«Im April 70 Prozent weniger Umsatz»

Felix Meier, Brauerei Müller AG, Baden AG

Felix Meier, Brauerei Müller AG, Baden AG
Quelle: Lukas Maeder

Felix Meier bereitet den Biergarten auf die Öffnung vor. Wenn am 11. Mai die Lockerungen für die Gastronomie in Kraft treten, will auch die Brauerei Müller dabei sein. «Wir werden wie immer rund 130 Tische haben», sagt Firmenchef Meier. «Aber statt acht werden nur vier Personen an einem Tisch Platz nehmen dürfen.» Und die Gäste sollen so versetzt sitzen, dass die erforderlichen Abstände eingehalten werden können.

Noch sei unklar, ob die Konsumenten überhaupt schon wieder in Restaurants gehen möchten, so Meier. Zwar wisse er aus Gesprächen mit Gastronomen, dass die meisten ihre Betriebe öffnen wollen. Doch die Unsicherheit sei gross. Dazu kommt das verlängerte Verbot von Grossveranstaltungen.

Ende August wäre Meiers Brauerei für die Getränke am Fest «975 Jahre Wettingen» verantwortlich gewesen, das wohl bis zu 300000 Gäste angezogen hätte. Das Fest wurde abgesagt – wie so viele. «Ich rechne damit, dass bis Ende Jahr keine solchen Veranstaltungen stattfinden», sagt er.

Für Meiers Betrieb geht es um viel. Im April lag sein Umsatz 70 Prozent unter dem Vorjahreswert. Entsprechend umfangreich sind auch die Kurzarbeitsmeldungen. Bier hat er genug an Lager. Was, wenn die ersten Fässer ablaufen? Wird das Bier dann zu Desinfektionsmittel? Eher nicht, sagt Meier. «Dann brenne ich vielleicht einen Bierbrand oder Whisky draus.» (hec)

«Wir stehen Gewehr bei Fuss»

Karl Eiche, Eiche Metzgerei, Basel

Karl Eiche von der Eiche Metzgerei
Quelle: Roland Schmid

Wie viele Würste, Steaks und Frikadellen braucht es, wenn die Restaurants wieder öffnen? Metzger Karl Eiche kalkuliert gerade viel. Klar ist nur: Ab kommender Woche geht es wieder los. «Wir stehen Gewehr bei Fuss», sagt Eiche. Die grossen Umsätze erwartet er noch nicht. «Auch wenn die Restaurants wieder offen haben; das Sääli für die Geburtstagsfeier mietet noch niemand.»

Sein Betrieb hat die letzten Wochen stark gelitten, verkauft Eiche doch vieles an Grosskunden. «Im April lag mein Umsatz 60 Prozent unter dem Vorjahreswert», erzählt er. Nicht nur brach ihm der Gastro-Umsatz weg, auch der Basler Markt mit Eiches Stand war geschlossen, Events fanden nicht statt und selbst die Spitäler bezogen weniger Ware.

«Kein einziges bestellte mehr als normal», sagt Eiche. Noch zahlt die Versicherung die Ausfälle, denn Eiche ist für den Pandemiefall abgesichert. Allerdings nur drei Monate lang. «Ab Juni stehen wir ohne Regenschirm da.»

Schwierig werde es, wenn Grossanlässe noch weit über den Sommer hinaus verboten bleiben. «Wir haben schon viel Umsatz verloren, weil die Fasnacht und die Fussballspiele im Joggeli nicht stattfanden. Dort haben wir jeweils unsere Stände», sagt Eiche. «Hoffentlich gibt es wenigstens eine Herbstmesse oder den Weihnachtsmarkt.» (hec)

HZ begleitet KMU durch die Krise

In Abständen erzählen die Chefs und Chefinnen von mittelständischen Unternehmen, wie sie die Corona-Krise bewältigen: Emch Aufzüge AG (Bern), Ernst Fischer AG (Romanshorn TG), Eiche Metzgerei (Basel), Brauerei Müller AG (Baden AG), Hotel und Bar Platzhirsch (Zürich), Fischer Reinach AG (Reinach AG),CEO Abionic SA (Epalinges VD), Mc Paperland (Tuggen SZ).

