ihrer Ende Oktober angekündigten tiefgreifenden Restrukturierung. Dabei soll die verlustträchtige Investmentbank-Einheit deutlich verkleinert und teilweise ausgelagert werden. Zudem soll die Belegschaft bis 2025 von rund 52'000 auf noch etwa 43'000 Angestellten verkleinert werden.

Die Grossbank ist seit den Debakeln um den milliardenteuren Zusammenbruch des Hedgefonds Archegos und die Liquidierung der Greensill-Fonds im Jahr 2021 schwer angeschlagen. Nach einem hohen Verlust im vergangenen Jahr dürfte sie auch das Jahr 2022 tief in den roten Zahlen abschliessen. In den vergangenen Monaten hatte sie ausserdem mit massiven Abflüssen von Kundengeldern zu kämpfen.

(reuters/awp/mth)