Im Schweizer Detailhandel kommt es zu einem Paukenschlag. Die Migros-Gruppe will schlanker werden und sich von der zuletzt verlustbringenden Warenhausgruppe Globus und vom Möbelhaus  Interio trennen. Zudem sollen der deutsche Einrichtungs- und Dekorationsspezialist Gries Deco mit der Marke Depot sowie die E-Bike-Tochter m-way verkauft werden.

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Der Verkaufsprozess für die Tochtergesellschaften mit mehreren tausend Mitarbeitenden sei nun gestartet worden, teilte die Migros-Gruppe am Donnerstag mit. Die betroffenen Unternehmen hätten ausserhalb der Migros-Gruppe bessere Erfolgsaussichten, gibt sich der Detailhandelsriese überzeugt. Die Synergien mit dem Migros-Kerngeschäft seien derweil «eher gering».

Globus-Abschreiber

Die Warenhausgruppe Globus hatte 2018 die Rechnung der Migros-Gruppe mit einem Abschreiber von rund 90 Millionen Franken belastet. Die Migros begründet die Verkaufsabsicht allerdings damit, dass sich Globus mit der Ausrichtung auf das Premium- und Luxus-Segment «weiter von der DNA der Migros» entferne: Für die Zukunft sehe man immer weniger gemeinsame Berührungspunkte und Synergien.

Auch der Möbelspezialist Interio dürfte die Ertragserwartungen nicht erfüllen: Die elf Filialen hätten sich in dem wettbewerbsintensiven Möbelmarkt «leider nicht wie geplant» entwickelt, heisst es. Sie verfügten bei der Migros zudem nicht über die kritische Grösse für eine nachhaltige Entwicklung. Unabhängig vom Verkauf schliesst die Migros das Interio Wohncenter im luzernischen Emmen mit 23 Mitarbeitenden.

Die Gries Deco Gruppe mit der Marke Depot ist seit 2012 mehrheitlich im Besitz der Migros. Sie sei abseits des Migros-Kerngeschäfts und auch überwiegend ausserhalb des Heimmarktes Schweiz tätig und weise auch dort Wachstumspotential auf, meint die Migros. Auch für die 2010 gegründete E-Bike-Anbieterin m-way, die auf einen Umsatz von 40 Millionen Franken kommt, sieht die Migros ausserhalb der Gruppe bessere Wachstumschancen.

Tausende von Mitarbeitenden

Die jetzt zum Verkauf stehenden Unternehmen trugen zum Umsatz der Migros-Gruppe 2018 von 28,4 Mrd Franken einen eher kleinen Teil bei: Die Globus-Gruppe erzielte im vergangenen Jahr einen Umsatz von 808 Millionen Franken (-5,7 Prozent), während die deutsche Gries Deco auf 554 Millionen Franken (+2,5 Prozent) kam. Die Interio-Zahlen werden von der Migros nicht gesondert ausgewiesen.

Betroffen vom Verkauf sind nun bei der Globus-Gruppe laut den Zahlen von Ende 2018 knapp 3'200 Mitarbeitende. Für die elf Interio-Filialen gibt die Migros die Zahl der Mitarbeiter mit 324 Vollzeitstellen an. Die Gries Deco mit Sitz im deutschen Niedernberg mit 507 Filialen beschäftigte Ende Jahr rund 5520 Mitarbeitende, davon einige hundert Personen in den 38 Schweizer «Depot»-Filialen. Die gesamte Migros-Gruppe beschäftigte im vergangenen Jahr insgesamt 106'622 Mitarbeitende.

Starke neue Eigentümer

Die Migros habe die Unternehmen in den letzten Jahren weiterentwickelt, so dass sie gut positioniert und für die Zukunft gerüstet seien, gibt sich der Detailhandelsriese überzeugt. «Es ist uns ein wichtiges Anliegen, dass wir starke neue Eigentümer finden, welche über die Basis und das Know-how für die erfolgreiche Weiterentwicklung der Unternehmen verfügen», wird Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen zitiert.

Einen konkreten Zeitraum für den Verkaufsprozess nennt die Migros nicht: Bis zu einem allfälligen Abschluss werde der Prozess je nach Unternehmen «längere Zeit in Anspruch nehmen», heisst es lediglich. Für die Mitarbeitenden wie auch für die Kunden der Unternehmen seien in dieser Zeit immerhin "keine wesentlichen Änderungen" zu erwarten.

Die Migros-Gruppe selbst wolle mit den Verkäufen ihren «strategischen Fokus» schärfen. Sie wolle sich im Kerngeschäft noch verstärkt profilieren, zudem sollen das Convenience-Segment, die digitalen Vertriebskanäle und auch der Gesundheitsbereich ausgebaut werden. Weiterentwickelt werden sollen auch die Fachmärkte Do it + Garden, OBI, melectronics, micasa, SportXX und Bike World.

  • Globus befindet sich seit 1997 im Mehrheitsbesitz des Migros Genossenschaftsbundes: «Die Entwicklung Richtung Warenhaus der Zukunft schreitet mit stetig steigenden Marktanteilen planmässig voran», preist Migros die zu veräussernde Tochtergesellschaft an. Auch weise Globus ein sehr starkes Wachstum im Online-Geschäft aus – wobei nun knapp 10 Prozent des Gesamtumsatzes online erzielt werden. «Mit der verstärkten strategischen Ausrichtung von Globus auf das Premium- und Luxus-Segment entfernt sich Globus weiter von der DNA der Migros», so eine weitere Erklärung zur geplanten Trennung. 
  • Die Gries Deco Gruppe gehört seit 2012 zum Migros-Konzern. Auch der Einrichtungs- und Dekorations-Spezialist weise im Online-Geschäft ein hohes und profitables Wachstum auf. «Da die Gries Deco Gruppe abseits des Migros-Kerngeschäfts stationär und online überwiegend ausserhalb des Heimmarktes Schweiz der Migros tätig ist und auch dort Wachstumspotential aufweist, sieht die Migros bessere Entwicklungschancen bei einem künftigen neuen Eigentümer», so die Mitteilung.
  • Etwas anders ist die Situation bei M-Way: Die E-Bike-Firma wurde 2010 von der Migros gegründet. Nun habe sie sich definitiv zum «erwachsenen Unternehmen» entwickelt – es könne sich nun ausserhalb des Migros-Konzerns wohl besser entwickeln, so das Management.
  • Bei Interio enttäuschten offenbar die Synergien – beziehungsweise der Mangel daran. Die elf Interio-Verfahren hätten nicht «kritische Grösse für eine nachhaltige Entwicklung.» Kommt hinzu, dass das Interio Wohncenter in  Emmen bis spätestens Ende März 2020 seine Türen schliessen muss: Der Mietvertrag läuft aus. Von der Schliessung werden 23 Mitarbeitende betroffen sein.

(awp/tdr/rap)