Während in den Schaufenstern erst zaghaft die Frühlingsmode präsentiert wird, decken sich die Modehäuser bereits mit Kleidern für die Herbst- und Wintersaison 2009 ein. Ein schwieriges Unterfangen, denn die Aussichten sind so unsicher wie noch selten.

Anfang dieser Woche pilgerten Schweizer Händler an die Modemesse nach Düsseldorf. Schliesslich bezieht die Schweiz die meisten Kleider aus Deutschland. Rund ein Drittel der Bekleidungseinfuhren in der Schweiz stammt vom nördlichen Nachbarn, für 1,95 Mrd Fr. wurden letztes Jahr Kleider importiert. In Düsseldorf zeigten 1450 Aussteller ihre Herbst- und Winterkollektionen. Passend zum dunklen Wirtschaftshorizont dominieren dunkle Farben - auch wenn hie und da etwas Rot oder Gelb aufblitzt.

Der Luzerner Platzhirsch

Mit einem Team von vier Personen reiste Claude Bachmann, Verwaltungsratsdelegierter des Luzerner Modehauses Kofler, direkt von den Pariser Modeshows an die Düsseldorfer Messe. Hier informiert er sich über die neusten Modetrends, was Farben, Schnitte und Stoffe betrifft und kauft vor allem Accessoires wie Modeschmuck, Taschen und Schals ein. «Accessoires werden immer wichtiger, sie machen bald 10% unseres Umsatzes aus», erklärt Bachmann.

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Kofler bestellt mit Abstand die meisten Kleider in Deutschland. Das Modehaus führt 14 Geschäfte im Kanton Luzern und Schwyz und beschäftigt 170 Mitarbeitende. 2010 soll eine weitere Filiale in Stans eröffnet werden. Als verschwiegenes Familienunternehmen gibt Bachmann die Umsätze nicht bekannt. Er betont aber: «Wir sind der Platzhirsch in Luzern.» Das Unternehmen schreibe schwarze Zahlen und alles sei eigenfinanziert. Stolz ist Bachmann auf die drei Modeshops «Provisorium» für junge Leute, die letztes Jahr um 20% gewachsen seien.

Der Einkauf ist heuer besonders schwierig: «Entweder wir bestellen zu viel oder zu wenig Ware», meint Bachmann, «aber ich bin optimistisch, sonst wäre ich nicht in dieser Branche tätig.» Trotz unsicheren Zeiten will er nicht weniger bestellen als in den letzten Jahren, «sonst würden wir ja bereits mit einem Umsatzminus rechnen. Zudem gehören die Boni-Banker nicht zu unserem Kundenkreis.» Kofler setzt auf das mittlere Segment.

Keine Angst vor der Zukunft hat auch Reto Braegger, der Einkaufsleiter von Schild, der die Modemesse Düsseldorf vor allem zum Trend-Schnuppern besucht. Schild bezieht rund die Hälfte seiner Kleider aus Deutschland. Dieses Jahr will Schild sechs Monobrandstores in der Schweiz eröffnen.

Rezession trotzen

«Das Jahr ist harzig angelaufen», erklärt Armin Haymoz, Geschäftsleiter des Verbands Swiss Fashion Stores. Haymoz sieht vor allem für die Businessbekleidung, etwa Herrenanzüge, eine schwierige Zukunft.

Letztes Jahr hat der Bekleidungshandel in der Schweiz laut dem Marktforschungsinstitut GfK Switzerland bei 8,2 Mrd Fr. stagniert, obwohl der Schweizer Detailhandel insgesamt um 4% gewachsen ist. Verlierer dabei war der unabhängige Fachhandel, damit sind laut GfK Switzerland kleinere Textilfachgeschäfte und kleine Boutiquen gemeint. Gewinner sind vertikale Ketten wie H&M, aber auch der Bereich Freizeitbekleidung hat zugelegt. Die Sportbekleidung hat stark von tiefen Temperaturen profitiert.

Obwohl der Modemarkt in der Schweiz mehr als gesättigt ist, drängen immer noch mehr ausländische Ketten in die Schweiz und heizen den Verdrängungskampf weiter an. Trotzdem ist Claude Bachmann von der Kofler Geschäftsleitung zuversichtlich und meint lachend: «Wir boykottieren die Rezession.»