Wissen Sie, was das Beste ist, was Sie für den Start Ihrer Karriere machen können?», fragt Norman Walker, Human-Resources-Chef von Novartis in Basel. «Nehmen Sie sich ein Jahr nach dem Studium Zeit, und gehen Sie auf eine Reise. Sammeln Sie Erfahrungen.» Der Mann meint freilich keine Pauschalreise oder einen Kluburlaub mit dem Rundherum-sorglos-Paket, sondern eher eine Wanderschaft, auf der man sich seinen Lebensunterhalt verdient.

Ähnlich derjenigen, auf die sich Zimmerleute während ihrer Ausbildung traditionell begeben. «Glauben Sie mir, da lernt man vieles, was man später brauchen kann.» Es gibt dafür zwar kein Zertifikat. Aber die Erfahrungen hinterlassen nachhaltig Spuren in der Persönlichkeit. Walker selber war vor knapp 30 Jahren zusammen mit einem Freund mit 200 Pfund in der Tasche südlich von Edinburgh gestartet und mit 5 Pfund ein Jahr später in Australien angekommen. Über Westeuropa, die Türkei, den Irak, Iran und Pakistan ging ihr Weg, und unterwegs arbeiteten sie, um jeweils die Weiterreise bezahlen zu können. «Meine erste Beförderung erfolgte bei einer italienischen Pipelinefirma in Indien. Nachdem ich einen Tag lang die Toiletten geschrubbt hatte, bin ich in die Küche gekommen. Darauf bin ich heute noch stolz», sagt der Novartis-Mann. Ein solches Vorhaben könne er jedem empfehlen, und für die Angst, währenddessen zu Hause die grosse Karrierechance zu versäumen, hat er kein Verständnis.

Wer glaubt, dass eine Auszeit nach dem Studium ? sei es für die Rucksack-Tour oder für den Einsatz in der Entwicklungshilfe ? in Zeiten einer schwierigen Wirtschaftslage ein Karrierehindernis sei, täuscht sich. Ganz im Gegenteil. Nicht diejenigen Studierenden, die mit eingeschaltetem Turbolader direkt von den Seminaren in die Unternehmen wollen, sind bei den Unternehmen gefragt, sondern vielmehr jene, die sich neben dem Studium in einer nicht per Lehrplan geforderten Art und Weise betätigt und Erfahrungen jenseits der Hörsäle und Seminarräume gemacht haben. Persönlichkeiten sind gefragt, nicht profillose Streber ? wobei das fachliche Rüstzeug natürlich schon stimmen muss. Es sind die weichen Faktoren, die den Ausschlag geben. «Wir erwarten Sozialkompetenz, ausgeprägte Lernbereitschaft, Flexibilität und Offenheit», sagt zum Beispiel Chantal Büchi, bei KPMG in der Schweiz für den Bereich Hochschul-Recruiting zuständig.

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Viele der Anforderungen, die Arbeitgeber an die jungen Absolventen stellen, lassen sich an der Uni nur bedingt lernen. Da kommt es auf die Eigeninitiative an. Wer wartet, bis etwas für ihn organisiert wird, zeigt nur, dass ihm oder ihr der nötige Biss und die Bereitschaft fehlen, etwas aus eigenem Antrieb anzupacken. «Praktika, Sprachkenntnisse, Auslandsaufenthalte und aussercurriculäre Aktivitäten finden wir sehr wichtig», sagt Petra Bitzer von der UBS Group Campus Recruiting Switzerland. Von vielen Bewerbern im Consulting-Bereich werden ebenfalls Realitätserfahrungen erwartet. Blossen Theoretikern räumt Per-Erik Diethelm vom Finanzdienstleister MLP nur geringe Chancen ein. Wer neben dem Studium in einer Organisation gearbeitet, in Unternehmen gejobbt, sich Hobbys gewidmet und gezeigt hat, dass mehr in ihm oder ihr steckt, als im Diplomzeugnis zu lesen ist, hat gute Karten.

