Die Credit Suisse gab gestern bekannt, dass sie sich aus rund 50 Ländern zurückziehen wird. Grund: Das grenzüberschreitende Geschäft werde immer teurer – erwünscht seien nur noch vermögende Kunden.

Die Grossbank ist damit kein Einzelfall, auch in der Schweiz selbst wälzen die Banken ihre Kosten mit teils happigen Kontoführungsgebühren auf die Kunden ab – bei der Credit Suisse sind es beispielsweise 480 Franken pro Jahr, sofern das Vermögen nicht mindestens eine Million Franken beträgt.

Jährliche Gebühr von 720 Franken

«Mit den Gebühren sollen die zusätzlichen Aufwände im Zusammenhang mit den verschiedenen regulatorischen Vorschriften abgedeckt werden», sagt Sonja Stieglbauer, Sprecherin der Raiffeisenbank in St. Gallen, die ihren Genossenschaftsbanken empfiehlt, von Kunden mit Domizil Ausland eine Gebühr von 240 Franken pro Jahr zu verrechnen. Betroffen sind davon auch Auslandschweizer – das Steuerdomizil entscheidet.

Auf dem Blog von Stefan T. (Name der Redaktion bekannt) sind weitaus teurere Beispiele als die Raiffeisenbank aufgeführt. So verlangt die Aargauische Kantonalbank (AKB) jährlich sogar bis zu 720 Franken. «Dabei handelt es sich aber um weit entfernte Staaten, die erhöhte Crossborder-Vorschriften beinhalten», erklärt AKB-Sprecherin Ursula Diebold gegenüber handelszeitung.ch. Ansonsten liege der Satz bei monatlich 15 oder 30 Franken.

Stefan T. selbst ist Auslandschweizer und als Software-Entwickler in Schweden tätig. «Mir konnte bis anhin noch keine einzige Bank transparent aufzeigen, wie und wo genau ich als Kunde einen Mehraufwand verursache – weder in einem persönlichen Gespräch vor meiner Auswanderung, noch auf schriftlichem Weg im Nachhinein.»

Schweiz punktet mit Sicherheit

Die Auswanderungs- und Ansiedlungsberatung «Emigration Now» kennt die Gebührenproblematik – rät aber Auslandschweizern trotzdem, Ersparnisse und Vermögen grösstenteils in der Schweiz verwahren zu lassen. «Hierfür sprechen vorab Sicherheitsüberlegungen und Standortvorzüge, aber auch die Kompetenz, die Erfahrung und das Können der meisten Geldinstitute, speziell in Vermögensverwaltungssachen», heisst es.

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Gerade bei Banken wie der AKB trifft es auch die unzähligen Grenzgänger. «Auch für sie gelten die Crossborder-Bestimmungen», so Diebold. Heisst für Kunden im benachbarten Südbaden Gebühren von jährlich 180 Franken, für Elsässer gar 360 Franken.

Bei den meisten Banken können Kunden diese Gebühren reduzieren oder gar eliminieren, sobald ein gewisses Gesamtvermögen oder Kreditfinanzierungen vorhanden sind. Für Stefan T. setzt hier die Logik aus: «Gerade Personen, die ihr Geld in der Schweiz in Sicherheit bringen, jederzeit zugänglich halten und möglichst steuerlich vorteilhaft deponieren wollen, erhalten eine Gebührenbefreiung.»

Der Blog von Stefan T. sei, wie er sagt, aus Frustration entstanden – und aus der Überzeugung, «dass es vielen Auslandschweizern, Schweiz-Liebhabern und Grenzgängern ähnlich gehen muss». Reaktionen seitens der Banken auf seine Transparenz-Offensive habe er bisher keine erhalten.