Novartis-Konzernchef Vas Narasimhan ist «on track» mit seinem Ziel, bis 2022 die Zulassung für 25 potentielle Blockbuster zu bekommen – also für Therapien mit mehr als einer Milliarde Dollar Umsatz pro Jahr. Von den 52 neuen Wirkstoffen, die letztes Jahr in den USA zugelassen wurden, entfielen sechs auf den Basler Pharmakonzern, davon vier auf mögliche Milliardenprodukte. Das zeigt eine Auswertung des amerikanischen Pharmanachrichtendienstes «Endpoints» (Paywall).

Alle Augen richteten sich dabei auf die Zulassung von Zolgensma, der Gentherapie gegen die spinale Muskelatrophie (SMA) aus der 8,7 Milliarden Dollar teuren Übernahme des amerikanischen Biotechunternehmens Avexis. Zolgensma war eine der ersten Gentherapien, die zugelassen wurden. SMA ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die in ihrer schwersten Form meist zum Tod der betroffenen Kinder innerhalb der ersten beiden Lebensjahre führt.

Piqray – ein Brustmedikament aus der eigenen Forschung

Aussagekräftiger mit Blick auf die eigene Innovationskraft ist die Zulassung von Piqray. Für das inhouse entwickelte Brustkrebsmedikament brauchten die Novartis-Forschung vier Anläufe mit klinischen Studien, bis es zur Zulassung kam, wie Forschungschef Jay Bradner der «Handelszeitung» sagte. «Wir haben einen Lernprozess durchgemacht, Molekül um Molkekül, und schliesslich einen Wirkstoff gefunden, der – so hoffen wir – ein sehr wichtiges Krebsmedikament werden wird», sagte der Forschungschef, der als Leiter der weltweiten Forschungsorganisation, der Novartis Institutes of Biomedical Research NIBR, 6000 Mitarbeiter hat und ein Budget von 2,6 Milliarden Doller verantwortet.

Bei Alpelisib, so der Name des Wirkstoffs von Piqray, handelt es sich um eine Inhibitorenklasse, an der sich auch zahlreiche andere Konzerne, darunter Roche, versucht hatten, aber scheiterten. Das Medikament dürfte ein Blockbuster werden.

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Mayzent – das Comeback bei Multiple Sklerose

Mit der Zulassung von Mayzent ist es dem Konzern gelungen, im stark umkämpften Feld der Multiplen Sklerose einen Erfolg zu verbuchen. Auch hier gehen die Analysten von Milliarden-Umsätzen aus; trotz der starken Konkurrenz von Ocrevus, dem MS-Medikament, mit dem Roche nach einem fulmimanten Start 2018 in den ersten drei Quartalen 2019 bereits 2,7 Miliarden Franken Umsatz machte. Novartis war bereits schon einmal erfolgreich bei Multiple Sklerose, und zwar mit dem Milliardenprodukt Gilenya.

Bleibt als vierter potentieller Novartis-Blockbuster Beovu, eine Therapie gegen altersbedingte Makuladegeneration, eine der häufigsten Ursachen für Sehprobleme im Alter und ein 5-Milliarden-Markt.

Offen ist, wieweit es Novartis damit gelingen wird, Eylea den Rang abzulaufen, also dem zur Zeit führenden Medikament von Regeneron. Zunächst sah es gut aus, weil Beovu, anders als Eylea, nur alle zwölf und nicht alle acht Wochen gespritzt werden musste – was bei einem Augenmedikament für die Patienten ein erheblicher Vorteil ist. Doch dann bekam Regeneron im vergangenen Jahr die Zulassung für eine Anwendung, die ebenfalls nur alle zwölf Wochen erforderlich ist.

Mit 52 Zulassungen lag 2019 etwas unter dem Rekordjahr 2018, als die FDA 59 neue Wirkstoffe zuliess. Mehr als 50 Zulassungen, nämlich 53, gab es laut der Zusammenstellung von Endpoints zuvor letztmals 1996. Tiefstand war 2002 mit nur 17 Zulassungen.

Zu erwarten ist, dass die Zahl der Zulassungen weiter steigen wird. Novartis-Forschungschef Jay Bradner jedenfalls geht davon aus, dass das kommende Jahrzehnt «eines der produktivsten in der Geschichte der Medizin werden wird».

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