Auch bei der Credit Suisse ist das Fachwissen zwar unabdingbar, doch wie überall, wo in Teams gearbeitet und mit Kunden und Lieferanten kommuniziert wird, spielen die «soft skills» eine entscheidende Rolle. «Leistungsorientierung, Persönlichkeit, Methoden-, Lern- und Sozialkompetenz sind für uns sehr wichtig», sagt Caroline Koch, bei der CS für den Bereich Hochschulabsolventen verantwortlich. Die künftigen Mitarbeiter sollen sicher auftreten und rasch Zugang zu anderen Menschen finden. «Die Credit Suisse setzt auf ambitionierte Nachwuchskräfte, die gerne die Initiative ergreifen und deren Wissensdurst und Tatendrang ansteckend auf ihr Umfeld wirken», sagt die Human-Resources-Verantwortliche. Da die meisten Hochschulabsolventen in Managementfunktionen eingesetzt werden, spielt die Fähigkeit, mit anderen Menschen umgehen und sich in ein Team integrieren zu können, eine entscheidende Rolle. In einer Zeit, in der Einzelkämpfer abgemeldet und wechselnde internationale Teams entscheidend für den Erfolg sind, kann es sich kein Unternehmen leisten, noch so brillante Absolventen einzustellen, die sozial unterbelichtet sind. «Unsere Leute brauchen gute Englischkenntnisse, sie müssen gute Kommunikatoren sein und über eine hohe Sozialkompetenz verfügen», sagt Dina Bianchi von PricewaterhouseCoopers.
Vor allem die zunehmende Internationalisierung von Schweizer Unternehmen hinterlässt ihre Spuren. Gefragt ist vor allem die Bereitschaft, sich auch an verschiedenen Orten auf der Welt einsetzen zu lassen. Leute, die schon in jungen Jahren mit dem Erwerb eines Eigenheims ihren Horizont auf die Schweiz beschränken, können in den globalen Schweizer Unternehmen kaum noch eingesetzt werden. Die Bereitschaft, die Koffer zu packen und zu einer unbekannten Destination aufzubrechen, ist dringend erforderlich. In einer Bank vermag keine Karriere mehr zu machen, wer nie einen längeren Abstecher nach London oder New York gemacht hat. Was für junge Naturwissenschaftler, die in der Uni Karriere machen wollen, schon immer notwendig war, ist nun auch für den Erfolg in der Wirtschaft unabdingbar: das Abbrechen der Zelte und der Aufbruch zu einem neuen Ort, an dem man sich bewähren muss. Die UBS schickt junge Talente regelmässig für einige Monate bis zu einem Jahr nach Übersee. Consultants sind immer auf Achse und Nordamerika-Einsätze die Regel. Bei Novartis, so Norman Walker, sei es eigentlich fast ein Muss, dass jemand, der eine Führungsposition erreichen will, bereit ist, auch in einem anderen Land zu arbeiten. «Es bringt einen ungeheuren Gewinn, wenn man sich plötzlich in einer anderen Kultur bewegen muss», sagt er. Auch Leute, die eigentlich gar nicht gewollt hätten und zum Zügeln zuerst lange hätten überredet werden müssen, seien nachher ziemlich dankbar für diese Erfahrung gewesen.

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«Die Bereitschaft, auch ?overseas? zu arbeiten, unterstützen wir sehr», sagt der Novartis-Mann. Kein Wunder, denn das Unternehmen macht fast die Hälfte des Umsatzes in Nordamerika und dem aussereuropäischen Rest der Welt. «Man muss wirklich einmal über den eigenen Horizont hinausblicken und erleben, wie es in einem anderen Land ist.» Immer mehr prägen solche «Expats» das Bild von Schweizer Unternehmen. In den Kantinen sind Dutzende von Sprachen zu hören. Kein Wunder, dass derjenige, der nie über Basel oder Zürich hinausgekommen ist, da in Zukunft schlechte Karten hat.

