Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé baut seine Präsenz in den USA weiter aus. Nestlé übernimmt die US-Firma Freshly nun ganz, nachdem 2017 bereits ein Minderheitsanteil gekauft worden war. Freshly bietet frisch zubereitete Mahlzeiten (Direct-to-Consumer) an, die zu Hause aufgewärmt werden können.

Die Transaktion bewertet Freshly insgesamt mit 950 Millionen US-Dollar, wie Nestlé am Freitag mitteilte. Hinzu kommen potenzielle Earnouts in der Höhe von bis zu 550 Millionen Dollar, abhängig vom Wachstum des Unternehmens. Die Transaktion wurde per heutigem 30. Oktober bereits abgeschlossen.

Die auf gesunde und frische Mahlzeiten spezialisierte Freshly wurde 2015 gegründet. 2017 beteiligte sich Nestlé bereits mit einem Anteil von rund 16 Prozent. Das Unternehmen beliefert die Kunden in den USA landesweit mit den aufzuwärmenden Mahlzeiten. Derzeit sind es laut Nestlé mehr als 1 Million Mahlzeiten pro Woche. Im Gesamtjahr 2020 steuert Freshly damit auf einen Umsatz von etwa 430 Millionen Dollar zu.

Ein Sprecher von Nestlé bezeichnete die Übernahme gegenüber AWP angesichts des derzeitigen Trends zu gesunder Ernährung in Kombination mit den Corona-bedingten Einschränkungen in der Gastronomie als «besonders interessant».

Zuletzt machte Nestlé vor allem mit dem Ausbau des Tierfutter-Bereichs in den USA von sich Reden. So investiert Nestlé in eine neue Fabrik für die Purina-Produktion in Ohio rund 550 Millionen US-Dollar; dies als Teil eines bereits im Vorjahr eingeleiteten Wachstumsplans. In den Monaten zuvor wurden bereits Investitionen in die Erweiterung bestehender Fabriken in den Staaten North Carolina, Iowa und Pennsylvania angekündigt.

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Positive Kommentare

Der Aktienkurs von Nestlé zeigte keine grosse Reaktion auf die Ankündigung. Die Transaktion wird in Marktkreisen indes wohlwollend beurteilt. Insgesamt seien dies leicht positive Nachrichten für Nestlé, hiess es etwa in Kommentaren von Baader Helvea und der Zürcher Kantonalbank.

Das schnell wachsende Unternehmen Freshly könnte ein Treiber für die Wachstumsziele von Nestlé sein, so Baader Helvea. Das Institut rechnet vor, dass Freshly mit dem angestrebten Jahresumsatz von 430 Millionen Dollar im Vergleich zu 2017 mit einem Jahresumsatz von 70 Millionen eine Jahreswachstumsrate von etwa 80 Prozent erreiche.

Laut der Kantonalbank ist die Übernahme «ein weiterer Mosaikstein im Umbau von Nestlé zu einem wachstumsstärkeren Konzern». Sowohl die ZKB wie auch die Bank Vontobel bezeichnen den Umbau insbesondere in den USA als eindrücklich. Vontobel rechnet vor, dass Nestlé seit 2017 insgesamt rund 8 Milliarden Dollar an wachstumsschwachem Umsatz verkauft und etwa 4 Milliarden an wachstumsstarkem hinzugekauft habe.

(awp/tdr)