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Migros wird zur Apotheke: Übernahme von Topwell

Apotheker Topwell Medbase

Niederschwellig und flexibel: Apotheker werden wichtiger in der integrierten Gesundheitsversorgung

Quelle: Getty Images

M steht immer stärker für Medizin: Die Migros-Tochter Medbase schluckt die älteste Apothekenkette der Schweiz.

Von Ralph Pöhner
am 27.11.2018

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass die Migros immer massiver aufs Geschäft mit der Gesundheit setzt. Und längst ist auch greifbar, wie sehr sich die Genossenschaft darum bemüht, im lukrativen Arzneimittelbusiness ein Türchen nach dem anderen zu öffnen.

Nun erfolgt ein entscheidender Schritt: Migros übernimmt die Topwell-Apotheken. Oder genauer: Medbase – die Ärztezentren-Gruppe der Migros – schluckt die Apothekengruppe mit Sitz in Winterthur sowie 43 Geschäften in der Deutschschweiz. Man plane «neue Wege in der Gestaltung der integrierten Versorgung», teilen die beiden Unternehmen mit.

Medbase betreibt heute an gut 50 Standorten ambulante Behandlungszentren – und legt dabei seit rund drei Jahren ein hohes Expansionstempo vor.

Zwei Typen, ein Dach

Mit dem Zusammenschluss von Medbase und Topwell kommen nun erstmals zwei Typen unter das gleiche Dach – erstens eine Gruppe von medizinischen Zentren und zweitens eine Apothekenkette mit Läden. Es gehe darum, die integrierte Versorgung in der Schweiz zu professionalisieren, so eine offizielle Erklärung dazu: «Die Versorgungskette für Patientinnen und Patienten kann optimiert werden und Hindernisse können beseitigt werden.»

Insbesondere bei der Betreuung von chronisch kranken Patienten sowie bei kleineren gesundheitlichen Problemen soll ein unkompliziertes und flexibles Angebot entstehen, indem ärztliche und pharmazeutische Betreuung Hand in Hand angeboten werden – oder sogar Wand an Wand: «Topwell und Medbase verfügen bereits heute schweizweit über eine hohe Standortnähe», so die Unternehmen. 

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Und weiter: «Gleichzeitig lassen sich auch im B2B-Bereich sowie im Online-Medikamentenversand Kräfte bündeln und Prozesse effizienter gestalten. Es wird weiter beabsichtigt, den Kundinnen und Kunden ein möglichst breites Multi-Channel-Angebot anbieten zu können.»

Schon seit Ende letzten Jahres können die Migros-Kunden neben Milch und Brot auch Hustenmittel oder Blutdrucksenker erwerben: Nach dem Shop-in-Shop-Prinzip wurden in ersten Filialen in Bern, Basel und Zürich auch Apotheken eröffnet – betrieben durch Zur Rose, also jene Medikamenten-Versandhändlerin, welche den Gesundheitsmarkt auf ihre eigene Weise aufmischt. Weitere Standorte würden geprüft, betonte die Migros zu Jahresbeginn; das Projekt mit Zur Rose sei durch den Topwell-Deal nicht betroffen, teilt Migros-Sprecher Luzi Weber heute mit.

Auch wird Zur Rose weiterhin alle Medbase-Zentren als Ärztegrossistin mit Medikamenten beliefern: «Basierend auf einem langfristigen Kooperationsvertrag wird diese Zusammenarbeit fortgeführt», so Zur-Rose-Kommunikationschefin Pascale Ineichen.

Praxis plus Apotheke, Genossenschaft plus Genossenschaft

Im Hintergrund des Zusammenschlusses von Topwell und Medbase steht der allgemeine Trend hin zur ambulanten Betreuung: Die kantonalen Gesundheitsdirektoren wie die Bundespolitik drängen darauf, dass mehr Krankheiten in Arztpraxen und Ärztezentren behandelt werden – und weniger in Spitälern und Kliniken. Zugleich sollen die Apotheker eine wichtigere Rolle bei der Versorgung der Bevölkerung spielen, ob bei Prävention, Beratung, Akutbetreuung oder in der Reha. Im Teamwork der Ärztezentren und der Apothekenkette liegt also ein Potential, das im Rahmen der gesamten Gesundheitsversorgung besonders dynamisch wirkt.

Beim neuen Migros-Deal werden zugleich die Kenntnisse der beiden Seiten gebündelt: Medbase will alle Geschäftsleitungsmitglieder von Topwell integrieren. Auch würden alle Mitarbeitenden in ihren Funktionen vollständig übernommen, melden die Unternehmen, und der Qualitätsausschuss von Medbase werde mit der Kompetenz von Topwell-Apothekern ergänzt. 

Konkret beschäftigt Medbase heute rund 1'100 Personen – darunter gut 300 Ärzte und 320 Therapeuten –, während Topwell rund 600 Mitarbeitende aufweist. Auch die Apothekengruppe ging aus dem Genossenschafts-Gedanken hervor: Die erste Filiale wurde anno 1909 in Winterthur eröffnet, um Medikamente nach dem genossenschaftlichen Prinzip auf den Markt zu bringen.