Mitten in der Wirtschaftskrise legen die Unternehmen hinsichtlich neuer Mitarbeiter besonders hohe Massstäbe an. Bei den ambitionierten Universitätsabgängern rennen die Firmen mit ihren Anforderungen offene Türen ein. Leistungsbereitschaft? Ja, gerne. Einsatz? Aber immer. Herausforderungen? Her damit. Selten zuvor haben sich wohl die Erwartungen von Arbeitgebern und den potenziellen Arbeitnehmern so sehr gedeckt wie heute. In der Universum-Studie, welche die BILANZ wie jedes Jahr exklusiv veröffentlicht (siehe «Lieber nette Arbeitskollegen als viel Geld» auf Seite 108), wird deutlich: Die jungen Nachwuchskräfte wollen sich in den Unternehmen engagieren, mit anderen Menschen gemeinsam etwas aufbauen und in den Firmen Dinge bewegen und diese voranbringen.
Gleichzeitig sollte der Ausgleich ausserhalb des Berufs stimmen: Freizeit und Familie haben
einen hohen Stellenwert. «Ich glaube, dass die Hochschulabsolventen alles mit der gleichen Intensität wollen», sagt Norman Walker. Freizeit und Arbeit. Damit verbunden sei allerdings keine mangelnde Leistungsbereitschaft, denn der Einsatzwille sei gleichzeitig enorm. Und vor allem bei den Forschern in Novartis-Labors sei oft eine Trennung zwischen Arbeit und Freizeit kaum mehr zu erkennen, so sehr gingen die Wissenschaftler in ihrer Aufgabe auf.
«Das heutige Umfeld stellt hohe Anforderungen an zukünftige Mitarbeiter. Andererseits haben auch die jungen Hochschulabsolventen grosse Erwartungen an ihren zukünftigen Arbeitgeber», so Caroline Koch von der Credit Suisse. Die Einstellung, eine ausgeglichene Work-Life-Balance zu finden, ist nur vernünftig. Sie vermindert Stress und erhöht die Leistungsfähigkeit.

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Für Norbert Thom, Professor an der Universität Bern, sind es vor allem die Herausforderungen und die sozialen Faktoren, die High Potentials in den Unternehmen bei der Stange halten. In einer Studie hat er die Präferenzen der besonders qualifizierten Mitarbeiter untersucht. «Die wichtigsten Motivations- faktoren sind die Aufgabe, dann der Chef und dann die Kollegen», sagt Thom. Erst an vierter Stelle folgt das Salär.

Für viele Studenten spielt das Geld tatsächlich eine ziemlich untergeordnete Rolle ? vorausgesetzt, es liegt im marktüblichen Bereich. Auf die Frage, was mehr zähle, das Salär oder der Challenge des Jobs, antwortet etwa die Basler Biologin Brigitte Braschler: «Der Challenge.» Von ihrer künftigen Stelle, die sie nach ihrer Promotion antreten will, erwartet sie vor allem die Möglichkeit, selbstständig zu forschen und sich weiterzubilden. Auch für Regine Moser, die in diesem Jahr am Institut für Organisation und Personal der Uni Bern abschliesst, ist die Herausforderung, die eine Stelle verlangt, von grosser Bedeutung. «Es ist wichtig, dass ich mich weiterentwickeln kann und laufend neue Herausforderungen erhalte», sagt sie.

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Herrschte vor ein paar Jahren noch ein «war for talents», eine starke Konkurrenz zwischen den Unternehmen, hat sich die Situation inzwischen entspannt. Als «Waffenstillstand» bezeichnet Fredy Amrein, Personalbereichsleiter bei Siemens Semiconductors, die Lage. Die Arbeitsmarktchancen für Studierende sind allerdings im Grossen und Ganzen noch intakt. «Trotz einem schwierigen Wirtschaftsumfeld sind bestqualifizierte Nachwuchskräfte weiterhin gesucht», sagt Caroline Koch von der CS. Wer heute auf den guten Nachwuchs verzichtet, könnte morgen, wenn die Wirtschaft wieder anzieht, ohne geeignetes Personal dastehen. «Nach wie vor die Nachwuchskräfte optimal auf ihre zukünftige Aufgabe vorzubereiten und längerfristig an das Unternehmen zu binden», nennt sie ihre Zielsetzungen. Von einem grossen Ansturm an Bewerbern, die sich vor der Wirtschaftsflaute noch an Bord eines sicheren Schiffs retten wollen, spürt Petra Bitzer von der UBS nichts. Trotz der schwierigen allgemeinen Arbeitsmarktsituation habe die Anzahl der Bewerbungen im letzten Jahr sogar abgenommen. «Dennoch verspüren wir keinen Mangel an geeigneten Kandidaten in irgendeinem unserer Geschäftsbereiche.»

