Anton Affentranger ist kein typischer Netzwerker, dafür ist er zu autonom. Die meisten seiner Kontakte ergeben sich aus einer Sache – das zeigt auch sein jüngster Coup. Schon seit Mitte der neunziger Jahre hatten die Banken die Bauunternehmen zu nationalen Fusionen gedrängt, doch sie scheiterten an den Eitelkeiten der Firmenchefs. Erst als sich zwei nüchtern denkende ehemalige Banker, Anton Affentranger von Zschokke und Markus Dennler von Batigroup, gegenüberstanden, kam der Handel zu Stande. Dass Affentranger das Präsidium im Verwaltungsrat übernehmen und auch noch Zschokke-Manager Christian Bubb als operativen Chef der neuen Implenia installieren konnte, zeigt, wie stark seine Verhandlungsposition war.

Der 49-Jährige ist nicht dafür bekannt, klein beizugeben. Als Teenager schwärmte er für den Freiheitskämpfer Che Guevara, dessen Wirken er aus der Nähe verfolgen konnte: In Argentinien als Kind eines Schweizers und einer Spanierin geboren, wuchs Antonio in Peru und Chile auf. Sein Vater, gelernter Käser, war in den fünfziger Jahren nach Argentinien ausgewandert, wo er bei Nestlé eine Stelle fand. Zurück in der Schweiz, im Luzernischen, ging Anton – oder «Toni», wie Affentranger fortan genannt wurde – aufs Gymnasium und studierte danach an der Universität Genf Volkswirtschaft.

Seine erste Stelle fand er bei der Bankgesellschaft, wo er, abgesehen von einem kurzen Abstecher zum Rohstoffhändler Marc Rich, in 15 Jahren in New York, Hongkong, Genf und Zürich alle Karrierestufen bis zum Generaldirektor und Schweizer Kreditchef durchlief. Gross war das Erstaunen, als der Shooting Star kurz vor der Fusion mit dem Schweizerischen Bankverein absprang, obwohl er als Kreditchef der neuen UBS gesetzt war. Er wollte den Ausverkauf der Bankgesellschaft nicht mitmachen und hatte sich mit seinem Chef Stephan Haeringer überworfen, der auch in der neuen Bank sein Vorgesetzter gewesen wäre.

Er war nur kurze Zeit arbeitslos. Banquier Thierry Lombard, den er von seiner Genfer Zeit her kannte, machte mit Affentranger zum ersten Mal einen Aussenstehenden zum Partner und operativen Chef von Lombard Odier. Doch Affentranger – intern «Triple A» genannt – schlug bei der Neuausrichtung der Privatbank ein Tempo an, dem die alteingesessenen Gesellschafter nicht folgen mochten. Da kam ein Angebot aus Basel gerade recht: Anton Affentranger sollte in die Fussstapfen des legendären Roche-Finanzchefs Henri B. Meier treten. Nach einem halben Jahr war er den Posten wieder los, weil die Chemie mit Konzernchef Franz Humer nicht stimmte. Später gründete er die Beteiligungsgesellschaft Affentranger Associates, für die er seine ehemaligen Gefährten Claudio Möhr von der UBS und Philippe Sarasin von Lombard Odier engagierte.

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Die Investoren

Als Generaldirektor der Bankgesellschaft (SBG) lernte Anton Affentranger in den neunziger Jahren den FDP-Politiker und Industriellen Johann Niklaus Schneider-Ammann kennen, der damals im SBG-Verwaltungsrat sass. Schneider war beeindruckt: «Toni ist ein solider und visionärer Denker.» Als Schneider einige Jahre später Investoren suchte, um die vom Konkurs bedrohte Bieler Industriegruppe Mikron zu retten, rief er auch bei Affentranger an. Der hatte gerade bei Lombard Odier ein stattliches Vermögen gemacht und stieg ein. Zum harten Kern bei Mikron gehören auch Stratec-Gründer Rudolf Maag und Conzzeta-Grossaktionär Heinrich Spoerry; auch mit Finanzchef Eduard Rikli ist Affentranger befreundet. Im Lauf der Sanierung wurde er zu einem engen Vertrauten Schneiders, der ihm einen Sitz im Verwaltungsrat seines Familienunternehmens verschaffte. Neben Mikron beteiligte sich Affentranger am Freiburger Softwareunternehmen Dartfish, mit dessen Gründer, dem Genfer Professor Martin Vetterli, er befreundet ist.

Die Westschweizer Connection

Anton Affentranger ist Stiftungsrat des Prix de Lausanne, eines der begehrtesten Förderpreise des klassischen Tanzes. Die Affinität zum Tanz vermittelte ihm seine Frau Melinda, eine Schweizer Balletttänzerin, die er in New York kennen lernte und mit der er zwei Kinder hat. Ehrenpräsident der Stiftung ist Alt-Staatssekretär Franz Blankart, der zu Affentrangers Westschweizer Freundeskreis zählt. Ebenfalls dazu gehören Charles Pictet von der gleichnamigen Privatbank, Professor Gilbert Probst, Schriftsteller Ernesto Perren, Künstler Roger Pfund und Banker Hans-Jörg Rudloff, ein Nachbar der Affentrangers in Hermance am Genfersee. Als «Hobby auf hohem Niveau» bezeichnet Affentranger sein Amt als Präsident des Centre d’études pratiques de la négociation internationale (Casin), einer Kontaktplattform für Staaten, die von seinem Freund Jean Freymond operativ geleitet wird.

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Der Marathonläufer

Affentranger sieht eher aus wie ein Tennislehrer, aber seine Passion ist Jogging. Jeden Morgen schnürt er die Turnschuhe und rennt los. Es war ein Chauffeur der Bank Lombard Odier namens Julian Senderos, Vater des Fussballnationalspielers Philippe Senderos, der ihm die Lust am Marathonlaufen vermittelt hat. Anfang November lief er zum vierten Mal den New York Marathon in einer für ihn enttäuschenden Zeit von 4:53:02 – nachdem er zweimal schon unter vier Stunden geblieben war.