Serien-Fans haben darauf gewartet: Der US-Streamingdienst Netflix ist seit Mitternacht in der Schweiz online. Die bisher grössten Online-Anbieter von TV und Serien sind Swisscom und UPC Cablecom, ihr Streamingangebot war lange übersichtlich. Jetzt rüsten sie auf. Im direkten Vergleich zeigt sich, wer die Nase vorne hat – die etablierten Dienste oder die neue Konkurrenz aus den USA.

Serien und Filme

Serienliebhaber kommen bei Netflix auf ihre Kosten. «Orange Is the New Black», «Fargo», «Penny Dreadful» oder «From Dusk Till Dawn» sind erstmals im deutschen TV-Programm zu sehen. Die Erfolgsserie «House of Cards» ist auch im Angebot, allerdings nur die älteren Folgen. Die Erstausstrahlungsrechte für die neueren Folgen liegen beim Bezahlsender Sky. Das Filmprogramm ist dafür eher dürftig. Die Kategorie «oscarprämierte Filme» beinhaltet 31 Titel und aus den Top 25 der Internet-Filmdatenbank IMDB finden sich nur drei Titel: «Inception», «Matrix» und «Se7en».

Swisscom dagegen bietet über 3000 Filme, 200 davon wurden mit mindestens einem Oscar ausgezeichnet und 14 der 25 beliebtesten Filme gemäss IMDB-Datenbank stehen ebenfalls zur Verfügung. Ausserdem überträgt die Swisscom diverse Sportveranstaltungen wie die Spiele der Schweizer Superleague und die Rennen der Formel 1 live und exklusiv. Serien fehlen im Angebot.

Cablecom ist Netflix um zwei Wochen zuvor gekommen. Der Telekomanbieter erweiterte seine Online-Videothek Anfang September um ein Flatrate-Angebot mit dem Namen «MyPrime». Das vorläufige Angebot umfasst rund 2000 Filme und Dokumentationen, bis Ende Jahr sollen es 10'000 sein. Darin enthalten sind auch exklusive Serien. Unter dem Titel «Fässler-Kunz» soll sogar eine eigene Serie mit dem Schauspieler Patrick Frey in der Hauptrolle produziert werden. Zudem bietet Cablecom in ihrer Online-Videothek Doku-Filme und Serien von SRF an — darunter auch das Erfolgsformat «Der Bestatter» mit Mike Müller. Die Angebote von allen Anbietern sind werbefrei.

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Preise

Netflix bietet seine Dienste als Flatrate an. Ab 12 Franken können Inhalte ohne Limit gestreamt werden. Das Konkurrenzangebot von Cablecom liegt knapp darunter, das Abo kostet rund 10 Franken pro Monat. Bei teureren Kombiangeboten ist es bereits enthalten.

Bei der Swisscom muss man Filme und Serien einzeln mieten, ab 3.50 Franken (4.50 Franken für HD-Filme), in der Regel aber für sechs Franken pro Film und nur für 48 Stunden. Swisscom und Cinetrade wollen aber bald ein eigenes Flatrate-Angebot lancieren, das Serien, Filme, Dokumentationen und Sportinhalte umfassen soll.

Bei Netflix entstehen über das Abo hinaus keine weiteren Kosten. Um Netflix zu nutzen, muss man lediglich über einen Internetzugang und ein Endgerät verfügen. Computer, Tablet oder Smartphone sind ausreichend. Damit Netflix auf dem Fernseher funktioniert, wird oft der Computer oder eine Spielekonsole mit dem Fernseher verbunden.

Das Cablecom-Angebot setzt ein Cablecom-Abonnement für Digital TV voraus, wobei das Basisangebot unter gewissen Bedingungen kostenlos erhältlich ist. Auch bei der Swisscom muss man zwingend ein digitales TV-Abo haben, um den Video-on-Demand-Dienst des Schweizer Telekomriesen zu nutzen. Das Angebot ist in allen «Vivo»-Paketen enthalten.

Bedingungen für ein Abo

Netflix bietet ein Probeabo, das einen Monat kostenlosen Zugang zum kompletten Angebot bietet. Im Gegenteil dazu bieten weder Swisscom noch Cablecom ein Probeabo. Das Cablecom-Angebot kann aber online eingesehen werden, ohne ein Probeabo abzuschliessen. Die Swisscom-Inhalte werden einzeln auf Abruf und nicht in einem Abo gemietet.

Ein dauerhaftes Netflix-Abo kann jederzeit online eröffnet und gekündigt werden. Für die Eröffnung braucht man eine Kreditkarte. Die Mitgliedschaft kann monatlich gekündigt werden. Auch für die Bezahlung ist eine Kreditkarte notwendig, die monatliche Gebühr wird automatisch abgezogen.

Anders sieht es aus bei Cablecom. Ein Abo kann zwar sofort gelöst werden, auch online. Die vertragliche Mindestlaufzeit beträgt aber 12 Monate und das Angebot kommt mit einer zweimonatigen Kündigungsfrist.

Swisscom und Cablecom stellen ihr Angebot ebenfalls monatlich in Rechnung, schriftlich oder auf Wunsch auch elektronisch, per Lastschriftverfahren oder per Rechnung.

Notwendige Internetverbindung

Netflix schreibt, man müsse mindestens eine Internetverbindung mit 0.5 Megabit pro Sekunde haben. Empfohlene Geschwindigkeit für Standardinhalte sind 3 Megabit pro Sekunde. HD-Titel brauchen mindestens 5 Megabit pro Sekunde, Ultra-HD-Titel bis zu 25 Megabit pro Sekunde.

