Schick und sauber übernachten – und das zum Schleuderpreis. So kennen und schätzen auch Schweizer Touristen die Hotels der deutschen Budget-Design-Gruppe Motel One. Ob in Berlin, Amsterdam oder London: die bisher 56 Hotels im Türkis-Look räumen auf dem ganzen Kontinent ab. 27 weitere Betriebe listet das Unternehmen in seiner Pipeline auf.

Das nächste Opening wird in der Schweiz sein. Nach einem ersten Betrieb in Basel (Eröffnung 2016) ist nun Zürich an der Reihe: «Wir rechnen damit, das Hotel in den kommenden zwei Wochen zu eröffnen», heisst es am Firmensitz in München.

Big Bang für Zürich

Wenn Motel One in Zürich öffnet, wird das ein Big-Bang für den City-Tourismus in der grössten Stadt der Schweiz. Der Betrieb in der ehemaligen Selnau-Post wird mit seinen rund 400 Zimmern auf einen Schlag das grösste Hotel der Stadt. Das dürfte die Konkurrenz zu spüren bekommen.

Die Credit Suisse spricht in einer aktuellen Studie von einer «Verschärfung des Verdrängungswettbewerbes in der Zürcher Hotellerie». Zwar habe die Stadt bisher den Anstieg der Hotelkapazitäten gut verdaut, schreibt die Bank, «die Zimmerauslastung blieb in der Agglomaterion Zürich seit 2011 weitgehende stabil». Die Auslastung ist aber nur die eine Seite der Medaille. Die andere Seite: Die Preisentwicklung. Und da schwant Martin Sturzenegger Böses.

Der Direktor von Zürich Tourismus sprach gegenüber dem «Tages-Anzeiger» kürzlich vom «Sorgenkind Hotellerie» : Zurzeit erleben wir ein unglaubliches Wachstum. Heute gibt es rund 12'000 Hotelzimmer in der Stadt. In den kommenden zwei Jahren werden etwa 2000 dazukommen. Alleine in diesem Jahr sind es vier Hoteleröffnungen.» Sturzenegger glaubt, dass dies die Preislandschaft durchschüttelt: «Das wird die Preise drücken. Für die Touristen eine gute Nachricht, für die Hotellerie eine Herausforderung.»

Motel One nirgends so teuer wie in Zürich

Wobei Motel One seine Preise für Zürich in eine andere Dimension hebt als etwa in Deutschland, wo das Doppelzimmer in der Regel ab 69 oder 89 Euro buchbar ist. Für die Limmatstadt gelten eigene Preis-Regeln: «Im Einzelzimmer können Gäste ab 169 und im Doppelzimmer ab 184 Franken übernachten.» Als Motel-One-Gründer und -Chef Dieter Müller 2014 in Zürich den Immobilien-Deal mit Swiss Prime Site unterzeichnete, ging er noch von Zimmerpreisen ab 139 Franken aus. Offenbar musste man da nachjustieren.

Für das teure Pflaster Zürich sind zwar Zimmerpreise unter 200 Franken immer noch ganz passabel, aber doch doppelt so teuer als anderswo in einem Betrieb der Türkis-Kette. Tatsächlich ist das Motel One in Zürich der Betrieb mit den höchsten Zimmerpreisen der ganzen Gruppe, wie am Motel-One-Hauptsitz bestätigt wird: «Die Aussage ist korrekt.»

Das Pricing ist natürlich auch deshalb höher als anderswo, weil Zürich bezüglich Immobilienpreise, Lohngefüge und Baukosten in einer anderen Liga spielt: «Bei der Preisgestaltung muss man berücksichtigen das wir auch immer die lokalen Gegebenheiten und natürlich die vorhandenen Preise am Markt berücksichtigen», heisst es aus München.

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