Einige Anlageklassen wie Währungen, Zinsen oder Rohstoffe unterliegen dem sogenannte «Mean Reverting»-Effekt. Unter Mean Reversion versteht man die Tendenz von Wertentwicklungen, nach einer zeitlich begrenzten Abweichung vom Mittelwert langfristig wieder zu diesem zurückzukehren. Als Konsequenz bewegen sie sich deshalb in Zyklen und nicht in langfristigen Trends. In einem mittel- bis langfristig sehr stark von Angebot und Nachfrage geprägten Markt wie dem der Rohstoffe ist diese Eigenschaft intuitiv: In Zeiten starken Wirtschaftswachstums führt eine erhöhte Rohstoffnachfrage zu steigenden Preisen. Die Produktionskapazitäten werden erhöht. Schwächt sich die Nachfrage ab, führt dies schnell zu einem Überangebot und zu einem einsetzenden Preisverfall.

Strategie für mehr Ertrag

Marktteilnehmern, die nicht mehr profitabel wirtschaften können, scheiden aus. Dieser Prozess kehrt erst wieder, wenn das Angebot so gering ist, dass die Nachfrage überwiegt. Die Preise beginnen wieder zu steigen und der Kreis schliesst sich. Rohstoffzyklen sind also geprägt durch die Inelastizität von Angebot und Nachfrage und permanente Ungleichgewichte. Es dauert immer relativ lange, um das Angebot an die vorherrschende Marktsituation anzupassen.
Die «einfachste» daraus abzuleitende Strategie ist Folgende: Der Anleger setzt auf steigende Kurse, wenn sich diese unter ihrem langfristig beobachtbaren Mittelwert bewegen, und auf fallende Kurse, wenn sich diese über ihrem Mittelwert befinden. Die Anlageentscheidung nur auf die Abweichung vom Mittelwert zu basieren, kann aber fehlerbehaftet sein, da dieser sich im Zeitablauf selbst ändert. Ausserdem ist entscheidend, wann sich eine Zeitreihe zum Mittelwert zurückbewegt. Diese Rückkehr kann sich über sehr lange Zeit hinziehen. Diese beschriebene Eigenschaft in Verbindung mit den Erwartungen der Marktteilnehmer beeinflusst massgeblich die Terminkurven der Rohstoffmärkte. Starke Preisanstiege begünstigen Backwardation, die Situation, in der länger laufende Kontrakte günstiger zu kaufen sind als solche am kurzen Ende der Terminmarktkurve. Fallen umgekehrt die Rohstoffpreise auf historisch tiefe Niveaus und die Preise für lang laufende Kontrakte werden aufgrund der erwarteten Preissteigerungen teurer, redet man von Contango.

Eine zusätzliche Renditequelle

Märkte mit Mean Reversion erfordern für eine langfristig positive Rendite einen aktiven Handelsansatz. Man macht sich die hohen Volatilitäten der Rohstoffe zu Nutze. Mit einem aktiv gemanagten Optionenportfolio kann die Volatilität einer Indexanlage reduziert werden. Unter Beobachtung der impliziten Volatilitäten und der Laufzeit lässt sich durch den gezielten, von Terminkontrakten gedeckten, Verkauf von Optionen langfristig eine Überrendite gegenüber der Passivanlage erzielen. Als Sicherheiten werden die Basiswerte der Optionen im Portfolio physisch hinterlegt. Zu den drei klassischen Ertragsquellen einer Rohstoffanlage mittels Terminkontrakten – Kursgewinne der Rohstoffe, Zinsen aus dem Geldmarktportfolio und «Roll Yield» bei Backwardation – kommt mit der Volatilität bei dieser Strategie in Märkten mit Mean Reversion also eine weitere Komponente hinzu. Eine langfristig überdurchschnittliche Rendite bei reduzierter Volatilität wird möglich.

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Ronald Angst, Partner, und Lars Bergmann, Assetmanager, Picard Angst, Pfäffikon.