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Hochdorf
Künftiger Hochdorf-Aktionär: «Wir brauchen die Bauern.»

Amir Mechria CEO Pharmalys
Amir Mechria, Pharmalys-Gründer und künftig Hochdorf-Aktionär: «Manchmal geht es gar nicht um Kontrolle.»Quelle: Simon Habegger / 13 Photo

Nach dem Aktionärsaufstand bei Hochdorf erklärt der künftige Grossaktionär Amir Mechria, wie der Milchverarbeiter wieder auf Kurs kommt.

Von Marc Badertscher
am 25.04.2019

Während Monaten tobte ein Kampf um die Führung beim Milchverarbeiter Hochdorf. Sie steigen spätestens nächstes Jahr dank einer Pflichtwandelanleihe zum grössten Aktionär auf. Trotzdem haben Sie die ganze Zeit geschwiegen. Warum?
Ich bin noch nicht Aktionär und wollte keine weitere Unruhe reinbringen. Ich war der Überzeugung, es sei am besten, zu allen Parteien die gleiche Distanz zu wahren. Ich denke, es gab bei Hochdorf auf allen Seiten nur gute Absichten, aber natürlich unterschiedliche Ansichten. Und einige führten zu Fehlern.

Der Machtkampf ist entschieden. Der Verband der Milchbauern hat sich beim Milchverarbeiter durchgesetzt. Zufrieden?
Ich kenne die neuen Mitglieder im Verwaltungsrat noch nicht. Sie sind die Wahl der Aktionäre und werden sicherlich hart arbeiten, um die vorhandenen Probleme bei Hochdorf zu lösen. Ich hoffe, dass wir gut kooperieren, und bin sehr zuversichtlich, dass das gelingt.

Dann bereuen Sie nicht, dass Sie im Machtkampf geschwiegen haben?
Nein, dies war die richtige Entscheidung. Wir haben immer gesagt, dass wir Hochdorf am Besten helfen können, wenn wir uns auf Pharmalys konzentrieren. Dies hat sich ausgezahlt: der Grossteil des Gewinns geht zurück auf Pharmalys.

Pharmalys ist eine Hochdorf-Tochter, welche weiterverarbeitetes Hochdorf-Milchpulver als Babynahrung im Ausland vertreibt. Sie haben die Firma vor zehn Jahren in der Schweiz gegründet. Wie kam das?
Ich habe in Tunesien Medizin studiert und habe zunächst als Arzt in verschiedenen Spitälern gearbeitet. Ich wollte aber schon immer Unternehmer werden. In meiner Tätigkeit als Arzt realisierte ich, dass die Qualität von Babynahrung in Tunesien und anderen Ländern ungenügend war. Europa erliess zwar Vorschriften über Mindeststandards. Aber die nach Afrika exportierte Babynahrung erfüllte diese nicht, selbst wenn es sich um die gleiche Marke handelte. Das störte mich...

... und es war die Chance für ein neues Unternehmen?
Ja. Ich suchte einen Zulieferer und reiste in verschiedene europäische Länder. So kam ich 2008 in Kontakt mit Hochdorf. Schweizer Milch steht für Qualität. Und Hochdorf begann gerade, in Babynahrung zu investieren. Das war der Anfang unserer Zusammenarbeit.

Und die Firma Pharmalys?
Die Firma gründete ich 2009 in Sierre im Kanton Wallis. Pharmalys ist eine Schweizer Firma, mit Schweizer Produkten, die sie im Ausland verkauft. Das Milchpulver kam aus Hochdorf. Wir vertrieben die Babynahrung im ersten Jahr in zwei Ländern. Natürlich konnte ich das nicht alleine tun. In jedem Land hatten wir ein Team, und die Leute wurden in Hochdorf geschult. Mein Job war und ist es, dafür zu sorgen, dass die Strategie vor Ort umgesetzt wird. Heute sind wir mit 1200 Angestellten in mehr als 40 Ländern tätig. Wir haben die Qualität und die Zusammensetzung von Kindernahrung in einem Grossteil der Welt verändert. Darauf sind wir stolz.

Die meisten Angestellten dürften im Ausland in den verschiedenen Ländern arbeiten. Was ist mit Arbeitsplätzen in der Schweiz?
Inzwischen ist Pharmalys in Hochdorf integriert, welche sich um die Administration, IT, Logistik, Research and Development und das Nutrition Marketing kümmert. Dazu kommt die Abnahme von einem grossen Teil der in den neuen Anlagen hergestellten Produkte. 

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Sie sind in Tunesien geboren und gross geworden. Verbringen Sie dort noch viel Zeit?
Während den Ferien. Ein bis zwei Wochen pro Jahr.

Und wo wohnen Sie?
Ich lebe mit meiner Familie in der Zentralschweiz, rund 20 Kilometer von Hochdorf entfernt.

