Das Programm am Aussenwirtschafts­forum von Switzerland Global Entreprise (S-GE) war hochkarätig. Staatssekretär Yves Rossier hatte sich angekündigt, Alt-Bundesrätin und S-GE-Präsidentin Ruth Metzler eben­so. Mittendrin Isabelle Nüssli, Präsidentin des Event- und Messebauers Nüssli. Ihr Thema: «Die Zukunft des internationalen unternehmerischen Handelns».

Genau damit bekundet sie aber offenbar selbst die grösste Mühe. Das Unternehmen aus Hüttwilen TG, das zuletzt Sponsorenpavillons an den Olympischen Spielen in Sotschi baute, sorgt derzeit vor allem wegen seiner Personalfluktuation für Aufsehen. CEO, Verwaltungsratspräsident, Finanz- und Marketingchef dankten ab.

Jüngst kulminierte das Kommen und Gehen in einem regelrechten Massenabgang beim 400-Mitarbeiter-Unternehmen. Mehr als ein Drittel der Mitarbeiter in der Division Exhibitions hat gekündigt. «Es ist korrekt, dass im ­Februar innerhalb weniger Tage rund 40 von insgesamt 110 Mitarbeitern in der Schweiz aus der Division Exhibitions gekündigt haben und zu Adunic gewechselt sind», bestätigt der neue CEO Martin Messner die Recherchen der BILANZ. ­Pikant: Der ehemalige Nüssli-Chef Andy Böckli hat Adunic erst vor wenigen ­Wochen gegründet. Spezialisiert ist das Unternehmen ebenfalls auf Pavillon-, Messe- und Ausstellungsbauten.

«Dass so viele Leute auf einmal gehen, habe ich noch nie erlebt», sagt Messner, früherer CEO des Industriekonzerns Von Roll. Messner ist seit rund drei Wochen an der Nüssli-Spitze. Er folgte auf Inhaber Heinrich Nüssli, der nach dem ­Abgang von Böckli im Dezember 2013 interimistisch eingesprungen ist. «Die Produkte, die Marken und das Image sind einzigartig. Leider ist einiges schiefgelaufen», kritisiert Messner die Verantwortlichen. So schief, dass Messner nach dem Exodus in der Exhibitions-Sparte vom Nüssli-Verwaltungsrat kontaktiert und zum CEO gemacht wurde.

Messner ist nun der starke Mann. Der Verwaltungsrat hat die Kompetenzen an ihn und seinen VR-Kollegen Urs Schönholzer (ehemaliger CEO und CFO) übertragen. Messner: «Damit haben wir Handlungsfreiheit für die Neuausrichtung und sind schneller.» Bis auf Isabelle Nüssli ist der Verwaltungsrat in corpore zurückgetreten. Christine Menz, PR-Profi von Hirzel.Neef.Schmid.Konsulenten und Bekannte von Isabelle Nüssli, demissionierte ebenso wie Heinrich Nüsslis Freund ­Niklaus Nüesch. Isabelle Nüssli, Messner und Schönholzer bilden nun das Aufsichtsgremium. «Die Austritte im Verwaltungsrat waren ein logischer Schritt», sagt Messner, der umgehend ein Krisenteam zusammenstellte und Freelancer aktivierte. Heinrich Nüssli hat sich derweil komplett zurückgezogen.

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