Paukenschlag beim orangen Riesen: Die Migros bläst zum Rückzug aus Deutschland. Die grösste Genossenschaft im Konzern, Migros Zürich, verkauft die Tegut-Gruppe mit gleichnamiger Bio-Supermarktkette, Herzberger-Grossbäckerei und Logistik. Über 7400 Angestellte in 340 Filialen, Logistikzentrum und Zentrale im hessischen Fulda sind betroffen. Die Mitarbeitenden erfuhren lediglich 15 Minuten vor Veröffentlichung einer betreffenden Mitteilung an die Medien von ihrem Schicksal, weiss Blick. «Die Situation für Tegut hat sich trotz Sanierungserfolgen in den letzten Monaten zugespitzt», sagt Patrik Pörtig (46), Chef der Migros Zürich.
Tegut ist ein Sanierungsfall und sorgte bis auf wenige Ausnahmen jährlich für hohe Abschreiber und rote Zahlen bei der Migros Zürich.
Die Genossenschaft bestätigt: In den Jahren 2019, 2024 und 2025 mussten Darlehen und Beteiligungen im Wert von insgesamt 512 Millionen Franken abgeschrieben werden. Im Sanierungsjahr 2025 betrug der operative Tegut-Verlust immer noch 26 Millionen Franken, nach 55 Millionen im Vorjahr. Bis Ende 2026 forderte Pörtig schwarze Zahlen. Die waren offenbar nicht mehr absehbar: «Wir haben die Situation umfassend analysiert und sind nun aber zum Schluss gekommen, dass Tegut langfristig wirtschaftlich nicht zukunftsfähig ist.»
Kompletter Rückzug aus Deutschland
Pörtig spricht von Konkurrenzdruck in Deutschland: Die Discounter Aldi und Lidl seien «extrem aggressive Mitbewerber». Auf der anderen Seite stünden die «sehr grossen Detailhändler» Edeka und Rewe. Als regionaler, mittelständischer Player konnte Tegut nicht mithalten. «Darum haben wir den kompletten Rückzug aus Deutschland beschlossen», sagt Pörtig.
Dabei war der deutsche Lebensmittelmarkt schon beim Einstieg der Migros Zürich Ende 2012 hart umkämpft. «Wir sind auf Gedeih und Verderb aneinandergekettet. Doch wir sind überzeugt, dass Tegut und Migros gestärkt aus dem Deal hervorgehen», sagte der Ex-Chef der Migros Zürich, Jörg Blunschi, damals zu Blick.
Unter seiner Leitung hatte die Migros Zürich ihre Expansion, insbesondere nach Deutschland, massgeblich vorangetrieben. Blunschi wurde dann wegbefördert, erhielt das Amt als Präsident der Verwaltung der Migros Aare, das der 64-Jährige im März 2025 Knall auf Fall niederlegte. «Die anhaltende mediale Berichterstattung über seine frühere Tätigkeit als Geschäftsleiter der Migros Zürich führte zu inakzeptablen persönlichen Angriffen auf Jörg Blunschi und seine Familie und hatte negative Auswirkungen auf die Migros Aare», begründete Migros Aare den Abgang.
Kostspieliges Expansions-Abenteuer
Das Deutschland-Abenteuer der Migros Zürich endet mit einem Fiasko. «Das Kapitel Tegut zu schliessen, ist ein sehr teures Unterfangen, es kostet die Genossenschaft Migros Zürich richtig viel Geld», sagt Pörtig. Zu den Abschreibern in den drei erwähnten Jahren werden nochmals einige Dutzend Millionen in diesem Jahr dazukommen.
In Zahlen seit der Übernahme vor vierzehn Jahren: 600 Millionen Euro, umgerechnet 570 Millionen Franken, muss sich die Genossenschaft insgesamt ans Bein streichen. «Der Gesamtverlust durch Tegut wird diesen Betrag nicht übersteigen», versichert Pörtig.
Die Marke Tegut wird nun bald verschwinden. Detailhandelsriese Edeka wird einen «wesentlichen Teil» der Tegut-Gruppe übernehmen. Wie viel Geld dafür fliesst, bleibt geheim. Parallel dazu führe die Migros Zürich Gespräche mit weiteren Interessenten, damit möglichst alle Standorte eine Zukunft hätten. «Wir sind zuversichtlich, den allergrössten Teil der Filialen an den Markt bringen zu können», sagt Pörtig.
Wie viel die Migros Zürich ursprünglich für Tegut auf den Tisch blätterte, will Pörtig im Gespräch mit Blick nicht preisgeben. Nur so viel: Der damalige Kaufpreis ist im Gesamtverlust von 570 Millionen Franken enthalten. Eine komplette Schliessung von Tegut hätte die Genossenschaft bedeutend mehr gekostet. Insider sprachen zuletzt von rund 1 Milliarde Franken.
Wann der Rückzug aus Deutschland komplett über die Bühne ist, hängt vom Bundeskartellamt ab. Es prüft nun die wettbewerbsrechtlichen Aspekte der Transaktion.
Dieser Artikel erschien zuerst bei Blick.