Sie haben vor drei Jahren 51 Prozent von Pharmalys an Hochdorf verkauft und erhalten dafür nächstes Jahr unter anderem eben 20 Prozent der Hochdorf-Aktien. Kritiker sagen, Hochdorf habe zu viel für Pharmalys bezahlt. Die Pharmalys-Zahlen seien geschönt gewesen, und das hätte den Preis hochgetrieben.
Erstens basierte der Preis auf der Leistung von zwei Jahren. Hochdorf kannte zudem die Absatzmenge und die Marge bereits von früher, weil wir schon damals über mehrere Jahre eng zusammenarbeiteten. Und die Finanzierung von Pharmalys wurde bereits während der Transaktion von Hochdorfs Finanzteam gemanagt.

Der Preis könnte trotzdem zu hoch gewesen sein.
Damals gab es noch ein anderes Unternehmen aus den Niederlanden, das Pharmalys kaufen wollte, klares Interesse signalisiert hat und auch unsere Bücher geprüft hat. Hochdorf war darüber informiert.

Wie lautete die Offerte?
Der gebotene Preis war deutlich höher als jener von Hochdorf. Es ging zudem um das gesamte Unternehmen und nicht nur um 51 Prozent. Der Preis wäre in bar bezahlt worden, und nicht zu einem Teil in Aktien wie letztlich beim Hochdorf-Deal.

Das klingt sehr attraktiv. Warum haben Sie nicht an den anderen Interessenten verkauft?
Weil ich an die Zukunft von Hochdorf glaubte und immer noch glaube. Eben gerade im Verbund mit Pharmalys. Hochdorf hat mich zudem in meiner Anfangszeit sehr stark unterstützt. Ich habe eine starke Verbundenheit zur Schweiz.

Bereuten Sie den Entscheid jemals?
Nein. Man muss jetzt einfach nach vorne schauen.

Einige Leute fürchten, Sie könnten Hochdorf in Zukunft kontrollieren wollen.
Manchmal geht es gar nicht um Kontrolle. Wenn sich die Aktionäre einig sind über die Strategie, spielt es gar nicht so eine Rolle, wer wie viele Anteile an einer Firma hält.

Kaufen Sie weitere Aktien?
Ich habe keinen fixen Plan, Hochdorf-Aktien zu kaufen. Aber wenn man überzeugt ist, dass die Firma an Wert gewinnen wird, kann es aus Investoren-Sicht Sinn ergeben, weitere Aktien zu kaufen. Das gilt auch für mich, aber nicht mit der Absicht, die alleinige Kontrolle über die Firma zu erlangen.

Aber es besteht doch ein fundamentaler Interessenskonflikt zwischen den Milchbauern und Pharmalys, an der Sie immer noch zu 49 Prozent beteiligt sind. Die Bauern wollen für Ihre Milch einen hohen Preis. Pharmalys will dagegen wenig für den Rohstoff bezahlen.
Da stimme ich überhaupt nicht zu. Wir haben das gleiche Ziel. Pharmalys braucht sehr gute Milch, die Bauern wollen sie verkaufen. Das passt zusammen.

Das sind schöne Worte, letztlich geht es um den Preis.
Nein, für die Babynahrung spielt der Milchpreis nur eine untergeordnete Rolle. Die Milch macht nur wenige Prozent der Gesamtkosten aus. Viel wichtiger ist für uns die sehr hohe Qualität und die mehr als hundertjährige Tradition von Hochdorf. Dies verkaufen wir im Ausland. Wir brauchen die Schweizer Bauern und die Unterstützung des Bauernverbandes ZMP.

Was ist Ihre Vision von Hochdorf?
Die strategischen Grundlagen wurden bereits 2006 gelegt, als Hochdorf entschied, in Baby Care zu investieren und als Folge davon neue Produktionsanlagen zu bauen. Auch begann Hochdorf, mit seinen Marken näher und direkter beim Endkunden zu sein. Ich bin überzeugt, dass diese Stossrichtung stimmt.

Amir Mechria, Gründer und Chef von Pharmalys, verkaufte im Jahre 2016 51 Prozent seines Unternehmens an den Milchverarbeiter Hochdorf und beteiligte sich gleichzeitig am Unternehmen. Pharmalys ist ein Vermarkter von Babynahrung.

Wie kommen Sie darauf?
Bei Pharmalys sehen wir zweistellige Wachstumsraten. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Firma sehr profitabel sein wird. In fünf Jahren wird Hochdorf eines der profitabelsten Unternehmen in der Schweiz sein, wenn nun die dafür richtigen Massnahmen getroffen werden.

Es gab aber Berichte in Zeitungen, wonach Pharmalys zuletzt die Erwartungen nicht erfüllte?
Solche Berichte ärgern mich. In all unseren Märkten haben wir jedes Jahr ein zweistelliges Wachstum erzielt. Ohne eine einzige Ausnahme. Wir erreichten unsere Ziele bisher immer.

