Die Implosion im Topmanagement der Credit Suisse geht weiter. Mit der gestern publik gewordenen Überwachung des ehemaligen CS-Personalchefs Peter Goerke gerät ein weiterer Topbanker in die Schlagzeilen. Vor ihm lieferte bereits die wochenlange Beschattung von Iqbal Kahn, Chef der Internationalen Vermögensverwaltung, wenig vorteilhaften Gesprächsstoff.

Nun ist also Goerke dran. Seine Beschattung ist fast noch pikanter als jene von Khan. Denn Peter Goerke galt als enger Vertrauter von Konzernchef Tidjane Thiam, er gehörte zum innersten Machtzirkel der Grossbank. Thiam und Goerke arbeiteten bereits beim Versicherungskonzern Prudential in London zusammen; Thiam als Konzernchef, Goerke als Personalchef. Nach seiner Beförderung an die CS-Spitze holte Thiam seinen Intimus 2015 an die Zürcher Bahnhofstrasse. Er begann als oberster Personalverantwortlicher, doch Thiam traute ihm immer weitere Dossiers an. Goerke wurde auch noch Kommunikationschef, Brandingchef und Marketingchef.

Und das erstaunlichste an all diesen Beförderungen: Der Auserwählte hatte noch nie in diesen Gebieten gearbeitet.

Es musste ganz schnell gehen

Schon bald wurden intern Stimmen laut, welche Goerkes Dossiersfülle und seine mangelnde Kompetenz kritisierten. Und obwohl er vier Schlüsselthemen der Grossbank verantwortete, fand er regelmässig Zeit, sich um sein teures Hobby zu kümmern: die Ferrari Challenge Europe, wo er mit einem Ferrari 458 GT3 regelmässig mitfuhr.

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Irgendwann muss auch Tidjane Thiam gemerkt haben, dass sein Vertrauter zwar auf der Rennpiste schnell unterwegs ist, aber intern nicht wirklich auf Touren kam. Zuerst nahm er ihm die Konzernkommunikation weg, Anfang dieses Jahres verlor er auch Marketing und Branding. Schliesslich entfernte ihn Thiam Ende Februar auch – nach der Überwachung durch den CS-Sicherheitsdienst – vom Posten des obersten Personalverantwortlichen.

Es musste ganz schnell gehen, heisst es intern. Als Nachfolgerin wurde Antoinette Poschung betraut, eine erfahrene CS-Managerin, die mit 63 Jahren nochmal ein Kerndossier übernehmen musste.  

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