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Nachhaltigkeit: Wirrwarr erschreckt die Kunden

Produkte der Firma Zweifel: Regionalität ist für Konsumenten wichtig.   Peter Frommenwiler

Nachhaltig produzierte Konsumgüter stehen hoch im Kurs. Doch der hohe Preis, die Label-Vielfalt und das fehlende Angebot hemmen die Käufer. Nun sind die Firmen gefordert.

Von Roberto Stefano
am 05.03.2014

Der Trend zu biologisch und nachhaltig produzierten Produkten hat sich hierzulande in den vergangenen Jahren laufend verstärkt. Der Schweizer Detailhandelsriese Coop beispielsweise erzielte alleine im Jahr 2013 mit fair gehandelten Produkten einen Umsatz von 200 Millionen Franken. «Mit all unseren nachhaltigen Produkten erzielten wir 2,2 Milliarden Franken Umsatz», sagte Marketing-Chef Philipp Wyss gegenüber der «Luzerner Zeitung». Auch für die Zukunft sieht er im Bereich der Nachhaltigkeit ein hohes Potenzial.

Konsumenten stufen Nachhaltigkeit als sehr wichtig ein

Laut dem «GS1 Report 2014» könnte der Absatz der nachhaltigen Produkte schon heute deutlich höher sein. Denn Schweizer Konsumentinnen und Konsumenten legen grossen Wert auf die Herkunft und Produktionsweise ihrer Einkäufe. Einem verstärkten nachhaltigen Konsum steht aber ein beschränktes, undurchsichtiges und relativ teures Angebot im Wege. Dies geht aus dem «GS1 Report 2014» hervor, den der Fachverband GS1 zusammen mit der Nachhaltigkeitsberatungs-Firma BSD Consulting publiziert hat. Der Studie liegt eine Umfrage bei 502 Konsumenten und 104 Unternehmen zugrunde.

Die Befragung hat ergeben, dass Konsumenten die Nachhaltigkeit von Produkten als sehr wichtig einstufen. Insbesondere die Regionalität erscheint ihnen als wichtiges Kriterium. Die regionale Herkunft wurde damit als wichtigstes Nachhaltigkeitskriterium erkannt, welches den Konsumenten genauso relevant erscheint wie ein günstiger Preis. Neben der Regionalität sind der faire Handel sowie der biologische Anbau von grosser Bedeutung.

Regionalität genauso wichtig wie Preis

Bei der Wahl der Produkte verlassen sich die Konsumenten auf die Nachhaltigkeitslabels, bevor sie sich mithilfe der Informationen auf den Produkteverpackungen über die Herkunft und Produktionsart der Waren informieren. Die Kennzeichnungen auf den Produkten bieten den Konsumentinnen und Konsumenten somit eine Orientierung innerhalb des Sortimentes. Hier konnten sich angesichts der Vielzahl an Labels nur wenige Standards und Initiativen tatsächlich etablieren. Besondere Gütesiegel wie die seit Jahren etablierten Labels Max Havelaar oder Bio sind als vorbildlich bekannt.

Anders sieht es bei vielen weiteren Standards und Labels aus, die von Schweizer Unternehmen in ihrer Lieferkette ­angewendet werden. Die in der Studie befragten Unternehmen nutzten in der Beschaffung insgesamt über 40 verschiedene Nachhaltigkeitsstandards und -labels.

Fehlendes Angebot

Auf der Konsumentenseite führt dies dann eher zu Verwirrung. Viele haben Mühe damit, die Anforderungen und die Qualitätsmerkmale der einzelnen Kennzeichnungen zu unterscheiden und auch richtig zu beurteilen. Eine direkte Folge daraus ist ein mangelndes Vertrauen in die Nachhaltigkeitslabel. Laut Valentin Wepfer, stellvertretender Geschäftsleiter von GS1 Schweiz, fehle Übersicht, Verlässlichkeit sowie eine integrierte Umsetzung in der gesamten Supply Chain.

Der wichtigste Punkt, weshalb nachhaltig produzierte Produkte nicht noch mehr eingekauft werden, identifiziert die Studie in den höheren Preisen dieser Waren. 64 Prozent der befragten Konsumenten führten fehlende finanzielle Mittel als sehr wichtigen Hinderungsgrund für nachhaltigeren Konsum an. Doch selbst wenn die finanziellen Mittel vorhanden wären, fehlt es für viele Studienteilnehmer auch an einem genügend breiten Angebot an nachhaltigen Produkten.

Unternehmen sind gefordert

Entsprechend gefordert sind die Unternehmen. Auch sie messen der Nachhaltigkeit eine immer grössere Bedeutung bei. Im Vergleich zu 2009, als 72 Prozent der Befragten dem Thema eine wichtige Rolle zusprachen, waren es in der jüngsten Befragung über 95 Prozent. Doch obwohl die Mehrheit der Unternehmen im eigenen Betrieb Massnahmen zu Umwelteffizienz, Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit umsetzen, besteht im Produktangebot und in der nachhaltigen Beschaffung noch Handlungsbedarf.

Als Hinderungsgrund in der Umsetzung geben die Unternehmen vor allem die knappen personellen und finanziellen Ressourcen an. «Insbesondere im Hinblick auf vorgelagerte Wertschöpfungsstufen wie beispielsweise die Gewinnung von Rohstoffen bedarf es zusätzlicher Anstrengungen», sagt Martin Stäheli, Leiter für nachhaltiges Lieferkettenmanagement bei BSD Consulting.

Marktpotenzial für nachhaltige Produkte

Die Autoren der Studie erkennen aufgrund der Studienergebnisse seitens der Konsumenten ein Marktpotenzial für erschwingliche, glaubwürdig gelabelte und nachhaltig produzierte Konsumgüter. So müssten die Unternehmen die Warenflüsse in ihren Wertschöpfungsnetzwerken transparenter machen, die Nachhaltigkeit ihrer Produkte entlang des Lebenszyklus verbessern und den resultierenden Mehrwert mit ganzheitlichen, verständlichen und glaubwürdigen Informationen und Labels auf dem Produkt kommunizieren.

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