Den Weg zur Arbeit legt Benno Marbach im Taxi zurück. So ist er von seiner Wohnung nahe einem Park in fünf Minuten am Hauptsitz des Elektronikkonzerns Samsung im Zentrum von Seoul. Abends lässt sich der 36-Jährige mehr Zeit, um nach Hause zu kommen. Nach einem zwölfstündigen Arbeitstag schlendert er jeweils zu Fuss nach Hause. In einer Viertelstunde ist er da, wogegen die meisten seiner Arbeitskollegen eine weite und mühsame Busfahrt in die Aussenquartiere auf sich nehmen müssen.

Seit bald einem Jahr lebt Marbach in Südkorea; noch vor seinem MBA-Abschluss an der University of Michigan Business School in den USA ist er von Samsung als Global Strategist angeheuert worden. Das Unternehmen rekrutiert gleich vor Ort Absolventen, die im Konzern eine internationale Karriere starten möchten.

Marbachs Lebenslauf liest sich gut: Aufgewachsen in Horw LU, legte er die neusprachliche Matura im Kollegium St. Fidelis in Stans NW ab und studierte in St. Gallen. 1995 verliess er die Universität dort mit zwei Abschlüssen, einem in internationalen Beziehungen und einem in internationalem Management. Kraft, Coca-Cola und Nestlé – Marbach arbeitete in den Bereichen Marketing und Verkauf – waren seine ersten beruflichen Stationen.

Um seine Pläne einer internationalen Laufbahn zu verwirklichen («Ich strebte dieses Ziel stets an»), entschloss sich der ambitionierte Jungmanager, in den USA ein MBA-Studium in Angriff zu nehmen. «Ausserhalb Europas sind die Schweizer Abschlüsse nicht bekannt und kaum Türöffner», sagt Marbach. Zudem habe er seinen Horizont erweitern und sich amerikanisches Geschäfts-Know-how erwerben wollen. Eine weltoffene Familie und ein Bruder, der nach ETH- und Zusatzstudium zum Professor in Toronto avancierte, seien für ihn Ermunterungen für einen globalen Weg gewesen.

Für Michigan als Studienort hat sich Marbach auf Grundlage akribischer Evaluation und persönlicher Kontakte entschieden. Es habe sich gelohnt, die aufstrebende Schule zu wählen – nicht zuletzt wegen eines Praktikums, das er während des Studiums beim Kosmetikkonzern L’Oréal am Hauptsitz in New York absolvieren konnte.

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In Südkorea werde auffällig gruppenorientiert gearbeitet, hat Marbach festgestellt. «Der Einzelne stellt sich viel weniger in den Vordergrund als in den USA oder in Europa.» Gemeinsam werde gearbeitet, bis eine Lösung gefunden sei. Dem Strategieberater bei Samsung fällt die hierarchische Organisation der Firmen auf. Wenn der Chef eine Marschrichtung vorgebe, «laufen alle unisono in diese Richtung». Die Schweizern eigene Anpassungsfähigkeit komme ihm da zugute – Disziplin als hohes Gebot. Das habe er in der Schweiz im Militär gelernt, so der Oberleutnant der Artillerie.

Einen Nachteil erkennt Marbach allerdings in der hierarchischen Struktur: Sie bringe mit sich, dass das Potenzial der Angestellten manchmal nicht voll ausgeschöpft werde. Auf der anderen Seite erlaube die Organisationsform schnelle Entscheide. Benno Marbach ist fasziniert vom «Marketingwunder» Samsung. Innerhalb kurzer Zeit seien von Asien aus enorme Entwicklungsprozesse in den Vereinigten Staaten, Europa und anderen Schlüsselmärkten vollzogen worden. «Ich habe in dem einen Jahr einen einzigartigen Einblick erhalten.» Weitere zwei bis drei Jahre will der Schweizer die globale Strategie des südkoreanischen Elektronikkonzerns mitgestalten.

Weit über 5000 Angestellte arbeiten am Hauptsitz von Samsung in Seoul. Eine neue Industriewelt, in der sich Marbach akklimatisiert hat. Er bemüht sich systematisch, die koreanische Sprache zu lernen, und kann sich bereits damit durchschlagen. Bis er auch die Insidergespräche versteht, bedarf es allerdings noch einiger Anstrengungen. Dank den guten Englischkenntnissen der meisten Mitarbeiter sei die Verständigung jedoch kein Problem, betont Marbach.

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Kontakte ausserhalb der Firma pflegt er vor allem mit anderen MBA-Absolventen aus Europa und den USA sowie Koreanern, die er an der Schule in Michigan kennen gelernt hat. Auch zu einigen der rund 150 in Seoul lebenden Schweizer, die untereinander gut vernetzt seien, gebe es freundschaftliche Beziehungen. Seine Freizeit verbringt Marbach mit Schwimmen, Wanderungen in den nahen Hügelketten oder kulturellen Aktivitäten. Er nutze das reichhaltige Angebot an Opern, Konzerten und Museen. Und es gebe zahlreiche Paläste und andere Sehenswürdigkeiten zu entdecken. «Doch der Job hat erste Priorität», betont der Junggeselle.

Seinen beruflichen Zielen ordnet er alles unter. «Ich bin flexibel», und das eröffne ihm Chancen. Bei fünf globalen Projekten seines Arbeitgebers habe er bereits anpacken können. Nacht- und Frühschichten, die wegen der Zeitdifferenz zu Tochterfirmen und Partnern in anderen Ländern unabdingbar sind, nimmt Marbach klaglos in Kauf. Er ist zum Arbeiten in Seoul. Trotzdem vermisse er in der Stadt mit ihren zwölf Millionen Einwohnern manchmal seine Familie und seine Schweizer Kollegen. E-Mail- und Telefonkontakte ersetzten ein Zusammensein nicht. «Zudem fehlen mir in dieser Umgebung die heimische Natur und gelegentlich ein währschaftes Essen», sagt Marbach.

Samba

Mit Kollegen gründete Marbach 2004 die Swiss Association of MBAs (Samba). Zu den Mitgliedern gehören Studierende, Ehemalige, aber auch Professoren. Ziel des Vereins ist es, Gleichgesinnten einen Gedankenaustausch zu ermöglichen, Geschäftsideen zu entwickeln, Karriereschritte vorzubereiten und Kontakte zu führenden Business Schools zu pflegen. Potenziellen MBA-Kandidaten wird Hilfe bei der Bewerbung und der Auswahl von geeigneten Business-Schulen geboten. Alle zwei Monate treffen sich die Mitglieder von Samba zum Erfahrungsaustausch oder zur Diskussion mit Gastreferenten.

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Ross Business School

Das bekannteste Produkt der Stephen M. Ross School of Business an der University of Michigan ist der American Consumer Satisfaction Index, der quartalsweise Aufschluss über die Konsumfreude der US-Haushalte liefert. Ansonsten taucht die Schule in Ratings stets in Toppositionen auf: Das «Wall Street Journal» führt die Ross Business School auf Rang 2, «BusinessWeek» auf Rang 6. Die Eliteschule in Ann Arbor gilt als spezielles Rekrutierungsfeld von Citigroup, Booz Allen Hamilton und Dell.