Gebana Frauen mit Cashew-Nüsse

Fairtraide in Burkina Faso: Die Tücken des Geschäfts

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Von David Vonplon
am 02.01.2019

Alles von Hand: Gebana-Mitarbeiterinnen säubern Cashew-Nüsse.

Quelle: Gherard Grimoldi/Gebana

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Die Fairtrade-Firma Gebana Burkina Faso stand kurz vor dem Konkurs. Wie Cashew-Nüsse und Crowdfunding das Geschäft retteten.

Vor einem Jahr war Gebana Burkina Faso praktisch pleite. Starke Winde hatten die Blüten von den Mangobäumen geweht – wegen der Ernteausfälle stand die Mangofabrik zeitweise zwangsweise still. Und bei den Cashew-Nüssen vervielfachten sich die Einkaufspreise in kurzer Zeit – die Kunden waren nicht bereit, die Aufschläge zu schlucken. Das Management drosselte die Produktion und machte damit alles noch schlimmer. Es resultierte ein Millionenverlust, die ohnehin schon überschuldete afrikanische Tochterfirma des Fairtrade-Unternehmens stand vor dem Konkurs und drohte auch das Mutterhaus in den Abgrund zu reissen. «Wir mussten den schweren Gang tun und unseren Investoren die Hiobsbotschaft überbringen: Wir können eure Darlehen nicht zurückzahlen», erinnert sich Gebana-CEO Adrian Wiedmer.

Im Sommer 2018 ist von den zurückliegenden Verwerfungen nichts zu spüren in Bobo-Dioulasso, der zweitgrössten Stadt im westafrikanischen Burkina Faso. Es herrscht Hochbetrieb auf dem Gelände der firmeneigenen Fabrik. Soeben ist ein Wolkenbruch niedergegangen. Er macht die unasphaltierten Strassen durch die Aussenquartiere der Stadt fast unpassierbar. Auf dem Betriebsgelände von Gebana wird trotzdem an der Kapazitätsgrenze gearbeitet. In den Lagerhäusern türmen sich Berge von Cashew-Rohnüssen und getrockneten Mangos. Hundertschaften von Frauen sitzen an langen Tischen. Man wähnt sich in einem Industriebetrieb des 19. Jahrhunderts. Die Frauen tragen braune oder weisse Schürze, Haarnetz und Mundschutz. Ihre Hände bewegen sich schnell, während sie die Nüsse knacken und mit einer Gabel die Kerne aus der harten Schale picken und sie anschliessend häuten, säubern und sortieren.

Foto: Gherard Grimoldi

Es ist eine Knochenarbeit, die die meisten der rund 500 Mitarbeiterinnen im Verarbeitungsbetrieb leisten, bezahlt wird im Akkord: 90 Kilogramm Cashew-Rohnüsse schafft eine Frau pro Tag – das ergibt an guten Tagen 8 Kilogramm der wertvollen Kerne, die bei uns im Studentenfutter, im Müsli oder in veganem Käse landen. Bis zu 2000 CFA-Francs – umgerechnet 3.50 Franken – springen als Verdienst für fleissige Mitarbeiterinnen pro Tag raus. In Burkina Faso, einem der ärmsten Länder Afrikas, ist das ein stattliches Einkommen. Wo sonst Armut herrscht, reicht das Salär der Frauen knapp, um eine Grossfamilie durchzubringen. Rund 500 Mitarbeiter, 3300 Bauern und weitere 2000 Angestellte bei Mangotrocknereien, die an Gebana liefern, erhalten so ein sicheres Einkommen dank der Präsenz von Gebana Burkina Faso.

Cashew-Nüsse

Alles von Hand: Gebana-Mitarbeiterinnen trennen die Schale von den Cashew-Nüssen ab.

Quelle: Gherard Grimoldi/Gebana
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Dabei grenzt es an ein Wunder, dass in dieser Fabrik noch gearbeitet wird. Den Konkurs der afrikanischen Tochter vor Augen, hatte Gebana Investoren und Grosskunden um finanzielle Zugeständnisse gebeten – vorerst mit durchzogenem Erfolg. «Derzeit erlauben es die Geschäftsgegebenheiten nicht, einen mehrjährigen Abnahmevertrag abzuschliessen oder eine Vorfinanzierung in einem Hochrisikoland wie Burkina Faso zu tätigen», schrieb ein grosser Abnehmer im Herbst an den Schweizer Produzenten und Händler. Auch andere potenzielle Investoren hielten sich zurück.»