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Einige Unternehmen werden derzeit aber mit Bewerbungen von Kandidaten eingedeckt, die sich in Boomzeiten für ganz andere Branchen interessiert haben. Bei Novartis ist die Personalabteilung damit beschäftigt, diejenigen zu finden, die «ein genuines Interesse für unsere Firma und die Gesundheitsbranche haben. Es braucht eine gewisse ethische Grundeinstellung, um in der Gesundheitsindustrie zu arbeiten», sagt Walker. Der Wunsch, etwas zum Guten der Menschheit beizutragen, sei für viele Mitarbeitende charakteristisch, und genau diese Leute brauche man. «Vor allem in der Forschung suchen Wissenschaftler eine solche Aufgabe», sagt er.

Bei der UBS beobachtet man eine Verbesserung der Qualität der Bewerbungen. Die Bank bekommt nun mehr Anfragen von Hochqualifizierten, die in Boomzeiten in anderen Branchen ihr Glück gesucht hätten. «Jetzt interessieren sich auch wieder Hochschulabsolventen für Unternehmensbereiche, die während der ?War for talents?-Zeiten nicht von grossem Interesse waren», sagt Petra Bitzer. Kein Wunder, dass eine Wanderung zu den Arbeitgebern stattfindet, die in der Krise standhaft geblieben sind. In einigen Unternehmen ist tatsächlich Fehlanzeige, was Stellen für Studienabgänger betrifft. Bei der Rentenanstalt / Swiss Life konnte man auf Anfrage der BILANZ wegen der momentanen Situation keine Auskunft über die Stellen für Hochschulabsolventen geben. In anderen Sparten sieht es trist aus. «Wir haben einen Personalstopp», sagt Markus Krienbühl, Head of Human Resources bei Ericsson in Bern. Obwohl die Arbeitslosigkeit in der Schweiz ansteigt, ist die Beschäftigungskrise an den Akademikern bislang weitgehend unbemerkt vorbeigegangen. «Von den
Hochschulabsolventen wird wohl jeder eine Stelle finden», sagt Thomas Gartenmann von der Boston Consulting Group. Die guten bis sehr guten Studienabgänger tangiert der Wirtschaftsabschwung wenig oder gar nicht. «Die durchschnittlich bis weniger Guten haben mehr Mühe und benötigen ein bis drei Monate mehr Zeit, um eine Stelle zu finden», meint der MLP-Personalverantwortliche Per-Erik Diethelm.

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Offizielle Zahlen stützen diese Annahme, auch wenn ganz aktuelle Angaben bei den Bundesämtern noch nicht vorliegen. Probleme, eine Stelle zu finden, scheinen bei den Schweizer Studierenden eher zur Ausnahme zu gehören. Unmittelbar nach dem Studium finden beinahe 41 Prozent eine Anstellung, weitere 35 Prozent innerhalb der nächsten drei Monate, und 90 Prozent haben innerhalb eines halben Jahres
eine Stelle.

Selbst im Krisenjahr 1993 hatten nach sechs Monaten etwa 80 Prozent der Hochschulabgänger einen Job. Dabei sind es nicht etwa die Absolventen der Karrierefächer von BWL bis Medizin, die vom Arbeitsmarkt aufgenommen werden, sondern erstaunlicherweise diejenigen, die sich dem Studium der so genannten brotlosen Künste verschrieben haben. Zwischen 50 und 60 Prozent der Geistes- oder Sozialwissenschaftler treten unmittelbar nach dem Abschluss eine Stelle an. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern sind es rund 35 Prozent, und die Quote bei den Humanmedizinern liegt deutlich unter 30 Prozent. Nach einem halben Jahr sind auch die meisten von ihnen in Lohn und Brot. Allerdings tauchen viele Sozialwissenschaftler nach Jahresfrist wieder in der Arbeitslosenstatistik auf.

