Neue Fenster, Bremsen, Lichter, Motoren, Sitze und Gurte: Am Bodensee werden die Duro-Fahrzeuge der Schweizer Armee komplett zerlegt und für 20 weitere Jahre fit gemacht. Verantwortlich ist das Kreuzlinger Unternehmen Mowag.

Das Vorhaben kostet über eine halbe Milliarde Franken und sorgt seit Jahren für Kritik. Der vormalige VBS-Chef Guy Parmelin war 2016 kaum im Amt, da musste er sich bereits wochenlang mit dem Thema beschäftigen. Und der neuen VBS-Chefin Viola Amherd geht es gleich, wie Recherchen zeigen. Denn die Sanierungsarbeiten stocken. Ein Lieferengpass bei einer ausländischen Drittfirma führt zu Verzögerungen beim Millionenprojekt. Betroffen ist das Herzstück der Duros: der Motor.

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Die umstrittene Duro-Sanierung war bereits Gegenstand einer parlamentarischen Untersuchung. Das Projekt ist also ein politisch heisses Eisen. Viola Amherd hat deshalb die Sicherheitskommission beider Räte über die Situation informiert. Die Kommission des Ständerats hat das Thema in der ersten Sitzung vom 10. und 11. Januar zusammen mit Amherd und Rüstungschef Martin Sonderegger behandelt, wie FDP-Ständerat Josef Dittli bestätigt.

Millionen für den Antrieb

Die nationalrätliche Kommission hat sich dem Thema zehn Tage später in der Sitzung vom 21. und 22. Januar gewidmet, wie SVP-Nationalrat Werner Salzmann sagt. Ebenfalls anwesend: VBS-Chefin Amherd und Armasuisse-Vorsteher Sonderegger.

VBS-Departementschefin Viola Amherd Truppen spricht mit den Truppen im WEF-Einsatz, aufgenommen am Mittwoch, 23. Januar 2019 in Davos. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Viola Amherd: Im Feld.

Quelle: © KEYSTONE / ENNIO LEANZA

Der Motor war einer der Hauptgründe, weswegen die Duro-Flotte überholt wird. Bei der Erarbeitung des Sanierungsbedarfs wurde dem Antriebssystem «besondere Aufmerksamkeit» beigemessen, wie der Bundesrat unlängst in einer Antwort auf eine Interpellation von SP-Ständerätin Anita Fetz festhielt.

«Es hat sich gezeigt, dass die gewählte Lösung in Bezug auf den neuen Motor und auf das neue Getriebe den militärischen, aber auch den Umweltanforderungen am besten entspricht», heisst es. 63 Millionen Franken seien für neue Motoren und Antriebe mindestens budgetiert.

Lähmender Streit

Mowag ist dabei die Generalunternehmerin. Lieferant des Motors ist die österreichische Steyr Motors GmbH. Das Unternehmen ist eine Traditionsfirma aus der gleichnamigen Stadt in Oberösterreich. Es beschäftigt über 200 Personen und macht einen jährlichen Umsatz von knapp 45 Millionen Euro. Die Firma kämpft aber seit Monaten um die Existenz.

An der Spitze kam es zu abrupten Abgängen. Ein Streit um die strategische Ausrichtung lähmt den Betrieb. Seit Herbst 2012 gehört Steyr Motors der chinesischen Investorengruppe Phoenix Tree HSC. Sämtliche Kompetenzen von der Geschäftsleitung bis zum Verwaltungsrat wanderten schnurstracks von Steyr in die «Hi-Tech-Zone Wujin» in der chinesischen Provinz Jiangsu.

«Die Verträge sind parat, die Gespräche mit den Abnehmerkunden weit gediehen, auch mit uns.»

Oliver Dürr, Mowag-Chef

Damals bekannten sich die Chinesen zu einer fünfjährigen Standortgarantie in Österreich. Das sicherte der Mowag die Versorgung mit den Motoren und wurde auch gerade noch eingelöst. Nur sechs Jahre später aber hat das chinesisch dominierte Management von Steyr Motors die Firma an die Wand gefahren.

Im Management des oberösterreichischen Zulieferers sassen vier Chinesen und ein Österreicher. CEO Fangfang Xia, ehemaliger Unicef-Volontär und seit einigen Jahren im Management der Steyr Motors Hong Kong für die Beziehungen zu China tätig, konnte das Ruder nicht herumreissen. Im Spätherbst 2018 musste der Lieferant ein Sanierungsverfahren wegen Liquiditätsproblemen einleiten. «Das ist der Grund, weshalb wir im Moment keine Motoren bekommen», sagt Mowag-Chef Oliver Dürr.

Entscheidung im Februar

Jetzt werde aktiv nach einem neuen Investoren gesucht, so Dürr. Im Extremfall werde Mowag selbst einschreiten und die Österreicher aufkaufen. Die Entscheidung über die neue Eigentümerschaft des Lieferanten soll noch im Februar fallen. «Die Verträge sind parat, die Gespräche mit den Abnehmerkunden weit gediehen, auch mit uns.»

Die Lösung sei demnach zum Greifen nah: Die vier grössten Kunden von Steyr Motors – allesamt Fahrzeugbauer – sowie die Mowag kommen für die Übernahme in Frage. «Letzteres ist zwar nicht unsere bevorzugte Variante, aber eine Option, um die Lieferkette zu erhalten und für uns zu reaktivieren.»

Armored vehicles and logo in front of a building of vehicles manufacturer Mowag GmbH in Kreuzlingen in the canton of Thurgau, Switzerland, pictured on September 30, 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally)Gepanzerte Fahrzeuge und Logo vor einem Gebauede des Fahrzeugherstellers Mowag GmbH in Kreuzlingen im Kanton Thurgau, aufgenommen am 30. September 2009. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Mowag in Kreuzlingen: Seit 2015 geführt von Oliver Dürr.

Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY

Die Ursache für das Sanierungsverfahren liegt laut Dürr bei den Chinesen. Diese wollten den Motor, so wie er an die Mowag geliefert wurde, eins zu eins in China nachbauen und dafür Werke vor Ort aufstellen. Doch der Plan ging nicht auf. «Das ist zusammengefallen wie ein Kartenhaus». Dürr spricht von Managementfehlern auf chinesischer Seite.

Dabei klang vor wenigen Jahren alles noch so vielversprechend. «Als wir die Firma damals überprüften, die Bilanzen haben wir uns angeschaut, da war alles noch in Ordnung», sagt Dürr. Steyr Motors war für zwei Jahre voll ausgelastet. Eines der Probleme aber war, dass der Bestand an falschem Lagermaterial viel zu gross wurde. Das chinesische Management hatte ein unglückliches Händchen bewiesen.

Keine Mehrkosten

Eine völlige Katastrophe sind die Entwicklungen aber nicht. Mehrkosten beziehungsweise ein höherer Preis entstehen durch die Lieferverzögerungen nicht, so Dürr.

Vom gesamten Rüstungsbudget von 558 Millionen Franken für den Werterhalt der Duro-Fahrzeuge ist demnach zwar ein grosser, aber nicht der gesamte Teil betroffen. Denn in der Gesamtsumme enthalten seien auch die Abdeckung von Währungsrisiken und Schulungen. «Zwei Monate Lieferverzögerung bei einem Auftrag über vier Jahre sind nicht so schlimm wie befürchtet», sagt Dürr.