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Nachhaltigkeit
Nestlé wendet sich von Palmöl-Zulieferer ab

Nasenaffe: Sind von der Palmölproduktion bedroht. malaysia-reisen.ch

Ein Greenpeace-Bericht stellt den zweitgrössten malaysischen Palmölproduzenten an den Pranger. Nun haben Nestlé und drei weitere Weltkonzerne die Konsequenzen daraus gezogen.

Von Marc Iseli
am 08.04.2016

Der Lebensmittelkonzern Nestlé beendet teilweise die Zusammenarbeit mit dem zweitgrössten malaysischen Palmölproduzenten, IOI. Der Riese aus Vevey wird in Zukunft keine Produkte mehr von Plantagen beziehen, die im Verdacht stehen, die Industriestandards nicht zu erfüllen.

Der niederländisch-britische Konsumgüterkonzern Unilever und die beiden amerikanischen Nahrungsmittelhersteller Mars und Kellogg haben die Partnerschaft komplett aufgekündigt. Der Schritt folgt einem Beschluss des «Runden Tisches für nachhaltiges Palmöl» (RSPO), die Mitgliedschaft von IOI zu suspendieren.

Greenpeace-Bericht mit Folgen

Die RSPO-Mitgliedschaft verpflichtete das Unternehmen eigentlich zur Einhaltung gewisser Standards, um die Zerstörung von Wäldern und Brandrodung zu verhindern und die Achtung der Menschenrechte zu gewährleisten. Die malaysische Firma ist Gründungsmitglied des Nachhaltigkeitsforums.

Ein Greenpeace-Bericht vom vergangenen November hat aber zu Tage gefördert, dass die Abholzung und Brandrodung in grossem Stil weiterging. Grosse Gebiete in Indonesien wurden illegal und gegen die RSPO-Richtlinien durch Brände zerstört. So sollte Platz geschaffen werden für neue Palmölpflanzen. Das Gebiet war Heimat zahlreicher bedrohter Tierarten, darunter Orang-Utans, Gibbons und Nasenaffen.

Schwarzes Schaf

Es ist nicht das erste Mal, dass die malaysische Firma mit einem Jahresumsatz von umgerechnet 3 Milliarden Franken in die Schlagzeilen gerät. Vor sechs Jahren schlugen NGOs hierzulande Alarm. IOI soll systematisch Regenwald-Ökosysteme zerstört und die Landrechte der Ureinwohner auf Borneo verletzt haben, hiess es seinerzeit.

Die Migros hatte damals eine Untersuchung eingeleitet. Der Detailhandelsriese kam zum Schluss, dass die Zusammenarbeit nicht weiter vertretbar sei. Der Konzern hatte sich deshalb anderen Zulieferern zugewendet.

Problem für Handelsgespräche

Der neuerliche Wirbel um die Palmölproduktion dürfte auch in Bern für Aufruhr sorgen. Die Schweiz verhandelt derzeit mit Malaysia über ein Freihandelsabkommen. Die Gespräche verlaufen harzig. Dies liegt unter anderem daran, dass malaysische Firmen für die Abholzung des Regenwaldes und Waldbrände auf den beiden Inseln Borneo und Sumatra verantwortlich gemacht werden, wie die «Neue Zürcher Zeitung» schreibt.

Warum das ein Problem ist, zeigen die Brände im letzten Jahr. Zeitweise wüteten mehr als 100'000 Feuer auf Sumatra und Borneo, wie die «Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung» jüngst schrieb. Monatelang verdeckte Rauch die Sonne. Indonesiens CO2-Emissionen übertrafen teilweise die der gesamten US-Industrie. Eine halbe Million Menschen liessen sich mit Atemwegserkrankungen im Krankenhaus behandeln. Der Chef des indonesischen Katastrophenschutzes sprach von einem «Verbrechen gegen die Menschheit», andere Beobachter von der grössten Ökokatastrophe des 21. Jahrhunderts.

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