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Steuerflucht
Lenz & Stähelin: Die treuen Steueranwälte des Gunter Sachs

Gunter Sachs: Sein Vermögen liess er offenbar in undurchsichtigen Offshore-Konstrukten anlegen. (Bild: Keystone)

Der verstorbene Playboy Gunter Sachs platzierte Teile seines Vermögens offenbar in Offshore-Firmen. Der Deutsche setzte auf die guten Dienste bekannter Schweizer Rechtsanwälte und Treuhänder.

Von Christian Bütikofer
am 04.04.2013

Der 2011 verstorbene Gunter Sachs war nicht nur Millionenerbe und Ehemann von Brigitte Bardot, er war auch ein richtig tüchtiger Arbeiter im Verwalten seines Vermögens. Das legt ein Artikel der «Süddeutschen Zeitung» («SZ») nahe, der auf Daten basiert, die ihr zugespielt wurden.

Die «SZ» schreibt, dass Sachs seinen Vertrauten Hans Werner Schwenk bis auf die Pazifikinsel Rarotonga fliegen liess, um sein Vermögen in undurchsichtigen Offshore-Konstrukten anzulegen.

«Company Kit» für 2700 Dollar

Im «System Sachs» spielte die Schweiz eine zentrale Rolle - seine Übersiedelung in die Schweiz in den 70er-Jahren und die spätere Erwerbung des Schweizer Bürgerrechts war nur der eine Teil.

Ebenfalls wichtig im Leben des Gunter Sachs waren Schweizer Rechtsanwälte und Treuhänder fürs Verwalten seines Millionenerbes. 

Am 15. September 1993 meldete ein Anwalt der Zürcher Grosskanzlei Lenz & Stähelin etwa eine «Triton Limited» auf den Cook-Inseln an. Kurze Zeit später war das «Company Kit» für 2700 Dollar auf dem Weg in die Schweiz. Betreut wurde Sachs von den Lenz-&-Stähelin-Anwälten Peter Hafter und Alex Wittmann.

Gunter Sachs blieb Lenz & Stähelin treu, mindestens noch zwei Jahrzehnte lang. Der Lenz & Stähelin-Anwalt gab der «SZ» zu verstehen, man hätte die Trusts rechtmässig «transparent behandelt».

Steuerverwaltung Bern prüft erneut

Die Steuerverwaltung Bern, wo Gunter Sachs zuletzt steuerpflichtig war, reagiert auf die Enthüllungen auf ihrer Webseite: «Aufgrund der Hinweise wird die Steuerverwaltung das Dossier von Gunter Sachs nochmals prüfen und mit den ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten und Mitteln allenfalls Massnahmen ergreifen. Werden weitere betroffene Personen im Kanton Bern bekannt, gilt das selbstverständlich auch für diese.»

Auch die Kanzlei Lenz & Stähelin reagierte mit einer Pressemitteilung (siehe Downloads): In verschiedenen Medien sei Gunter Sachs unterstellt worden, er hätte sein Einkommen und Vermögen nicht ordungsgemäss deklariert und versteuert. «Dies entspricht nicht der Wahrheit», schreibt Anwalt Peter Hafter. Und weiter: «Wir haben auch keine Anhaltspunkte dafür, dass er in anderen Ländern seine Steuerpflicht nicht ordnungsgemäss erfüllt hat.»

Die Panama-Gesellschaften

Neben den Lenz-&-Stähelin-Anwälten nutzte Gunter Sachs die Genfer Firma Galaxar SA, wo der deutsche Ex-Weltbankberater Wolfang Reinicke lange als Geschäftsführer amtete. Reinicke und Lenz-&-Stähelin-Anwalt Alex Wittmann waren zusammen auch in der Gunter-Sachs-Stiftung Mamax vertreten, die 2009 gegründet und gemäss Verfügung des Eidgenössischen Departements des Innern EDI im Juli 2012 aufgehoben wurde.