Warum dann die negativen Berichte.
Die gegen Aussen präsentierten Resultate zeigen nicht die Pharmalys-Zahlen, sondern beinhalteten alle Unternehmen der Hochdorf-Gruppe.

Was brauchen Sie, damit Pharmalys weiterwächst?
Wir müssen einfach den eingeschlagenen Weg weitergehen. Der neue Sprühturm zur Produktionssteigerung in Hochdorf hilft. Wir hoffen, dass der neu zusammengesetzte VR unsere Wachstumsstrategie unterstützt. Das heisst auch investieren. Das muss man immer, wenn man neue Märkte erschliessen will. Die Resultate kommen immer erst ein bis zwei Jahre später. Das lässt sich nicht ändern. Dieses Jahr etwa wird gesamthaft betrachtet sicherlich anspruchsvoll. Aber Pharmalys hat bisher immer gute Ergebnisse geliefert.

Hat Hochdorf genug Geld für die Expansion?
Diese Frage muss der VR beantworten. Er entscheidet letztlich darüber, wie die vorhandenen Mittel strategisch zwischen den verschiedenen Geschäftsfeldern aufgeteilt werden sollen.

Genau deshalb sollten Sie doch im VR sitzen. Haben Sie diesbezüglich Pläne?
Wegen der Herausforderungen bei der Expansion bevorzuge ich, mich auf Pharmalys zu fokussieren. Aber wenn die Aktionäre eines Tages möchten, dass ich dabei sein soll, dann würde ich mir das überlegen. Ich habe heute jedoch keine entsprechenden Pläne. Natürlich bin ich aber immer dazu bereit, dem VR im Bereich Baby Care mit Rat zur Seite zu stehen. Generell bin ich eher der Typ, der am Markt aktiv ist. In den verschiedenen Märkten, bei den Kunden vor Ort. Ich verbringe die meiste Zeit im Flugzeug.

Warum reisen Sie denn so viel herum?
Pharmalys erschliesst zurzeit jedes Quartal zwei bis drei neue Länder. Da will ich vor Ort sein, um die Teams zu motivieren.

Warum braucht es Sie als Chef von Pharmalys dazu?
Ich will wissen, dass der Zug richtig aufgegleist ist. Fahren kann er dann alleine. Wir haben gute Teams vor Ort. Aber ich will verstehen, was die lokalen Herausforderungen sind und sicher sein, dass die Produkte richtig vermarktet werden.

Reden Sie auch mit den Behörden?
Normalerweise dauert es aufgrund der Zulassungsbestimmungen ein Jahr, bis man ein Produkt tatsächlich lancieren kann. Am Anfang war ich immer dabei. Heute machen das verschiedene Teams, die auch von Hochdorf unterstützt werden.

Behindert Sie die Regulierung in den einzelnen Ländern stark?
Es ist auch eine grosse Chance. Die Eintrittshürde für Konkurrenten ist genau deswegen hoch. Wir investierten am Anfang sehr viel in die Registrierung in vielen Ländern in Afrika und im Nahen Osten, ohne etwas verkaufen zu können. Aber das zahlt sich später aus. Wir glauben, in der Zukunft wird das Wachstum vor allem von Afrika kommen.

Wegen des Bevölkerungswachstums?
Dort ist die Geburtenrate hoch, und vor allem wächst die Mittelschicht rasant. Die Nachfrage nach Qualitätsprodukten steigt. Dieser Wandel findet gegenwärtig statt. Die Leute sind immer besser informiert und wissen, was Qualität ist.

Aber sie brauchen auch Geld, um die Produkte kaufen zu können.
Die Mittelschicht ist jene Schicht, die in Afrika in den letzten fünf Jahren am stärksten gewachsen ist und auch finanziell in der Lage ist, unsere Produkte zu erwerben. Natürlich ist das immer noch ein sehr kleiner Teil der Gesamtbevölkerung. Aber sie wächst stark. Dies bietet für uns grosses Potenzial.

In China sind Hochdorf und Pharmalys dafür nicht mehr präsent. Die Bewilligung ist weg.
China war nie Kernmarkt, als wir dort noch verkaufen konnten. Es ging um maximal drei Prozent unseres Umsatzes. Wir werden unsere Wachstumsziele auch künftig ohne China erreichen. China ist in unserem 5-Jahres-Plan nicht drin.

Wann kommt die Bewilligung für China endlich wieder?
Das ist kein Fall Hochdorf. China hat seit mehr als 10 Monaten keine einzige ausländische Marke zugelassen. Die Behörden geben wohl gegenwärtig lokalen Unternehmen eine Chance, sich zu positionieren. Irgendwann werden sie die ausländischen Firmen wieder zulassen. Und dann sind wir dabei. Für Pharmalys selber ist China nicht entscheidend, wir fokussieren uns auf andere Märkte. Es wäre aber natürlich schön, quasi die Kirsche auf der Torte. Möglicherweise im nächsten Jahr.

Hinweis: Das Interview wurde in englischer Sprache geführt und übersetzt.