110 Millionen Dollar Funding für ein Schweizer Startup ist nach wie vor aussergewöhnlich. Vor allem in einer überzeichneten Finanzierungsrunde. Das Schweizer Startup Sophia Genetics mit Sitz in Lausanne und Boston erhält aber zu Recht eine solche Kapitalspritze. Es ist im Bereich der datengesteuerten Medizin tätig, einer der Zukunftsbereiche im Gesundheitswesen.

Mit den Millionen kann Sophia Genetics nun die nächste Runde ihrer Expansion einläuten und weltweit aktiv werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Unterstützung der wachsenden klinischen und biopharmazeutischen Nachfrage nach datengesteuerter Medizin. 

Eine Datenbank für DNA

Das Geschäftsfeld von Sophia Genetics ist aber nicht ganz einfach zu beschreiben: Das Startup ist in der medizinischen Bioinformatik tätig. Damit bietet es Patientendiagnosen an, in dem es die DNA-Sequenzen von Menschen analysiert und speichert.

Dazu hat Sophia Genetics eine KI-Plattform gebaut und damit das weltweit grösste Community-Netzwerk für «Data-Driven Medicine» erstellt. Jeder Mensch verfügt über einen individuellen DNA-Strang. Diesen zu knacken, ist seit Jahrzehnten eine Herausforderung der Wissenschaft. Je mehr es gelingt, diese zu verstehen, desto besser können Krankheiten geheilt werden. 

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Die Plattform unterstützt Fachleute im Gesundheitswesen durch die Übersetzung mehrerer Quellen komplexer medizinischer Daten in wertvolle klinische Erkenntnisse, heisst es in der Firmenbeschreibung von Sophia Genetics. Die Plattform wird mittlerweile von über 1000 Gesundheitseinrichtungen genutzt und hat 600'000 genomische Profile analysiert. Das sind rund 17'000 pro Monat. Das Ziel ist wie bei vielen Startups: Das bessere Handling von Patientendossiers.

Auch Schweizer Banken dabei

Die Finanzierungsrunde wurde von aMoon, einem der führenden Venture-Fonds für Gesundheitstechnologie und Biowissenschaften mit Sitz in Israel, und Hitachi Ventures, einem Venture-Arm des japanischen Hitachi-Konzerns, angeführt. Dazu kamen auch zwei Schweizer Banken – die Credit Suisse und Pictet. Bestehende Investoren Swisscom Ventures, Endeavour Vision, Generation Investment Management, Alychlo und Eurazeo Growth beteiligten sich ebenfalls an der Runde. 

Mit dem Geld möchte Sophia Genetics auf dem amerikanischen aber auch dem asiatischen Markt vorwärts kommen. «Der Erlös wird aber auch dazu verwendet werden, die Plattform und ihre Akzeptanz bei Gesundheitseinrichtungen weltweit zu erhöhen», schreibt das Lausanner Startup. Dabei könne die Technologie von Sophia Genetics auch die «Entwicklung neuer zielgerichteter Therapien» voranzutreiben.

Nachfrage nach datengesteuerter Medizin wächst

«Die Gesamtnachfrage nach datengesteuerter Medizin wächst rasant. Der nächste Schritt ist die erfolgreiche Kombination mehrerer Datenquellen, um den Bedürfnissen der Kliniker besser gerecht zu werden», sagt Tomer Berkovitz vom Medtech-Investor aMoon. Sophia Genetics habe sich in den letzten Jahren zu einem der Top-Unternehmen im Bereich der datengesteuerten Medizin entwickelt, sagt auch Hitachi zu der Runde. 

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Bei Sophia Genetics selbst zeigt man sich erfreut: «Wir haben von Anfang gewusst, dass wir eine breite Basis von Daten der Schlüssel für ein weltweit besseres Gesundheitswesen ist», sagt  Chef und Gründer Jurgi Camblong.

(tdr)