Dieser Tage knallen die Sektkorken im thurgauischen Bussnang am Hauptsitz von Stadler Rail gleich in Serie. Vergangene Woche hat das Eisen­bahnunternehmen von Peter Spuhler ­bekannt gegeben, dass es einen Grossauftrag in den USA gewonnen hat. 550 Millionen Franken ist die Order schwer. Stadler Rail liefert insgesamt 16 elektrische Züge des Typs Kiss nach Kalifornien. Sie werden zwischen San Francisco und San José verkehren – quer durch das Silicon Valley.

Kaum eine Woche darauf kann Stadler Rail den nächsten Grossauftrag verbuchen. Für umgerechnet 220 Millionen Franken hat die Stadt Stockholm 22 Züge bei Peter Spuhler geordert. Die Fahrzeuge sind für die Pendler-Bahn «Roslagsbanan» gedacht, wie Branchenmedien berichten.  Stadler Rail hat Mitbewerber wie Bombardier ausgestochen. Jeweils drei Waggons werden die georderten Fahrzeuge lang sein und maximal 100 Kilometer in der Stunde zurücklegen. Ab 2020 soll die Auslieferung beginnen.

Grossauftrag aus Grossbritannien

Das ist ein weiterer Erfolg für Peter Spuhler. Dabei war nicht einmal die Order aus dem Silicon Valley die einzige von diesem Kaliber. