Die Aktion lief unter dem Decknamen «Projekt Küsnacht». Dabei wurde Peter Goerke, damals oberster HR-Chef des Credit-Suisse-Konzerns, vom 20. bis 22. Februar professionell überwacht – unter anderem bei einer Abreise vom Zürcher Flughafen nach Manchester.

Dies berichtet die «Neue Zürcher Zeitung» am Montagabend – wobei sie sich auf Dokumente und Fotos beruft, welche die Beschattung belegen. Für drei Tage Überwachung, so zeigen die Unterlagen beispielsweise, seien rund 12'000 Franken bezahlt worden. 

Der Auftrag an die Detektive lautete unter anderem, allfällige Treffen der «Zielperson» Peter Goerke zu eruieren («Drittpersonen fotografieren»).

Goerke galt lange als Vertrauter von CS-CEO Tidjane Thiam: Er war 2015 mit dem neuen Konzernchef von Prudential zur Credit Suisse gewechselt. Goerke war beim britischen Versicherungs-Konzern Group-HR-Chef gewesen, Thiam CEO.

«Tidjiane's Man on The Ground»?

Aber vier Tage nach der Beschattungsaktion, am 26. Februar 2019, gab die CS bekannt, dass Goerke aus der Konzernleitung ausscheidet: Er werde künftig als «Senior Advisor» arbeiten und sich dabei auf die Talentsuche in Asien, insbesondere China konzentrieren. Neue HR-Chefin wurde Antoinette Poschung, zuvor Ombudsfrau des Konzerns für ethische und Verhaltensfragen. 

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Peter Goerke CS

Peter Goerke, jetzt Senior Advisor CS

Quelle: PD

Das Londoner Fachportal «eFinancialCareers» erachtete die Rochade als durchaus speziell: Goerke habe mit Engagements bei Zurich, Egon Zehnder und McKinsey vielleicht in der Schweiz Erfahrung gesammelt – doch in Asien sei er noch nie stationiert gewesen. Ein Branchenkenner und ehemaliger Merrill-Lynch-Banker wurde mit der Vermutung zitiert, dass Goerke womöglich als «Tidjane's man on the ground» nach Fernost entsandt werde, «and a very close confidante.»

«Homburger hat bei der Untersuchung auch keine Hinweise identifiziert, dass Peter Goerke beschattet worden ist.»

Stellungnahme der Credit Suisse

Was andernorts vielleicht als überholter Sonderfall wirken mag, steht bei CS in einem eigenen Licht: Erst vor wenigen Tagen meldete sich die ehemalige Compliance-Chefin Americas, Colleen Graham, mit einer Klage vor Arbeitsgericht und bei amerikanischen Medien: Sie sei 2017 mehrere Tage lang observiert worden, nachdem sie wegen einer Revisions-Frage in Disput mit der Credit Suisse geraten sei; die CS bestreitet die Vorwürfe.  Und vor allem wurde im September bekannt, dass der ausgeschiedene Wealth-Management-Manager Iqbal Khan vor seinem angekündigten Wechsel zur Rivalin UBS überwacht worden war. Der Fall rief die Zürcher Staatsanwaltschaft auf den Plan. Die CS liess die Affäre durch die Anwaltskanzlei Homburger aufarbeiten, am Ende mussten zwei Manager ihr Pult räumen.

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«Dieser Punkt ist heute erstmals aufgekommen»

Die NZZ erinnert nun daran, dass sowohl CS-Präsident Urs Rohner als auch Konzernchef Thiam die Beschattung von Iqbal Khan damals als Einzelfall dargestellt hatten. «Entweder nehmen sie es mit der Wahrheit nicht genau, oder sie sind nicht im Bild darüber, was in der Konzernleitung ihrer Bank geschieht – beides müsste zu denken geben.»

Die Credit Suisse gab in der NZZ eine Statement dazu ab: «Die zur Überwachung von Iqbal Khan durchgeführte Untersuchung von Homburger hat keine Hinweise ergeben, dass neben Iqbal Khan noch weitere Mitarbeitende der Credit Suisse beschattet wurden. Homburger hat bei der Untersuchung auch keine Hinweise identifiziert, dass Peter Goerke beschattet worden ist. Dieser Punkt ist heute, zweieinhalb Monate nach der Untersuchung von Homburger erstmals aufgekommen. Dieses Ergebnis stützt sich u.a. auf die Befragung von involvierten Mitarbeitenden der Credit Suisse und der externen Firma ab, welche Iqbal Khan beschattet hatte. Ebenso hat Homburger ausgewählte Unterlagen wie E-Mails und mit Unterstützung des Internal Audit Buchhaltungsunterlagen geprüft und dabei ebenfalls keine Hinweise auf weitere Beschattungen von Mitarbeitenden identifiziert.» 

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(rap)

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