Die langjährige Zusammenarbeit zwischen Reinicke und Sachs ist etwa auch in Österreich ersichtlich. So sassen beide in der inzwischen gelöschten «Hotel Schloss Velden am Wörthersee Betriebsgesellschaft». Auch Sachs Vertrauter Hans Werner Schwenk, der nach Rarotonga fliegen durfte, war dort anzutreffen (siehe Downloads).

Mit Rennfahrer und Cousin Frederick von Opel ging Gunter Sachs offenbar Firmengründungen in Panama an. Beide gelten als Präsidenten und gesetzliche Repräsentanten je einer der Firmen «Dirki Finance SA» und «Muraccio Investment SA». In den im September 1977 gegründeten Firmen amteten die Schweizer Treuhänder Adrian Häberli und Jürg Schoch als Direktoren. Sie kämpfen offenbar mit Erinnerungslücken, können sich an keine Details mehr erinnern.

Staatliche Indiskretion in Südamerika

Etliche der in der SZ erwähnten Firmen waren bisher bekannt oder konnten mit simplen Namensrecherchen aufgespürt werden. Auch dass Lenz-&-Stähelin-Anwälte seit Jahren mitunter sehr Offshore-affin sind und solche Dienstleistungen anboten, war in der Szene ein offenes Geheimnis.

Beispiel Panama: Einige der Rechtsanwälte trugen sich dort über Jahrzehnte ein, man konnte die Spezialisten tagesaktuell nach Namen überprüfen, auch wenn das der Staat Panama zu verhindern versuchte.

Die Indiskretion der Personensuche war für Interessierte möglich, als Panama mit diversen Registern erstmals online ging und interessierte Schweizer Journalisten Kreisen dieses Datenleck bekannt machten - sie waren bestimmt nicht die einzigen, die das entdeckten. Die unkonventionelle Abfrage war zudem völlig legal, ohne irgendwelche Hacker-Künste seitens IT-Gurus.

IT-Unsicherheit

Die HR-Datenbank des Staates Panama lag sozusagen von Beginn weg zum Download bereit. Auch wenn dieses Versehen geradezu harmlos ist: Es zeigt, woher die Daten von Offshore-Leaks stammen könnten: Aus Quellen äusserst laschen Datenbanken-Handlings.

Es ist eine Sache, im weltweiten Finanz- und Steuerwesen Experte zu sein - die Absicherung der Informationen im Web ist eine ganz andere Spielwiese. Eine sehr teure Sache, nimmt man Datenschutz im Web ernst. Darauf meinten wohl viele Exoten - weit weg von den wichtigen Finanzmärkten, vielleicht auch auf Rarotonga - verzichten zu können. Gut möglich, dass auch das Handelsregister Panama zum nun bekannten Offshore-Leak beitrug.

So offenbaren sich im Kanalstaat per simplen Mausklick etwa neben den Aktivitäten des legendären Tessiner Finanzexperten Tito Tettamanti und seinen Vertrauten auch diverse vergangene südamerikanische Vehikel des Gunter-Sachs-Intimus Peter Hafter mit Anwaltskollege Robert Heberlein (etwa Tondonia SA, Fourones Corporation, Hollas Investment Inc, G & Y Consortium Services Ltd., Calinda Corp., Vanola SA, Daro Holdings, usw..

«Offensichtlich sehr geheim»

Die Verwicklungen auf entferntesten Inseln - Informationen aus den Paradiesen der Steuerparadiese -, Gunter Sachs Geheimniskrämerei - obwohl er in der Schweiz schon sehr diskret und unbehelligt agieren konnte - und die Internas der Helfeshelfer sind neu.

So wussten etwa Mitarbeiter in dreien Trusts nicht einmal, dass sie für Sachs arbeiteten: «Keine Information zum Gründer, offensichtlich sehr geheim.» vermerkte ein Mitarbeiter im April 1999.

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