Heute Mittwoch wird Tesla in den USA sein Jahresergebnis vorstellen. Die Investoren interessieren sich dabei besonders für eine Zahl: Firmenchef Elon Musk wird bekanntgeben, wie viele seiner Elektroautos Tesla heuer verkaufen will.

Letztes Jahr lieferte Tesla über 76'000 Fahrzeuge aus und verpasste damit knapp die eigene Zielvorgabe. Dieses Jahr müssen es nochmal wesentlich mehr sein, denn Musk hat ein kühnes Versprechen gemacht: Ab 2018 sollen bei Tesla jährlich eine halbe Million Fahrzeuge vom Band laufen.

Der Wandel zum Massenhersteller

Innert eines Jahres will der US-Konzern also den Wandel vom Nischen- zum Massenhersteller bewerkstelligen – dank dem günstigen Model 3. Das Auto mit einem US-Preis von 35'000 Dollar hat Telsa vor einem Jahr präsentiert. 373'000 Kunden haben das Auto gegen Anzahlung bereits bestellt.

Erste Exemplare des Mittelklasseautos werden gerüchteweise schon produziert, ab dem Herbst sollen die Produktion auf 100'000 bis 200'000 Fahrzeuge hochgefahren werden. Zusätzlich will Tesla Zehntausende seiner anderen beiden Modellen fertigen, dem Obklassewagen S und dem Familien-SUV X.

Ziele sind mit Vorsicht zu geniessen

Unabhängig davon, welches Lieferziel Elon Musk nennen wird – Analysten werden die Zahl kritisch betrachten. In der Vergangenheit hat der visionäre Unternehmer wiederholt seine selbst gesteckten Prognosen verfehlt. Das war auch 2016 der Fall: Eigentlich wollte Tesla 80'000 bis 90'000 Autos ausliefern, zum Schluss waren es nur gut 76'000.

Dass Tesla seine Lieferziele verpasst, scheint die Investoren aber nicht gross zu stören. An der Börse wird der kalifornische Elektroautohersteller hoch gehandelt, am Dienstag erreichte die Aktie mit einem Stückpreis von 281 Dollar fast den Höchststand von 2014.

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Musk denkt in grossen Dimensionen

Und auch Firmenchef Musk wird über verfehlte Lieferziele wohl keinen Schlaf verlieren. Denn der schwerreiche Firmenlenker denkt in grossen Dimensionen. Er sieht sich nicht als gewöhnlicher Autohersteller, sondern will mit seinem Unternehmen die Wirtschaft revolutionieren.

Telsa soll eine andere Form der Energieversorgung ermöglichen – und dies nicht nur im Automobilverkehr. Letzten November hat Tesla die US-Solarstromfirma SolarCity übernommen. Sie versorgt amerikanische Haushalte mit Sonnenergie, im Angebot hat die Firma unter anderem Solar-Dachziegel sowie als Energiespeicher die «Powerwall»-Batterien von Tesla.

Die 2,6-Milliarden-Dollar schwere Übernahme durch Tesla war kontrovers, denn Elon Musk ist SolarCity-Grossaktionär, sitzt im Verwaltungsrat und sein Cousin ist Firmenchef. Überdies schreibt SolarCity – wie voraussichtlich auch Tesla – rote Zahlen.

Bislang geht der Plan auf

Bislang hat der Amerikaner südafrikanischer Herkunft in groben Zügen erreicht, was er versprochen hat. Tesla ist innert weniger Jahre zu einem führenden Oberklasse-Hersteller geworden – und hat dadurch Elektroautos in den USA und Europa den Weg geebnet.

Doch die Herausforderung bleibt immens. Tesla muss es gelingen, die Produktion in kurzer Zeit zu vervielfachen. Und auch die Konkurrenz wird stärker. Fast alle grossen Autohersteller haben bald eigene Elektrofahrzeuge im Angebot. Im Batterienmarkt hat Tesla ebenfalls starke Wettbewerber.

In der Liga von Ford

An der Börse ist Tesla heute mit über 45 Milliarden Dollar fast so viel wert wie Ford – ein Autokonzern, der jährlich Millionen von Fahrzeugen produziert und im Gegensatz zu Tesla Gewinn erzielt. Viele Investoren glauben offensichtlich daran, dass Elon Musk seine Versprechen einhalten kann. Es ist eine Wette, deren Ausgang noch nicht feststeht.

Eine Testfahrt im Tesla X sehen Sie im Video: