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Zukunftsperspektiven
Netzwerke sind die entscheidende Grösse in der Logistik

(Bild: Keystone)

Wie und auf welchen Wegen soll das aufgrund des Wachstums der Weltbevölkerung stetig steigende Gütervolumen bewegt werden? Mit dieser Frage befasst sich die gesamte Logistikbranche seit langem.

Von Kurt Bahnmüller
am 05.12.2013

Lösungsansätze zeichnen sich ab, müssen aber noch den sich ändernden Rahmenbedingungen angepasst werden.

Blickt man in der Entwicklung der Logistik zurück, so kann man drei Entwicklungsphasen ausmachen. Die klassische Logistik befasste sich am Anfang mit den drei Funktionen Beschaffung – Produktion – Vertrieb. In einem zweiten Schritt folgte die Phase der funktionalen Integration der einzelnen Schritte entlang der Supply Chain. Der Aufbau und die Optimierung von Prozessketten stand im Vordergrund. Die dritte Phase umfasste dann den Aufbau und die Optimierung globaler Netzwerke. Die Logistik befasste sich also immer mehr mit der gesamten Prozesskette von der Rohstoffgewinnung über Produktion und Vertrieb bis zur Entsorgung.   

Gleichzeitig entschlossen sich immer mehr Unternehmen, verschiedene logistische Dienstleistungen schrittweise an professionelle Dienstleister auszulagern. Die Konzentration auf die Kernkompetenz steht heute im Mittelpunkt und dazu gehört nicht unbedingt die Logistik. Diese entwickelte sich immer mehr zu einer eigenständigen Funktion innerhalb der gesamten Wirtschaft. Dazu beigetragen hat nicht zuletzt die fortschreitende Globalisierung der Weltwirtschaft. Die Verlagerung der Produktion in lohn- und kostengünstigere Regionen hat in den vergangenen zwanzig Jahren zu einem massiven Ansteigen der Güterströme geführt. Das Supply Chain Management wird in Zukunft eine entscheidende Rolle im internationalen Wettbewerb der Unternehmen spielen, denn in der Logistikkette lassen sich noch erhebliche Kosten einsparen. Eine grosse Chance für Unternehmen, die in einem harten Preiswettbewerb stehen.

Eines ist unverkennbar, die weltweiten Güterströme werden weiter steigen aufgrund des Wachstums der Weltbevölkerung einerseits, und der wachsenden Nachfrage nach Konsumgütern, vor allem seitens der Entwicklungs- und Schwellenländer. Die Frage also steht im Raum, wie wird sich die Logistik bis zum Jahr 2050 entwickeln? Zentral ist dabei die Frage, wie und auf welchen Wegen das zukünftige Gütervolumen bewegt wird. Wie sieht das Nutzfahrzeug der Zukunft aus? Welche alternativen Verkehrsträger sind denkbar? Nimmt die Globalisierung der Wirtschaft weiter zu oder gewinnt die lokale Produktion und der Vertrieb wieder an Bedeutung angesichts der steigenden Transportkosten? Entstehen bis zum Jahr 2050 getrennte Verkehrsinfrastrukturen für den Güter- und den Personenverkehr? Werden noch gigantischere Containerschiffe unterwegs sein? Nicht zuletzt wird auch die Energiewende und ihre Folgen die Entwicklung in der Logistik weiter prägen. Ein Trend dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit Tatsache werden, nämlich das weitere Auslagern von logistischen Funktionen zusammen mit den damit zusammenhängenden Datenströmen an professionelle Dienstleister im gesamten Logistikbereich.

Netzwerke werden immer wichtiger

Eine zentrale Rolle in der zukünftigen Logistikaktivitäten spielen leistungsfähige Netzwerke der Logistikdienstleister. Eine optimale Prozess- und IT-Vernetzung sorgt für eine effiziente Güterversorgung in den einzelnen Supply Chains. „Dazu braucht es Vernetzungskompetenzen, die sich kontinuierlich und ganzheitlich den sich ändernden Anforderungen anpassen, um nachhaltig kundenorientierte Logistiknetze zu schaffen. Potentielle Markt- und Wettbewerbschancen lassen sich durch eine schnelle und innovative Produkt- und Serviceentwicklung besser erschliessen“ erklärt  Andreas Froschmayer, Bereichsleiter Corporate Development & PR des Logistikdienstleisters  Dachser.

Froschmayer unterstreicht, dass die Netzwerkorganisation weiter an Bedeutung gewinnen wird und eine ganze Reihe von Vorteilen bietet. So etwa sind Laufzeitenverbesserungen zwischen einzelnen Ländern über tägliche Verbindungen möglich. Ferner können präzisere Laufzeitenaussagen gemacht werden und eine getaktete Linienführung ermöglicht eine gesicherte Beschaffung und Distribution. Nicht zuletzt führt ein dichtes Netzwerk zu deutlich besser ausgelasteten Transportfahrzeugen, insbesondere im Strassengüterverkehr.

Stichwort Distribution: eine zentrales Problem im Bereich Logistik wird in Zukunft die Versorgung von Millionen-Metropolen sein. Schon heute werden die Güterströme zur Versorgung der Millionenstädte am Stadtrand gebündelt und mit wenigen Dienstleistern auf programmierten Routen in die Innenstadt befördert. Vorstellbar ist aber auch eine Verlagerung der Gütertransporte unter die Erde.  

IT-Vernetzung als zentrale Voraussetzung

Froschmayer betont, dass die IT-Vernetzung die absolute Voraussetzung für ein funktionierendes Transport-Netzwerk darstellt. Logistik-Dienstleister welche mit anderen  Branchenunternehmen kooperieren, müssen sich auf ein absolut einheitliches IT-Netz abstützen können. Zusätzlich werden auch die Kunden immer stärker in die IT-Vernetzung mit einbezogen. Die zunehmende Komplexität der Logistiksysteme stellt aber auch  höhere Anforderungen an die Menschen welche diese Systeme bedienen und beherrschen müssen. „Vernetzungskompetenzen die sich kontinuierlich  und ganzheitlich den Anforderungen anpassen, schaffen die Voraussetzung für nachhaltige kundenorientierte Logistiknetzwerke,“ unterstreicht Froschmayer.

Eine wichtige Rolle im Management der Daten und Informationen entlang der gesamten Supply Chain wird die Datenspeicherung in der Cloud spielen. „Die Cloud bietet die Möglichkeit, Softwaresysteme wieder zusammenzuführen, die sich jetzt völlig verteilt haben. Summa summarum wird die Entwicklung in Richtung hybrider Dienstleistung gehen, einer Mischung von IT- und Logistik-Dienstleistungen, beide abgewickelt über die Cloud,“ stellt Professor Michael ten Hompel, Inhaber des Lehrstuhls für Förder- und Lagerwesen an der TU Dortmund und Geschäftführender Leiter des Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik im Interview mit dem  deutschen Fachmagazin „Logistik-Journal“ fest.  

Bei einem Blick in die Zukunft der Logistik darf aber auch der Gedanke der Nachhaltigkeit nicht ausser acht gelassen werden. Die CO2-Problematik, sowie die  zunehmende Verknappung des Erdöls, werden die Zukunft der Logistik massgebend beeinflussen. Die Kosten umweltverträglicher Methoden in der Logistik werden zunehmend Eingang in die Kostenkalkulation finden. Umweltfreundlich gestaltete Logistikkonzepte werden zwangsläufig teurer werden.

Shuttle-Technologie auf dem Vormarsch

Veränderungen sind aber auch im gesamten Bereich der Intralogistik zu erwarten. So etwa hat sich die Shuttle-Technologie in jüngster Zeit auf breiter Front durchgesetzt. Professor ten Hompel ist überzeugt, dass in Zukunft viel Fördertechnik auf Basis von Fahrzeugen entstehen wird, die sich autonom bewegen. Ein weiterer Trend den es in Bezug auf die zukünftigen Logistikszenarien zu bedenken gilt, sind Bestrebungen beziehungsweise Strategien für verlangsamte und vereinfachte Versorgungsketten mit Zeitpuffern. „Wenn das Ausschöpfen von Zeitpuffern Kosten spart, werden Verlader genau überlegen, wann sie die Ware wirklich benötigen,“ stellt Professor Wolfgang Stölzle Inhaber des Lehrstuhls für Logistikmanagement an der Universität St. Gallen fest. Entschleunigte Logistikprozesse sind weniger fehleranfällig und erlauben Transportwege, die punkto CO2- Belastung beziehungsweise Energieverbrauch deutlich umweltverträglicher gestaltet werden können. Zudem gibt es Kundinnen und Kunden, die nicht mehr alles sofort erhalten wollen, ihnen ist es wichtiger, dass Waren umweltgerecht transportiert werden. Die Logistik hat die Chance, wirtschaftliche mit sozial-ökologischer Wertschöpfung zu kombinieren.  Entscheidend ist in Zukunft nicht nur die Dinge richtig zu tun, sondern die richtigen Dinge zu tun.

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