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Die Arbeitslosenquote der Hochschulabsolventen ist nach Angaben des Bundesamtes für Statistik seit der letzten Wirtschaftskrise von über neun auf etwa vier Prozent zurückgegangen. Die Chancen für Studienabgänger sind im Tessin und in der Romandie deutlich schlechter als in der Deutschschweiz: Meldeten sich hier 2001 nur 2,5 Prozent beim Arbeitsamt, waren es im Tessin 7,6 und in der französischen Schweiz 6,6 Prozent. Aber nicht nur zwischen den Landesteilen gibt es Unterschiede: Wie im ganz normalen Arbeitsmarkt auch ist die Arbeitslosigkeit bei den Frauen höher als bei den Männern. Dafür arbeiten Frauen häufiger in Teilzeitpositionen.

Besonders gut hat sich die Lage für Fachhochschulabsolventen entwickelt. Die Arbeitslosigkeit fiel bei ihnen von über neun auf unter drei Prozent. Der Grund ist einfach: Die Ausbildung an einer Fachhochschule ist praxisbezogen und vermittelt Fähigkeiten für einen Beruf, während man mit einem Universitätsstudium in der Regel keine Berufsausbildung, sondern nur Bildung erwirbt. In den ersten Jahren der Karriere wachsen die Bäume nicht in den Himmel. Die Fälle, in denen ein Einsteiger innert kurzer Zeit zum Shooting Star des Unternehmens wird, sind überaus rar.

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Nach einer Untersuchung des Bundesamtes für Statistik arbeiten die meisten Universitätsabsolventen ein Jahr nach dem Start als Angestellte ohne Kaderfunktion. Ein Drittel steigen als Praktikanten oder Assistenten ins Berufsleben ein. Die Fachhochschulabsolventen haben auch hier die besseren Karten: Ein Jahr nach dem Eintritt ins Berufsleben haben 20 Prozent von ihnen bereits eine Kaderfunktion. Ob es die Zeiten, in denen Hochschulabgänger mit Geld überschüttet wurden, nur damit sie bei einem Unternehmen anheuerten, je gegeben hat, ist nach der Statistik fraglich: Real verdienen Absolventen heute so viel wie 1991, etwa 70 000 Franken. Der Schwankungsbereich ist allerdings gross: Die Spannbreite beginnt bei etwa 48 000 und endet bei 95 000 Franken. Es zahlt sich übrigens aus, in St. Gallen studiert zu haben. Nach einem Bericht der Universität liegt das Brutto-Startsalär der Absolventen über alle Fachbereiche von Recht bis BWL zwischen 80 000 und 90 000 Franken.

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Finanziell besser geht es jenen, die an einer Fachhochschule studiert haben. Die Fachhochschulabsolventen finden am Ende des Monats insgesamt knapp 4000 Franken mehr vor. Gravierend sind allerdings die Einkommensunterschiede zwischen der Deutschschweiz und der Romandie. Dort verdienen Absolventen etwa 15 Prozent weniger als zwischen Biel und St. Gallen.

Wie stark sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt für Absolventen in der Zukunft verändert, hängt im Wesentlichen von der Konjunkturentwickung und nicht von der Anzahl der Absolventen ab. Bundesstellen gehen denn auch davon aus, dass die Wirtschaftslage der wichtigste Einflussfaktor auf die Arbeitslosigkeit unter den Absolventen sein wird. Denn deren Anzahl dürfte in den nächsten Jahren ungefähr gleich bleiben, wenn die offiziellen Vorhersagen stimmen. Jedes Jahr verlassen etwa 16 000 bis 17 000 Gymnasiasten die Schule mit dem Maturzeugnis. Lediglich 2002 waren es fast 20 000. Und die Anzahl derjenigen, die mit einem Diplom oder dem Lizenziat die Universität verlassen, wird nach Schätzungen des Bundesamtes für Statistik von 9429 im vergangenen Jahr auf über 11 000 im Jahr 2010 steigen. Diesen Anstieg kann der Arbeitsmarkt wahrscheinlich verkraften. Allerdings wird die Anzahl der Absolventen, die mit einem Fachhochschulabschluss auf den Arbeitsmarkt drängen, in den nächsten Jahren zunehmen.

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«Die Aussichten mögen nicht gerade rosig sein, ich bin aber der Meinung, dass sich gute Qualität langfristig auszahlen wird», meint Hanspeter Isoz, Human-Resources-Verantwortlicher von ABN Amro. «In diesem Sinn werden die wirklich Top-Quality-Talents auch weiterhin gute Positionen finden.»