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KESo: Schlüsselmacher von Richterswil

Erste Patente für Zylinderschlösser liess Ernst Keller im Jahr 1958 eintragen. Heute vertreibt die Spezialistin für Schliess- und Sicherheitslösungen vom linken Zürichseeufer aus ihre Produkte in über

Von susanne wagner
am 26.04.2006

Schlüssel gehören zu den Requisiten des Alltags. Wir benutzen sie, ohne ihnen grosse Beachtung zu schenken. Erst wenn sie vermisst werden, realisieren wir, wie wichtig Schlüssel sind. Die Firma Keso in Richterswil gehört zu den grossen Sicherheitsspezialisten der Schweiz. Nachdem Firmengründer Ernst Keller im Jahr 1958 erste Patente für Zylinderschlösser angemeldet hatte, gründete er 1963 die Firma Keso.

Mit dem englischen «Key» hat der Name nichts zu tun. Keso steht für die Wortkombination «Keller & Sohn». Firmengründer Keller, der die Firma auch durch wirtschaftlich schwierige Zeiten führte, hat sich mittlerweile aus dem operativen Geschäft zurückgezogen. Heute verfügt der Betrieb bereits über 330 Patente. In mehr als 25 Ländern bestehen Vertriebskanäle oder Partnerschaften.

CEO ist heute Eugen Vigini. Mit viel Elan führt er die Journalisten durch die verschiedenen Verarbeitungsstufen der Sicherheitssysteme. Sämtliche Produktionsschritte finden in der Schweiz statt. Vigini: «Die Verlegung der Produktion nach Fernost ist bei uns kein Thema. Wir stellen die Komponenten weitgehend selbst her. Praktisch jeder zweite Umsatzfranken kommt aus dem Export.» In Richterswil wird nicht nur produziert. In der Forschungsabteilung beschäftigen sich Ingenieure, Techniker und Planer mit aufwendigen Schliesskonzepten und Sicherheitsmodellen.

Andere Länder, andere Schlösser

Was später zu Zylinderschlössern verarbeitet wird, sind zunächst ganz normale Messingstangen. Die Halbfabrikate werden in unterschiedlichen Profildicken eingekauft. Das grösste Zylinderschloss, das Keso herstellt, ist 35 Millimeter dick. Diese Kaliber sind vor allem in skandinavischen Ländern gefragt. Wie Vigini erklärt, hat jedes Land, was die Baugrösse von Zylinderschlössern anbelangt, seine Besonderheiten. In der Schweiz sind 22-Millimeter-Profile üblich.

Eine vollautomatische Produktionsanlage, die in zwei bis drei Schichten rund um die Uhr in Betrieb ist, verarbeitet die Metallstangen in bis zu zehn verschiedenen Schritten. Sie zerteilt sie in einzelne Zylinder und fräst den Schlüsselkanal ein. Wie erlesene Schmuckstücke liegen die glänzenden Messingzylinder nebeneinander aufgereiht auf einem Tablett und warten auf die weitere Verarbeitung. Die Veredelung, also das Vernickeln, Verchromen oder Vergolden, führt eine Firma in der Nachbarschaft aus.

Noch fehlt das Herzstück der Schliessanlage, der Schlüssel. Das erste, was von ihnen zu sehen ist, sind die glatten Schlüsselrohlinge, die einer nach dem anderen mit einem Klirren aus der Produktionsanlage in die Ablage fallen. Die Rohlinge bestehen aus so genanntem Neusilber, einer Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink, die sich besonders gut verarbeiten lässt. Im wahrsten Sinne des Wortes den letzten Schliff erhalten die Rohlinge schliesslich in riesigen Bottichen, wo sie stundenlang mit Sand und Steinchen durchgeschüttelt werden, was ihnen die scharfen Kanten nimmt.

Wie viele Löcher schliesslich in die Schlüssel gebohrt werden und wie diese angeordnet sind, wissen nur die Sicherheitsfachleute. Sie tüfteln die Kombinationen mit Hilfe einer speziellen Software aus und steuern die Kundenaufträge, die aus Sicherheitsgründen numerisch, ohne Kundennamen laufen. «Die Rohlinge werden je nach Land, Kunde und Auftrag bearbeitet. Wir müssen gewährleisten, dass sich keine Schliessung wiederholt. Wir bohren die Schlüssel auf bis zu 20 Positionen mit verschiedenen Tiefen an. Die Zahl der Kombinationsmöglichkeiten der verschiedenen Systeme geht in die Millionen», erklärt Vigini.

Hightech im intelligenten Schloss

In reiner Handarbeit setzen Arbeiterinnen die Schlösser zusammen, die aus bis zu hundert Einzelteilen bestehen. Die Vorgaben sind präzis: Nur wenn ein Zuhaltungsstift auf den Hundertstel in die Stufenbohrung passt, sind Kopierschutz und damit Sicherheit gewährleistet.

Wie Vigini festhält, wird sich in Zukunft die Nachfrage noch stärker in Richtung Mechatronik, also die Verbindung von Mechanik und Elektronik, entwickeln: «Mit Hilfe der Chip-Technologie sowie der Biometrie als Ergänzung könnte man die Schlüssel noch intelligenter machen.» Schon heute wird bei den anspruchsvollen Schliesskonzepten und Anlagen Elektronik eingesetzt. Zum Beispiel, wenn eine motorisierte Zylinderlösung steuert, welche Person in welcher Zeitspanne zu einer gewissen Türe zutrittsberechtigt ist. Oder Auskunft darüber gibt, wer den Raum wann betreten hat.

Neben dem Erarbeiten von neuen Schliesslösungen betreuen und bewirtschaften die 220 Mitarbeiter von Keso auch Schliessanlagen, die bereits 30 bis 40 Jahre alt sind. Von saisonalen Schwankungen in Bezug auf Einbrüche spürt Keso kaum etwas. Hingegen führt Keso jährlich eine Vielzahl von Vorträgen und Schulungen zum Thema Sicherheit in Richterswil durch.

Der Hauptabsatz der Keso geht an Deutschland, Frankreich und in die Beneluxländer. Seit dem Jahr 2004 gehört die Firma zum weltweit führenden Sicherheitskonzern Assa Abloy. Das Hauptgeschäft der Keso Schweiz ist heute das Objektgeschäft, also Schliessanlagen von Gebäuden. Sei das ein Tunnel, ein Spital, eine Bank, eine Versicherung oder ein Bürogebäude. Überall sind massgeschneiderte Lösungen gefragt. Vigini: «Ein Fussballstadion muss schliesstechnisch ganz andere Kriterien erfüllen als ein Ein- oder Mehrfamilienhaus.»

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Firmenprofil

Name: Keso AG

Gründung: 1963 durch Ernst Keller

Geschäftsführer: Eugen Vigini

Umsatz: 60 Mio Fr.

Beschäftigte: 220 Schweiz, 350 weltweit

Produkt: Sicherheitssysteme

Internet: www.keso.com

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