Im vergangenen Herbst mischten sich zwei Staatsfonds in den Übernahmekampf von Glencore um den Zuger Rohstoffkonzern Xstrata ein: Qatar Holdings und der norwegische Statens Pensjonsfond. Sie kauften für Hunderte Millionen Dollar Xstrata-Aktien zu und forderten von Glencore ein besseres Übernahmeangebot. Nach längerem Taktieren erhöhte Glasenberg schliesslich seine Offerte. Der Aufstand der beiden Grossaktionäre sorgte weltweit für Aufsehen. Fast noch grösser war dabei die Verwunderung über das aggressive Vorgehen der Norweger, die dem mächtigen Glencore-Chef Ivan Glasenberg öffentlich die Stirn boten.

Denn zuvor hatte sich die Norges Bank Investment Management, die den 556 Milliarden Franken schweren Staatsfonds verwaltet, stets hinter den Kulissen gehalten. Von der Anlageabteilung der norwegischen Notenbank war man gewohnt, dass sie diskret Minderheitsanteile von Firmen kauft. Und dann darüber schweigt.

Das änderte sich: «Wir werden zu einem aktiveren Investor», sagte Petter Johnsen, Chef für Aktieninvestments bei Norges Bank Investment Management, damals der «Handelszeitung». Einige Zeit davor hatte das norwegische Finanzministerium der Fondsleitung erlaubt, den Anteil an einer Firma von maximal 5 auf 10 Prozent zu verdoppeln. Ein klares Zeichen, dass man mehr mitreden will. «Mit dem Gewicht des Anteils steigt auch die Verantwortung», erklärt Johnsen.

Anzeige

Die Öl-Milliarden gibt es nicht umsonst

Das Wort des Mannes, der ein Aktienportefeuille von 325 Milliarden Franken überschaut, hat in der Schweiz Gewicht. Denn die Norweger waren schon im Herbst 2012 dabei, ihren Einfluss hierzulande zu erhöhen: Der Anteil des Landes im Portefeuille des Staatsfonds war in den letzten fünf Jahren von 4,7 Prozent auf 6,3 Prozent gestiegen, der Statens Pensjonsfond ist an 103 Schweizer Firmen beteiligt; die Schwergewichte Nestlé und Novartis gehören zu den zehn wichtigsten Aktieninvestments des Vehikels.

Ebenfalls kaufte der Fonds Pflichtwandelanleihen, welche die Credit Suisse zur Stärkung ihres Eigenkapitals ausgab. Damit wurde die Norges Bank Investment Management als Statthalterin des Statens Pensjonsfond der fünftgrösste institutionelle Anleger bei der CS. während sie bei der UBS zweitwichtigster Aktionär war. Die Grossbanken legen das Engagement von Staatsfonds gerne als Vertrauensbeweis aus. Doch geschenkt gibt es die nordischen Ölmilliarden nicht.

Die Fondsverwalterin steht auch selber unter Druck: Ihr wird vorgeworfen, das für künftige Generationen von Norwegern geäufnete Vermögen nicht rentabel genug anzulegen. So mag die Performance längerfristig nicht zu begeistern: Zwischen 1998 und 2011 erzielte der Staatsfonds eine jährliche Rendite von 2,4 Prozent - bereinigt um Verwaltungskosten und Teuerung. Demgegenüber lag die jährliche Rendite der Abu Dhabi Investment Authority, des weltgrössten Staatsfonds, in den letzten 20 Jahren bei 7 Prozent.

«Der ruft bei einer UBS direkt an»

Dabei sind die Probleme schön länger bekannt. Eine vom Finanzministerium 2009 in Auftrag gegebene Studie kam zum Schluss, dass der Fonds im Wesentlichen eine passive Rolle einnehme. Die für die Verwaltung zuständige norwegische Zentralbank folgerte daraus, dass der Fonds von nun an aktiv nach Chancen suchen müsse. Investmentchef Johnsen erklärte, was dies in der Praxis bedeutet. «Wir wollen Mehrwert erzielen durch die Befolgung unserer Prinzipien: Gleichbehandlung aller Aktionäre, Verantwortlichkeit des Verwaltungsrats und Einflussnahme der Eigner.»

Anzeige

Nicht nur Milliardär Glasenberg bekam die neue Taktik der Norweger zu spüren. Die Fondsverwalterin zeigt sich an den Generalversammlungen von Schweizer Firmen zunehmend angriffig. Besonders stark reibt sich der Grossinvestor an der Bonus-Politik hiesiger Grossunternehmen. Laut eigenen Angaben stimmte Norges Bank Investment Management 2011 etwa bei ABB gegen das Optionsprogramm und gegen die Wahl von Verwaltungsratsmitgliedern.

Auch bei Zurich und UBS lehnte sie von den Unternehmen aufgestellte Verwaltungsräte ab. Bei der Grossbank wurden zudem die vergeschlagenen Boni verworfen. Martin Skancke, der im norwegischen Finanzministerium früher den Staatsfonds beaufsichtigte, sieht darin Methode. «Die Firmenführung muss dahingehend diszipliniert werden, dass sie den Ansprüchen der Eigner Rechnung trägt.»

Anzeige

Rote Karte für Wal-Mart

Dabei sind Generalversammlungen gerade nicht das Spielfeld der Grossinvestoren. «Aktionäre von diesem Kaliber üben diskreten, aber wirkungsvollen Druck aus», sagte Dominique Biedermann, Chef der Stiftung Ethos, der bekanntesten Schweizer Aktionärsrechtsvertreterin. «Der norwegische Staatsfonds hat es nicht nötig, an Aktionärsversammlungen zu gehen. Der ruft bei einer UBS direkt an.»

Viel Beachtung erntet auch das Ausschlussverfahren der Norweger. In Abstimmung mit der norwegischen Aussenpolitik sind für den Staatsfonds gewisse Investments tabu: Firmen etwa, die Streumunition herstellen, Kinder arbeiten lassen oder die Umwelt verschmutzen. Immer öfter werden aber auch renitente Manager gemassregelt.

So lehnte es der amerikanische Detailhandelsriese Wal-Mart wiederholt ab, dass Mitarbeiter in einer Gewerkschaft sein dürfen. Mit der Folge, dass die Norweger ihre Wal-Mart-Aktien verkauften - und nicht nur sie. «Wenn der norwegische Staatsfonds eine Investition abbricht, ist der Wert auch für Ethos nicht mehr investierbar», sagt Biedermann.

Anzeige