Im McClean im Bahnhof, da han i gschtutzt, wird s Füdle jetzt mit Ascom-Aktie putzt. Dr Service-Ma seit, är chönn nüt drfür, aber Hakle drü Lage sig hüt eifach z tür.» Lacher an der Berner Fasnacht, lange Gesichter bei der Müller-Möhl Group (MMG). In die MMG brachte Carolina Müller-Möhl (34) das Erbe ihres verunfallten Mannes ein. Prunkstück war ein Ascom-Aktienpaket; dessen Wert jedoch schrumpfte mit dem Niedergang der Ascom von 850 auf noch 13 Millionen Franken. Das Festhalten an der Vision von Ernst Müller-Möhl erwies sich für seine Witwe als Debakel.

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Bei Ascom sind viele Probleme hausgemacht. Auch die MMG trifft Schuld. Denn sie habe «im operativen Geschäft zu stark eingegriffen», erinnert sich ein ehemaliger Verwaltungsrat. Ernst Müller-Möhl hat nie verhehlt, dass er nur eines wolle: mehr Shareholder-Value. Dazu war ihm manches Mittel recht. Als er von der Technologie Powerline hörte, mit der sich via Stromnetz surfen lässt, liess er bei der von ihm gegründeten (und heute liquidierten) A&A Actienbank einen Plan ausarbeiten, Powerline an die Börse zu bringen. Nach anfänglichem Zögern auf Ascom-Seite wurde mit Tamtam der Vorhang gehoben. Sofort zogen die Aktien davon. Schall und Rauch: Jüngst wurde Powerline fallen gelassen! Für Heinrich Steinmann, einst Präsident der Stiftung Hasler-Werke und Ascom-Verwaltungsrat, keine Überraschung: «Powerline war schon immer ein Nonvaleur.»

Dasselbe Spiel Monate später. Gerüchte wurden gestreut, der Ascom-Kleinbetrieb IT-Sec (Internet-Sicherheitslösungen) gehe an die Börse und werde Milliarden in die Kasse spülen. Prompt explodierte der Aktienkurs, Müller-Möhls Anteil verdoppelte sich im Wert. IT-Sec floppte ebenso und wurde 2002 verscherbelt.

Nach dem Tod des Financiers im Mai 2000 schickte die Witwe Peter Wick in den Ascom-Verwaltungsrat. Der A&A-Mitaktionär legte sich sogleich mit dem CEO Hans-Ulrich Schroeder an. Danach stimmte Ascom der Einheitsaktie zu. «Von da an hatte ausschliesslich Carolina Müller-Möhl das Sagen», meint Heinrich Steinmann. Ende 2000 musste Schroeder aussteigen – Wick schob ihm die Schuld am Kurssturz zu.

Schroeders Stelle wurde mit dem Sunrise-Mann Urs Fischer besetzt. Wiederum spann die MMG diskret ihre Fäden. Als die A&A sich ihrer Mehrheitsaktionärin Carolina Müller-Möhl entledigte, musste Wick seinen Platz bei Ascom dem MMG-CEO Frank Gulich überlassen.
Anfänglich stimmte die Chemie zwischen Gulich und Fischer. Im Herbst 2002 machte Fischer den Banken Zusagen, via Desinvestitionen für Liquidität zu sorgen. Nur wollte Fischer nicht in dem Ausmass Kahlschlag betreiben, wie sich das die MMG vorstellte. «Fischer war Müller-Möhl nicht hart genug», tönt es aus der Ascom. Auch Fischer musste gehen. Seither ist Juhani Anttila Präsident und CEO in Personalunion.

Ascom ist todkrank. Derweil gibt Beat Näf, neuer CEO bei MMG, Durchhalteparolen heraus: «Wir sind sehr optimistisch bezüglich der Zukunft von Ascom.» Nur wird Ascom möglicherweise bald endgültig ausgeweidet. Dann müsste Carolina Müller-Möhl wohl auch die verbliebenen 13 Millionen Franken abschreiben.