Sie ist der überraschende Börsenaufsteiger des Jahres, allen Corona-Wirren zum Trotz: Mit einem Plus von 36 Prozent seit Jahresbeginn (Stand 25. Februar) ist der so lange gebeutelten Aktie des ­Derivatehauses Leonteq ein über­raschendes Comeback gelungen.

Auf die aktuellen Geschäftszahlen ist die Steigerung kaum zurückzuführen: Der Gewinn fiel im letzten Jahr um 31 Prozent, und auch der Ausblick auf das laufende Jahr klang bei CEO Lukas Ruflin an der Medienkon­ferenz von Mitte Februar eher verhalten.

Erstmals wieder Dividende von 50 Rappen

Kursfördernd ist sicher, dass die Firma erstmals seit 2016 wieder eine Dividende von 50 Rappen zahlen will. Und wohl haben auch manche Anleger eingesehen, dass Leonteq zu Jahresende bei einem Kurs von unter 30 Franken stark unterbewertet war – der Börsenwert handelte unter den Netto-Cash-Beständen.

Vor allem dürfte der Kurs jedoch befeuert werden durch Signale, dass Raiffeisen, mit 29 Prozent noch immer grösster Einzelaktionär, ­einen Teil ihres Anteils abstossen will. Die Beteiligung ist der letzte Rest aus der Empire-Building-Phase des gefallenen Banklenkers Pierin Vincenz. Der Verwaltungsrat um Präsident Guy Lachappelle taxiert sie «aufgrund der langjährigen Kooperation im Bereich der Emission strukturierter Produkte» weiterhin als «strategische Beteiligung», wie die Pressestelle ausrichten lässt. Doch weil für eine derartige Kooperation auch eine ­geringere Beteiligung von etwa 15 Prozent reichen würde, wäre ein Teilverkauf zu ­einem guten Preis sinnvoll.

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Von 42 auf 52 Franken pro Aktie

Raiffeisen dürfte die Leonteq-Position mit einem Durchschnittskurs von 40 Franken in ihren Büchern führen und soll angeblich am Markt signalisiert haben, beim Kurs von 42 Franken zu verkaufen. Als der Kurs Mitte Februar jedoch auf über 45 Franken sprang, verlangte die Bank angeblich plötzlich 52 Franken pro Aktie. Raiffeisen will dazu nicht detailliert Stellung nehmen.

Der Verwaltungsrat habe im Juli 2019 entschieden, an der 29-Prozent-Beteiligung an Leonteq festzuhalten, daran habe sich nichts geändert, lässt die Bank ausrichten, fügt aber den schönen Zusatz hinzu: «Stand heute.» Bei anderen Investoren steigt der Unmut: «Die haben keinen Plan, was sie mit dem Anteil wollen», sagt ein Beteiligter.

Dass die anderen Grossaktionäre Rainer-Marc Frey (14 Prozent) und CEO Ruflin (8,1 Prozent) eine Reduktion des Raiffeisen-Anteils begrüs­sen würden, ist anzunehmen: Sie macht den Titel für Anlageprofis ­attraktiver. Interessenten gibt es dem Vernehmen nach einige.