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Wandel
Neue Wege sollen Modissa vor dem Niedergang retten

Modissa: Das Hauptgeschäft an der Bahnhofstrasse ist das Herzstück der Firma.  Keystone

Prominent an der Bahnhofstrasse sitzt das Traditionshaus Modissa. Überstrahlt vom Glanz des Flaggschiffs mussten weitere Filialen jüngst dichtmachen. Den Erfolg sucht das Unternehmen nun auch online.

Von Julia Fritsche
am 23.05.2017

Aus Vögele wird OVS, aus Schild Globus, Yendi verschwindet ganz: Auf dem Schweizer Modemarkt ist einiges in Bewegung. Konsumenten kaufen vermehrt online, im Ausland oder bei Günstig-Ketten wie H&M oder Zara ein. Wer sich in diesem schwierigen Umfeld behaupten will, muss neue Wege gehen. Keine Ausnahme ist da Modissa. Mit zwei Neuerungen will sich das Traditionshaus im Familienbesitz für die Zukunft rüsten.

Das «führende Zürcher Modehaus für die anspruchsvolle Frau, die weiss, was sie will» setzt standortmässig hauptsächlich auf das Flagschiff-Geschäft an der Bahnhofstrasse. Seit dem Komplettumbau nach den Plänen eines Mailänder Architekten und einer Auffrischung diesen Winter erstrahlt das Haus in neuem Glanz.

Filialsterben als Folge

Der Fokus auf das Haupthaus bedeutete gleichzeitig das Ende für die Modissa-Filialen am Limmatquai und im Zürcher Hauptbahnhof. Die kleinen und nahegelegenen Verkaufsgeschäfte hätten sich für Modissa nicht mehr gelohnt, sagt CEO Jean-Pierre Kuhn auf Anfrage.

Anders verhält es sich bei der Filiale im Shoppi Tivoli in Spreitenbach. Dort war laut Kuhn die «andere Positionierung des Centers» Schuld an der Schliessung nach 46 Jahren Präsenz im ersten Einkaufszentrum der Schweiz. Die aufgegebene Verkaufsfläche hat sich Bahnhofstrassen-Nachbar und Konkurrent PKZ gesichert.

Mit günstigeren Preisen

Bereits einige Jahre zuvor hatte sich Modissa aus dem Shoppingcenter Glatt zurückgezogen. Möglicherweise bekam der Modeverkäufer auch da den Umsatzschwund bei den Schweizer Shopping-Centern zu spüren. Gemäss neuesten Zahlen des Marktforschungsinstituts GfK haben die 25 grössten Zentren in den vergangenen sechs Jahren über eine Milliarde Franken Umsatz verloren (siehe Bildstrecke unten).

Ein anderes Schicksal traf die Filiale in Oerlikon: Statt wie zuvor Kleider und Hosen im mittleren Preissegment zu verkaufen, wird dort heute Outletware vertrieben. Bereits seit Längerem kommen Schnäppchenjäger auch in der Checkout-Filiale neben dem Flaggschiff an der Bahnhofstrasse auf ihre Kosten. Ein Geschäft in Winterthur ergänzt das inzwischen dünn gewordene Filialnetz. Der Abbau ist auch am Personal nicht spurlos vorbeigegangen, etwa 10 Personen musste Modissa entlassen.

Onlineshop kommt

Wie viele Konkurrenten sucht nun auch Modissa das Heil im Onlinegeschäft. «Wir sind mitten im Projekt und starten anfangs September», gibt CEO Kuhn gegenüber handelszeitung.ch bekannt. Damit beschreitet Modissa den Weg ihrer Konkurrenten PKZ und Globus. Letzterer arbeitet bereits an seiner nächsten Offensive. Ab März 2018 soll das ganze Sortiment des Warenhauses online verfügbar sein, wie die «Sonntagszeitung» kürzlich berichtete.

Online ist für Modissa nicht der einzige Weg in die Zukunft. Mit Essentiel Antwerp betreibt das traditionsreiche Zürcher Haus am Limmatquai ein Geschäft im Franchisesystem. Die junge belgische Modemarke (gegründet 1999) musste sich zuvor als Marke im Haupthaus an der Bahnhofstrasse beweisen. Dabei könnte das neue Geschäft erst der Anfang sein: «Wir haben diese Ladenfläche in einer eigenen Liegenschaft und starten daher diesen Versuch mit dem Ziel, weiter Shops zu eröffnen», erläutert CEO Kuhn die Überlegung hinter der Partnerschaft.

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