Wer hat den Aktionären vor kurzem den Quartalsbericht der UBS geschickt? Oder woher kommt der Ferienkatalog, den man online bestellt hat? In beiden Fällen lautet der (unwahrnehmbare) Absender gleich: 5634 Merenschwand AG. Die 2500-Seelen-Gemeinde ist die Basis der Markus Flühmann AG. Ab diesem Juni vertraut auch die Helsana auf den Service des Logistikers. Der Kundenstamm liegt nach 25 Jahren bei rund 120 Unternehmen.

«Die Entdeckung einer Marktlücke, nämlich die optimale Verteilung der Ferienkataloge, war der Schlüssel zum Erfolg. Heute sind wir nicht nur für die Schweizer Reisebranche, sondern für die unterschiedlichsten Gesellschaften ein zuverlässiger Outsourcing-Partner», erklärt Markus Flühmann.

Zur Philosophie sagt er: «Dank unserer eigenen Software, über die die Steuerung all unserer Dienstleistungen läuft, fangen wir mit der Logistik früher an als viele unserer Mitbewerber. Wir bieten den Kunden rund um die Uhr volle Transparenz, da wir das Problem mit der IT selbst gelöst haben.» Deswegen kommen die Bestellungen der diversen Internet-Plattformen seiner Kunden im Aargau zusammen.

Für ihre Erfolge wurde The Distribution Company, wie sich die Firma ergänzend nennt, von der Schweizerischen Gesellschaft für Logistik mit dem Innovationspreis «Swisslog 2002» ausgezeichnet.

In Merenschwand verfügt man derzeit über eigene Lagerflächen von fast 14000 m2. Damit stösst The Distribution Company bereits wieder an ihre Kapazitätsgrenzen. Daher entsteht ein Erweiterungsbau mit gut 7000 m2. 2007 hat die Markus Flühmann AG nach den Erstversänden total 552000 Pakete und 880000 Briefe verschickt. In den Rekordwochen vom 14. bis 27. Januar 2008 wurden übrigens 2,3 Mio Ferienkataloge ausgeliefert.

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«Unfreiwillige Selbstständigkeit»

Angefangen hat, wie so oft, alles mit einem Zufall. «Es war der 3. Januar 1983», erinnert sich Flühmann. Statt Festangestellter bei der Fachzeitung «HTR» in Bern als Inseratverkäufer wurde der gelernte Reisefachmann und Verkaufsleiter «unfreiwillig selbstständig». Auf der Heimfahrt wich der Ärger nach der halben Strecke: «Ich konnte ohne Risiko unabhängig werden.»

Nun musste ein Computer her. Die ersten Modelle gab es Mitte der 1980er Jahre im Bausatz für 12000 Fr. «Drei Wochen später war das Ding zusammengefügt», ergänzt Flühmann. Aber nichts passierte. Es fehlte die Software. Der nächste Zufall wollte es, dass sein bester Freund damals bei Fides auf der Suche nach KMU mit PCs war, denen es an Anwendungen fehlte. Fides würde ein Programm nach seinen Ideen entwickeln, wenn er danach das geistige Eigentum abtrete.

Ein halbes Jahr später begann Flühmann, alle Reisebüroadressen der Schweiz zu erfassen. Ein Airline-Manager wollte damals von ihm wissen, wie er das mit den Mailings mache und ob er auch Flugpläne versenden könne? «Und so wurde Qantas mein erster Kunde.» Der Durchbruch gelang 1991 dank des nächsten Zufalls.» Seinerzeit wurde Kuoni von McKinsey durchleuchtet. Es stellte sich heraus, dass der Schweizer Reise-Riese beim Versand der Kataloge nicht gerade mit Effizienz glänzte. «Nachbestellungen waren zum Teil über drei Wochen unterwegs und wurden mit dem vollen Porto frankiert.» Hans Lerch (ex CEO) brachte Flühmann im Smalltalk auf das Thema. Im Juni lag seine Offerte bei Kuoni und im August begann er mit der Arbeit. Bereits im ersten Jahr der Auslagerung konnte Kuoni rund 700000 Fr. an Druckkosten sparen.

Von der Bier-Idee zur IT-Tochter

Der Erfolg stellte sich laut Flühmann rasch ein. Es folgte der Rest der Schweizer Reisebranche. «Die nächsten drei Jahre habe ich praktisch nur noch Offerten geschrieben, Lagerräume gemietet sowie Mitarbeitende eingestellt.» Mitte der 1990er Jahre lief das Logistikgeschäft fast wie geschmiert. Aus der Einzelfirma wurde die heutige Markus Flühmann AG. Gleichzeitig begann er mit seinem eigenen Industriebau in Merenschwand.

Doch nach 9/11 brach nicht nur die Reisebranche ein, sondern auch das damit verbundene Logistikgeschäft. Aus der Not heraus erfolgte die Diversifikation. Die UBS sollte der erste Grosskunde werden, der nichts mit Tourismus zu tun hatte.

Möglich machte den Coup gemäss Flühmann einmal mehr eine Wendung: Aus einer Bier-Idee mit einem Computer-Freak entstand die Tonazzi dot net AG. Die Informatiktochter entwickelt in Merenschwand seit 2001 sämtliche Software der Markus Flühmann AG.