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Kreditkarten-Einsatz sorgt für Gebührenfrust

Frische Backwaren: Eine Bargeldzahlung ist günstiger.   Keystone

Die Gebühren auf Kartenzahlungen sind ein Dauerbrenner: In Europa schritt die EU-Kommission ein, in der Schweiz untersucht die Wettbewerbskommission. Und der Konsument wird zur Kasse gebeten.

Von Volker Strohm
am 15.05.2014

Shop Ville im Zürcher Hauptbahnhof: Weggli, Brot und Schoggigipfel wandern in die Einkaufstausche. Kostenpunkt an diesem regnerischen Morgen: 11.40 Franken. Der Kunde begleicht damit aber nicht nur die frischen Backwaren, sondern investiert auch 30 Rappen dafür, dass er für seinen Einkauf die Kreditkarte einsetzen kann.

Ist es rechtens, dass der Händler seinen finanziellen Aufwand dem Kunden weiterverrechnet? Grundsätzlich ja, heisst es bei der Aduno-Gruppe, die über die Tochtergesellschaft Viseca nicht nur Kredit- und Prepaid-Karten herausgibt, sondern als sogenannter Acquirer für die Verkaufsstellen der Händler auch Verträge über den Einsatz von Kredit-, Prepaid- und Debitkarten abschliesst. Allerdings müsse der Händler im Falle einer Weiterverrechnung der Kommission den Kunden vor dem Zahlungsvorgang darüber informieren, erklärt Aduno-Sprecherin Christine Anderes auf Anfrage. «Ausser der Reisebranche haben dies aber unseres Wissens bis anhin nur weniger Händler umgesetzt.»

Höhe der Gebühren als grosse Unbekannte 

Auf die Frage nach der Toleranzgrenze punkto Höhe der Weiterverrechnung zieht sich Aduno aus der Schusslinie: «Da die Gebühren weder vom Kartenherausgeber noch vom Acquirer beeinflusst werden können, sondern von jedem Händler selbst bestimmt werden, haben wir keinen weiteren Handlungsspielraum», so Anderes. Wie sich die Gebühren zusammensetzen, berechne der jeweilige Händler unter Berücksichtigung von Margen, Verwaltungsaufwand und weiteren Kostenfaktoren selbst.

Das widerspricht bei genauem Hinsehen der Basis, auf dem eine solche Weiterbelastung an den Endkunden grundsätzlich erlaubt wurde: Sowohl die Wettbewerbskommission (Weko) 2002, als auch das Bundesgericht 2006 sprachen den Händlern nämlich das Recht zu, die Gebühr, die vom Acquirer durch eine Zahlung mit Kreditkarten vertraglich auferlegt wird, dem Kunden in gleicher Höhe weiter zu verrechnen.

Kreditkartengebühren: Hochpreisinsel Schweiz

Die Höhe der Kreditkartengebühren ist ein Dauerbrenner: Die EU deckelte diese erst vor wenigen Monaten auf maximal 0,3 Prozent, während diese in der Schweiz im Schnitt bei 0,95 Prozent liegen. Diese Differenz hat die Weko erneut auf den Plan gerufen – bereits 2010 hatte diese entschieden, dass die Gebühren in der Schweiz gesenkt werden müssen.

Der Umsatz mit Kreditkarten in der Schweiz beträgt mehr als 24 Milliarden Franken – rund 230 Millionen davon wandern folglich als Gebühren in die Tasche der Zahlungsdienstleister und Kartenherausgeber, wie Aduno. Gemäss Nationalbank-Statistik sind hierzulande rund sechs Millionen Kreditkarten sowie neun Millionen Debitkarten von Postfinance und Maestro im Umlauf.

Ein Abschluss des neuerlichen Weko-Verfahrens wird noch für diesen Herbst erwartet.

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