Wenn alles nach Plan läuft, könnte der Bau für Japans erste Magnetschwebebahn im Oktober starten. Das Verkehrsministerium hat dem Betreiber JR Tokai grünes Licht für den Maglev, der dereinst mit 505 km/h zwischen den Metropolen Tokio und Nagoya verkehren wird, gegeben, wie NHK News berichtet. Bei der aktuellen Beurteilung des Ministeriums standen umwelttechnische Fragen im Zentrum. Denn diesbezüglich gibt es noch einige offene Fragen.

So wird die 286 Kilometer lange sogenannte Chuo-Shinkansen-Route hauptsächlich durch Japans Bergregion rasen und zu 86 Prozent durch Tunnels geführt. In urbanen Gebieten wir die Magnetschwebebahn zudem in Tunnels 40 Meter unter der Erde gebaut. Damit sollen Lärmklagen von Anwohnern verhindert werden, denn der Maglev verursacht beim Vorbeifahren eine Menge Lärm.

Viel viel Erde

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Mit der Tunnel-Lösung entsteht jedoch ein neues, gigantisches Problem. Bis zum Ende der Bauarbeiten werden schätzungsweise 56,8 Millionen Kubikmeter Erde ausgehoben. Für rund 12,6 Millionen Kubikmeter Erde hat JR Tokai bereits eine Verwendung, für den Rest bleibt jedoch ein grosses Fragezeichen. Die lokalen Behörden hatten entsprechend ihre Sorge bezüglich der überschüssigen Erde und der möglichen negativen Auswirkungen der Bauarbeiten aufs Grundwasser zum Ausdruck gebracht.

Basierend auf diesen Anliegen hat Verkehrsminister Akihiro Ota Bedingungen gestellt. Demnach ist JR Tokai verpflichtet, eine Verwendung für die überschüssige Erde zu finden. Ausserdem müssen Anwohner und lokale Behörden über die Umweltschutzmassnahmen informiert werden.

Maglev bringt engere Vernetzung der Städte

Für das Verkehrsministerium scheinen die Umweltsorgen jedoch kein Grund zu sein, das Projekt abzublasen. Denn schon längst hat der Maglev nationale Priorität. Japan verspricht sich durch die engere Vernetzung seiner Grossstädte mit einer Magnetschwebebahn eine bessere internationale Konkurrenzfähigkeit.

Bereits heute ist rund um den künftigen Maglev-Bahnhof in Nagoya eine rege Bautätigkeit ausgebrochen, wie die Asahi Shimbun bereits im Januar berichtete. Mehrere Wolkenkratzer sind am Entstehen. Bis 2016 werden gleich vier hohe Hochhäuser gebaut sein, mit dem 220 Meter hohen neuen Bahnhofsgebäude des Chuo-Shinkansens im Zentrum.

Bauboom in Nagoya

In Nagoya ist zudem die Hoffnung gross, dass mit der Magnetschwebebahn mehr Firmen ihren Sitz hierhin verlegen. Andere Stimmen sorgen sich jedoch, dass es zu einem Umkehreffekt kommen könnte, indem durch die neue Nähe zu Tokio noch mehr Unternehmen in die Hauptstadt ziehen werden.

Frühestens 2027 wird die erste japanische Maglev-Linie fertig sein. Dann wird die Reise von Tokio nach Nagoya nur noch 40 anstatt 90 Minuten dauern. Bis 2045 soll die Verlängerung nach Osaka erfolgen.

Baubeginn im Herbst?

Um dieses ehrgeizige Ziel zu erreichen, hofft JR Tokai möglichst bald mit den Bauarbeiten beginnen zu können. Dafür wird der Betreiber in den nächsten Monaten die letzten Fragen des Verkehrsministerium beantworten und schliesslich einen detaillierten Bauplanung einreichen müssen.

Es handelt sich hierbei nur noch um formelle Entscheidungen. Mit dem Beschluss des Verkehrsministeriums von dieser Woche hat JR Tokai die grösste Hürde genommen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst auf asienspiegel.ch - News aus Japan, China und Korea.

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