Der Deutsche Damenmode-Hersteller Gerry Weber ist pleite. Die Gespräche mit den Banken, die ihre Kredite nur bis Ende Januar gestundet hatten, seien gescheitert, teilte das Familienunternehmen am Freitag mit. Nun soll Gerry Weber über ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung saniert werden.

Die Finanzierung des laufenden Geschäfts sei dank der vorhandenen flüssigen Mittel bis ins nächste Jahr hinein gesichert, hiess es in der Mitteilung. Von der Insolvenz betroffen ist zunächst nur die börsennotierte Dachgesellschaft Gerry Weber International mit 580 Mitarbeitern. Die operativen Töchter einschliesslich der Modekette Hallhuber, in denen die meisten der 6500 Mitarbeiter beschäftigt sind, sollen aus dem Insolvenzverfahren herausgehalten werden.

Das Amtsgericht Bielefeld dürfte noch am Freitag über den Antrag entscheiden. Der kürzlich durch den Sanierungsexperten Florian Frank verstärkte Vorstand will das Unternehmen in der Insolvenz weiter steuern. In der Eigenverwaltung würde nur ein Sachwalter bestellt, der den Vorstand beaufsichtigt.

Gründerfamilien drohen alles zu verlieren

Finanzkreisen zufolge ging es in den Verhandlungen um rund 200 Millionen Euro an Verbindlichkeiten. Allein über einen 31 Millionen Euro schweren Schuldschein musste Gerry Weber die Interessen von 120 Gläubigern unter einen Hut bekommen. Die beiden Grossaktionäre, die Gründerfamilien Weber (29,6 Prozent) und Hardieck (17,5) drohen durch die Pleite alles zu verlieren. Die Gerry-Weber-Aktie brach um drei Viertel auf 43 Cent ein. Der Sohn von Firmengründer Gerhard Weber, Ralf Weber, hatte bereits im Oktober als Vorstandschef das Handtuch geworfen.

Die Krise bei dem Traditionsunternehmen schwelt bereits seit Monaten. Um Geld in die Kasse zu bekommen, hatte das Unternehmen das Düsseldorfer Orderzentrum «Halle 29» für 36 Millionen Euro an die Bremer Zech-Gruppe verkauft. Vor allem die Übernahme von Hallhuber entpuppte sich als Fehlschlag. Abschreibungen auf die Modekette und die Rückstellungen für einen massiven Stellenabbau und Ladenschliessungen liessen den Verlust im Geschäftsjahr 2017/18 (per Ende Oktober) auf 192 Millionen Euro anschwellen. Ein Jahr zuvor standen noch 10,3 Millionen Euro Gewinn zu Buche. Der Umsatz verfehlte mit 790 Millionen Euro die Erwartungen um 50 Millionen. 

(Reuters/bsh)

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