Die Swisscom macht keine spezifischen Angaben. Das günstigste Kombi-Angebot - «Vivo XS» -  bietet Internet mit bis zu 5 Megabit pro Sekunde. Wenn man die Werte von Netflix als Referenz nimmt, ist das ausreichend, um das Swisscom Video-on-Demand-Angebot in HD-Qualität zu schauen.

Cablecom-Kunden brauchen einerlei ein Abo des Kabelnetzbetreibers, um die Cablecom-Flatrate «MyPrime» und andere Video-on-Demand-Produkte zu nutzen. Das digitale Basisangebot gibt es aber kostenlos.

Technische Voraussetzungen

Der Grossteil der amerikanischen Abonnenten von Netflix nutzt mittlerweile den eigenen Computer oder eine Spielekonsole, um Serien und Filme zu schauen, und verbindet allenfalls den Computer mit dem Fernseher. Grundsätzlich können Sie Netflix auf jedem Gerät schauen, das über einen Internetzugang verfügt, also auf dem Handy, dem Computer, dem Tablet oder dem Fernseher. Neuere Fernseher, sogenannte Smart TVs, können direkt mit dem Internet verbunden werden. Ältere Modelle benötigen eine Zusatzbox. Auch für die Spielekonsolen Wii, Wii U, Xbox 360, Xbox One, Playstation 3 und Playstation 4 gibt es Apps.

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Für die Nutzung der Swisscom- und Cablecom-Produkte auf dem Fernseher benötigt man ein TV-Gerät mit HDMI-Anschluss. Für beide gilt ausserdem, dass man vom entsprechenden Betreiber auch ein digitales TV-Abo besitzt. Netflix funktioniert ohne TV-Box.

Swisscom und Cablecom unterstützen auch andere Geräte. «MyPrime» kann auf PC, Mac, iOS, Android Tablet und Smartphone genutzt werden. Swisscom TV kann auf jedem Fernseher und jedem Computer genutzt werden, unabhängig vom Hersteller oder Betriebssystem. Mobile Geräte werden nicht direkt unterstützt. Kunden können mit der Swisscom-App aber Trailer schauen, Filme vormerken und für die TV-Box zu Hause mieten. An einem erweiterten Angebot für mobile Geräte wird derzeit gearbeitet.

TV-Sender

Netflix bietet nur TV-Serien und Filme. Um Sender wie SRF, ARD, ORF oder RTL zu sehen, gibt es drei Möglichkeiten: analog, digital und online auf Zattoo, Wilmaa und ähnlichen Seiten. Swisscom und Cablecom bieten eigene digitale TV-Produkte.

Sprache

Die deutschen Netflix-Programme sind im Originalton verfügbar, manche auch mit Untertitel. Die zuschauerstärksten Titel werden sogar eigens für den deutschen Markt synchronisiert.

Die Swisscom bietet die meisten Filme in der deutschen, französischen und italienischen Synchronfassung. Meistens ist auch die englische Originalfassung im Angebot. Auch Cablecom will so viele Inhalte wie möglich in Originalfassung anbieten.

Offline-Nutzung

Netflix ist ein reiner Streaming-Anbieter. Inhalte können nicht für die Offline-Nutzung gespeichert werden. Swisscom-Filme stehen hingegen für 48 Stunden zur Verfügung, auch offline. Cablecom bietet keine Offline-Nutzung für unterwegs.

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Kinder- und Jugendschutz

Netflix bietet die Option, einen Code für die Nutzung einzustellen. In Deutschland muss ausserdem eine PIN eingegeben werden, um Filme und Serien mit einer FSK-18-Freigabe anzusehen.

Swisscom-Kunden können das Mindestalter für die Nutzung sowohl für Live TV- als auch Video-on-Demand-Inhalte in den Einstellungen flexibel anpassen. Ausserdem kann eine monatliche Kostenlimite erfasst werden, um Ausgaben für den Filmkonsum zu deckeln. Ähnliche Angebote bietet Cablecom.

Wem Kinder- und Jugendschutz ein besonderes Anliegen sind, sollte aber auch die Geräte entsprechend sichern. Jeder Computer, jede Konsole und jede TV-Box können derart eingestellt werden, dass den Bedenken Rechnung getragen wird.

Fazit

Das Serien-Angebot von Netflix ist überzeugend. Die zahlreichen und hochkarätigen Titel sind auf allen relevanten Plattformen verfügbar. Nicht zuletzt ist die Internationalität des Konzerns ein entscheidender Faktor: Beinahe jedes Video ist in der Originalfassung erhältlich; und wer in einem anderen Land ist, kann sich in internationale Netflix-Versionen einwählen.

Netflix bietet dem Kunden Flexibilität, da das Abo jederzeit gekündigt werden kann, wohingegen Cablecom eine Mindestlaufzeit fordert. Ins Gewicht fällt aber insbesondere, dass Cablecom und Swisscom ihre Angebote nur in Kombination mit einem digitalen TV-Abo anbieten. Dadurch wird vor allem das Angebot der Swisscom teurer. Das Flatrate-Angebot von Cablecom ist zwei Franken günstiger.

Den Vorteilen von Netflix stehen drei Punkte entgegen: Es mangelt an einem Offline-Modus, heimische Produktionen fehlen gänzlich und das Filmangebot ist dürftig. Swisscom und Cablecom schlagen sich diesbezüglich besser.

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