Ein Intimus des russischen Oligarchen Viktor Vekselberg wird international gesucht. Wie russische Medien übereinstimmend berichten, haben sich die Moskauer Justizbehörden in der Suche nach Mikhail Slobodin an Interpol gewandt. Slobodin soll während seiner Zeit als Manager einer Renova-Tochter Schmiergelder in Millionenhöhe bezahlt haben. Seit letztem Herbst ist er in Russland zur Fahndung ausgeschrieben. Slobodin bestreitet die Vorwürfe.

Der aktuelle Aufenthaltsort von Slobodin ist unbekannt. Bis im September 2016 war er Chef des an der New Yorker Börse kotierten Mobilfunkunternehmens Vimpelcom. Er trat als Folge der Korruptionsvorwürfe zurück. Von 2003 bis 2011 leitete er die Energiesparte von Renova.

Neuerliche Hausdurchsuchung

Die internationale Fahndung nach Slobodin ist die jüngste Entwicklung in einem Skandal, der sich im engsten Umfeld von Investor Viktor Vekselberg abspielt. Dessen Renova-Gruppe kontrolliert die Schweizer Industrieschwergewichte Sulzer und OC Oerlikon, die Stahlschmiede Schmolz + Bickenbach, den Immobilienentwickler Züblin und die in Zürich domizilierte Solarenergiefirma Avelar.

Wegen der Bestechungsvorwürfe durchsuchte der russische Inlandgeheimdienst jüngst erneut die Büros des Kraftwerkbetreibers T Plus, an dem Renova die Mehrheit hält. Das berichtete die staatliche Nachrichtenagentur TASS mit Verweis auf nicht weiter genannte Quellen.

Business as usual

Eine T-Plus-Sprecherin bestätigt die Hausdruchsuchung auf Anfrage der «Handelszeitung». Experten der russischen Anti-Korruptionsbehörde und des russischen Sicherheitsdienstes seien vor Ort gewesen. «Das gehört zum Standard-Vorgehen», erklärt die Sprecherin. «Gleichzeitig mit der Hausdurchsuchung hat der Verwaltungsrat ein Treffen abgehalten. Die tägliche Routine im Unternehmen blieb ungestört», heisst es aus Moskau.

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Die russische Tageszeitung «Kommersant» berichtete, die neuerlichen Durchsuchungen seien der Auftakt zu einer weiteren Verhaftungswelle. Die T-Plus-Sprecherin dementiert. Im Nachgang zu den Durchsuchungen sei es zu keinen Verhaftungen gekommen. «Die Behörden haben keine Forderungen erhoben – weder gegen die Firma noch gegen Mitarbeiter der Firma», so die Stellungnahme.

Renova-Aktionär verhaftet

Bereits vor Monaten durchsuchten die russischen Behörden die Renova-Büros in Moskau und die Räumlichkeiten der Renova-Tochter T Plus. Zwei Manager wurden festgenommen, darunter Evgeny Olkhovik, Co-Geschäftsführer und Grossaktionär von Renova. Russische Medien zeigten Fotos von Olkhovik, wie er in Freizeitkleidung auf einer einfachen Holzbank in einem Gitterverschlag sitzt. Er sitzt bis heute in Haft.

Vor zwei Jahren durchsuchten die Behörden auch die Räume der Metkombank. Die Regionalbank gehört zu Vekselbergs Firmennetz in Russland. Die Behörden vermuten, dass das Institut dunkle Geschäfte mit dem ehemaligen Gouverneur der russischen Teilrepublik Komi abgewickelt hat.