Lesen Sie hier den ersten Teil der Serie: «Brennt an allen Ecken»: Acht Firmen schildern ihren Weg durch die Krise»

Lesen Sie hier den zweiten Teil der Serie: «Bis Ende Mai kommen wir durch»: So ergeht es KMU in der Krise»

Lesen Sie hier den dritten Teil der Serie: «KMU in der Krise: «Wie lange noch?»

«Der Staat hat eine Bringschuld»

Andreas Kümin, Mc Paperland, Tuggen SZ

Portrait von Andreas Kümin, CEO McPaperland
Quelle: Rita Palanikumar

Die gute Nachricht: «Alle Vorbereitungen laufen, damit wir am 11. Mai alle 25 Läden wieder öffnen können», sagt Mc-Paperland-Inhaber Andreas Kümin. Die schlechte Nachricht: Das wäre für Papeterien rechtlich schon ab dem 4. April möglich gewesen, aber mit einer langen Liste von Einschränkungen.

Sortimentsteile wie Taschenrechner, Bastelartikel, Geschenkartikel oder grosse Teilbereiche bei den Glückwunschkarten hätten «entfernt, abgesperrt oder abgedeckt» werden müssen. Weil Kümin «mit diesen unsinnigen Vorgaben» seine Filialen unmöglich kostendeckend betreiben konnte, verzichtete er auf eine frühere Öffnung.

Ab 11. Mai gehe es darum, die Temperatur im Handel zu fühlen. Zwar erwartet Kümin keinen «Monsterandrang», aber doch gute Frequenzen. Ohne Rabatt-feuerwerk, «schliesslich müssen wir wieder anfangen, Geld zu verdienen, um all die Löhne und alle Kosten zahlen zu können.» Kümin glaubt, dass man «relativ rassig» wieder auf die Umsätze der Vorjahresmonate kommen werde, «doch die acht Wochen des Lockdowns fehlen uns natürlich, unwiederbringlich.»

Damit verbunden ist grosser Unmut bezüglich der Geschäftsmieten. Auch wenn nun politisch endlich Bewegung in die Sache kommt, ist Kümins Meinung schon lange klar: «Der Staat hat die Schliessung befohlen. Dann müsste also auch der Staat dafür geradestehen. Oder mindestens eine Lösung bringen. Der Staat hat eine Bringschuld.» (ag)

«Phase zwei wird herausfordernd»

Sigi Gübeli, Hotel und Bar Platzhirsch, Zürich

Sigi Gübeli, General Manager Hotel Platzhirsch Zürich
Quelle: Sophie Stieger

Hotel Platzhirsch Neue Mixrezepte sind erprobt, das Personal ist bereit: Es sah alles vielversprechend aus für eine Wiedereröffnung von Sigi Gübelis Zürcher Platzhirsch-Bar am 11. Mai. Doch ebenso gross wie die Vorfreude sind die Einschränkungen, die das neue Schutzkonzept beinhaltet: Live-Musik ist nicht erlaubt, Stehplätze nicht zugelassen. Nicht gerade das, was man von einer Bar erwartet.

«So wie es jetzt aussieht, werden wir die Bar ein paar Tage später eröffnen, leise und ohne Tusch», sagt Sigi Gübeli, «aber mit viel Herz.» Ganz sicher aber ohne Live-Musik, der Künstler wurde abgebucht. Die Gastro- und Hotel-Unternehmerin ist sich zwar sicher, dass Emotionen im Lockdown stark an Bedeutung gewonnen haben, doch ein Hochfahren der Bar werde zum Herantasten und Testen der neuen Realität.

Anspruchsvoller werde die Zeit danach: «Phase zwei wird herausfordernd. Wir müssen zu normalen Mietbedingungen arbeiten, können aber wegen des Hygienekonzepts weniger Gäste bedienen. Ob das aufgeht, weiss ich nicht.»

Schwierig zeigt sich die Lage für ihr Boutiquehotel: «Für Juli und August liegt noch keine einzige Reservation vor.» Das 23-Zimmer-Haus bietet einen versteckten Schatz, den Gübeli heben will: «Der grosse Balkon in der zweiten Etage ist eine ideale Gastro-Loge.» Vier Tische haben dort Platz, mit Sicht auf den Hirschenplatz im Zürcher Niederdorf. (ag)

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