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Luftfrachtpool: Vorwärts mit Advance

Am Anfang herrschte eher Skepsis, doch mittlerweile funktioniert die Zusammenarbeit mittelständischer Schweizer Spediteure.

Von Wilf Seifert
am 12.11.2003

Aller Unkenrufe zum Trotz: Der aus einem Trio mittelständischer Schweizer Familienunternehmen der Speditions- und Logistikbranche bestehende Luftfrachtpool Advance floriert. Wegen steigenden Marktbedarfs hat er seinen Exportservice seit Beginn des Winterflugplans 2003 um diverse Destinationen in Südamerika, auf dem indischen Subkontinent und in den USA ergänzt. Advance war im Herbst 2001 von der Fracht AG, Lamprecht Transport AG und Natural AG aus der Taufe gehoben worden. Kernziel ihres Zusammenschlusses war die Sicherung ausreichender Frachtraumkapazitäten. Dafür gab es einen triftigen Grund: Allein die Riesen DHL und Panalpina kontrollieren über 50% der helvetischen Luftfrachtexporttonnage.

Paritätische Regie

«Je mehr Airlines ihre Kapazitäten reduzieren, umso wichtiger wird die Zusammenarbeit mit einem Partner, der jederzeit den gewünschten Platz und Service an-bieten kann», wirbt Advance in einem Kundenbrief. Heute spediert der Pool monatlich knapp 300 t Ladung nach 29 Zielpunkten. Den Schwerpunkt bilden Maschinen und deren (Ersatz-)Teile, gefolgt vom übrigen Spektrum klassischer Sammelgüter, mit Bestimmung Japan, Taiwan, Hongkong, China, Singapur, Thailand, Indien, USA und Australien. Sämtliche Destinationen werden mindestens einmal, einige sogar bis zu sechsmal pro Woche bedient. Richtung Fernost setzt Advance bevorzugt Thai Airways, Cathay Pacific, Eva Air, KLM, Japan Airlines, Singapore Airlines und Swiss International Air Lines, zur US-Ostküste Singapore Airlines und American Airlines ein. Dabei nutzt der Pool alle Typen Fluggerät ­ von Passagiermaschinen bis zu Vollfrachtern.

Seine Regie liegt paritätisch in Händen eines halben Dutzends Topmanager, zwei pro Firma. Dazu gehören Robert Widmer, (Vizedirektor der Fracht AG), Orlando Righi, (Kloten-Stützpunktchef der Lamprecht Transport) sowie Sandro Rugel, Chief Operating Officer der Natural AG. Advance-Ladungsdrehscheiben sind die Flughäfen Zürich und Basel. Geplant ist, auch via Genf zu operieren. Im Gegensatz zu ähnlichen Gruppierungen, die laut Rugel «durch Dissonanzen statt Teamgeist brillieren, halten wir wie Pech und Schwefel zusammen.» Doch die Advance-Harmonie hat ihre Grenzen: Obwohl sie Frachtraum geballt einkaufen und nach Bedarf untereinander aufteilen, treten die drei Häuser in Marketing und Akquisition als Konkurrenten auf. Den Misserfolg der Möchtegern-Pools führen Widmer, Righi und Rugel vor allem auf «ausländische Einflüsse» zurück. Davon ist Advance abgeschottet, zumal seine Partner mehr als das Prädikat «alteingesessene mittelständische Schweizer Privatfirma» verbindet: Ihre Besitzerfamilien Reisdorf (Fracht), Lamprecht und Crowe (Natural) folgen einer ähnlichen Unternehmensstrategie.

«Bei der Gründung mangelte es nicht an Unkenrufen. So mancher Wettbewerber attestierte uns null Überlebenschancen. Inzwischen sind wir zur Nummer drei im Lande avanciert und erhalten sogar Bewerbungen potenzieller Beitrittskandidaten», frohlockt Widmer, der auch im Vorstand der Zürcher Spediteur Vereinigung sitzt. «Aber wir bleiben unserem Motto treu.» Zu den Advance-Stärken zählt das Trio unisono «unsere gegenseitige Ergänzung im Stück- und Schwergutsegment. Vor dem Schulterschluss sah das anders aus. Kam es wegen sporadischer Ladungsüber-hänge zu Kapazitätsengpässen, musste man harzige Verhandlungen mit einzelnen Airlines führen. Heute können wir solche Spitzen innerhalb eines Gesamttopfes abfedern.» Davon profitierten vor allem in Termindruck geratene Kunden. In solchen Fällen sei der Preis sekundär, sagen sie.

Ständige Qualitätskontrolle

Apropos Kosten: Die Advance-Manager nehmen alle sechs Monate vor Beginn des neuen Flugplans Qualität und Raten ihrer Carrier unter die Lupe. «Bei uns fällt kein Carrier wegen ein paar Extrarappen aus dem Rennen», relativiert Rugel, der auch Präsident des Verbands Basler Speditions-Logistiker ist. Als eidgenössisches Joint Venture hatte Advance auch mit der Swiss-Frachtdivision verhandelt. Doch die Gespräche verliefen anfänglich im Sande. «Swiss-WorldCargos-Kapazitäten, -Netzwerkdichte und -Raten entsprachen nicht unseren Bedürfnissen. Zudem beäugte man unseren Pool mit Misstrauen, zweifelte an seinem Fortbestand», erinnert sich Righi. Inzwischen haben sich die Wogen zwischen Advance und Swiss etwas geglättet. Jetzt kooperieren sie auf den Relationen Bombay, Miami und Johannesburg.

Obwohl die Advance-Manager einen stetigen Anstieg des Luftfrachtvolumens erwarten, bereiten sie sich auf eine geschäftlich härtere Gangart vor. Luftfrachtspeditio-nen, so ihre einhellige Prognose, würden künftig unter sicherheitsbedingt verschärften Auflagen, längeren Laufzeiten, prolongiertem Grounding der Ladung und stärkerem Wettbewerb zu leiden haben.

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