Über 100 Privatflugzeuge verkehren täglich zwischen Genf und Paris. Ein Flug von Cointrin nach Le Bourget dauert nur 55 Minuten. Ein Anbieter auf dieser Strecke ist Netjets, Europas grösster Privatjetvertreiber. Nun präsentierte die Airline in Zürich ihre neueste Maschine – eine Bombardier Challenger 350.

Die Macher der Airline sind stolz. Und Carsten Michaelis, verantwortlich bei Netjets für Zentral- und Osteuropa, zuversichtlich. Denn der Schweizer Markt ist im Aufwind. «Die Kundenbasis im deutschsprachigen Raum konnte um 13 Prozent gesteigert werden», sagte er bei der Präsentation. Rund 150 erlesene Kunden sind hier beheimatet, mehr als ein Zehntel der Europakundschaft. Weltweit zählt das Unternehmen über 7200 Kunden.

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Für 3 Millionen Dollar 50 Stunden im Jahr fliegen

Teileigentümer bei Netjets kann werden, wer einen Anteil an einem Flugzeug erwirbt. Ein Kunde muss mindestens ein sechzehntel Anteil erwerben – der laut Medien 3.1 Millionen Dollar kostet. Bei einer geschätzten maximalen Flugkapazität von 800 Stunden pro Jahr, kann ein Kunde also 50 Stunden im Jahr fliegen.

Die Reservationsfrist liegt weltweit bei zehn Stunden. Netjets kümmert sich um die Organisation, Besatzung, Flugplanung und Wartungsarbeiten. Der Kunde braucht nichts zu tun.

17.6 Milliarden Investitionen

Das nun vorgestellte Flugzeug ist ein weiterer Kurzstreckenflieger, der die Flotte erneuern soll. 2010 gab Netjets diesen Kurs bekannt und plante dafür zehn Jahre ein. Im vergangenen Jahr wurde das erste Flugzeug dieser Neubestellung vorgestellt – eine Embraer Phenom 300, laut Netjets ein Einsteigermodell.

Gesamthaft wurden über 670 Flugzeuge geordert. Das Investitionsvolumen übersteigt 17.6 Milliarden Dollar, was die grösste Bestellung der Aviatikgeschichte ist. Netjets verfügt bereits über mehr als 600 Flugzeuge, mit welchen das Unternehmen mehr als 300'000 Flüge pro Jahr durchführt.

Darbende Branche

Das hohe Investitionsvolumen und die Kurzflieger-Strategie überrascht. Seit der Finanz- und Schuldenkrise darbt das Geschäft der Privatflieger, weil Unternehmen ihre Reiseausgaben zum Teil dramatisch kürzten. Die Branche erholte sich zwar langsam vom Schock. Bei den Taxiflügen sind die Auswirkungen aber noch immer zu spüren.

«Charterflüge für eine schnelle Party irgendwohin sind gestorben», sagte ein Händler gegenüber «Handelszeitung» 2013. Rein geschäftliche Langstreckenflüge, etwa nach Shanghai, seien weiterhin gefragt. Dass sich über lange Distanzen gut Geld verdienen lässt, sagte auch Max Ungricht, nachdem Vistajet von Bombardier 56 Flugzeuge im Wert von drei Milliarden Dollar bestellte.

Grosse Firmen behaupten sich

In der Branche herrscht ein harter Konkurrenzkampf, geprägt von einer Konsolidierung im Linienverkehr und einer Marktbereinigung durch insolvente Privatjet-Betreiber. Die Branche kämpft ausserdem mit leeren Überstellungsflügen, bei denen es nur darum geht, eine Maschine an den Ort zu bringen, wo der nächste Kunde ist.

Firmen mit einer grösseren Flugzeugflotte und mehr Basen sind in diesem Konkurrenzkampf offensichtlich besser aufgestellt. Ausserdem tobt der Preiskampf insbesondere im «Light» und «Very Light»-Segment, den zwei kleinsten Privatflugzeug-Kategorien.

Niedergang der Kleinflieger

Die im letzten Jahr vorgestellte Phenom 300 gehört in diese Kategorien. Die diesjährige Challenger 350 ist nur eine Kategorie höher einzuordnen. Angesprochen auf dieses Thema, gibt sich Carsten Michaelis ausweichend. Er bestätigt jedenfalls den Trend hin zu grösseren Flugzeugen und damit indirekt auch den Niedergang der kleineren Privatjetflieger.

Tatsächlich beginnen die Veränderungen schon beim Thema Flugzeugbesitz. Während früher ein Flugzeug das Statussymbol eines Einzelnen war, breiten sich Besitzgemeinschaften aus. Mehrere Menschen kaufen sich eine Maschine und teilen sich die Nutzung. Oder sie weichen auf ein Mietmodell aus – so wie das von Netjets.

Zuversicht fürs Geschäft

Die veränderten Marktverhältnisse spielen dem Marktführer in die Hände. Geschäftszahlen werden zwar nicht publiziert. Carsten Michaelis hat aber verschiedentlich betont, dass er optimistisch sei für das Geschäft in Amerika und Asien; und «vorsichtig» optimistisch für Europa. Man habe die weltweit grösste Flotte, eine Vielzahl an Flugzeugtypen und höchste Sicherheitsstandards.

«Als Unternehmen von Berkshire Hathaway geniesst Netjets ausserdem den finanziellen Rückhalt für alle notwendigen Investitionen, um einen sicheren und zuverlässigen Business-Jet-Service zu garantieren», ergänzt Michaelis.

Warren Buffets Firma kaufte Netjets nur drei Jahre, nachdem der Investitions- und Wirtschaftsguru seinen ersten Flugzeuganteil erworben hat. «Anscheinend hat es ihm so gut gefallen, dass er die Firma gleich übernehmen wollte», witzelte Carsten Michaelis in Zürich.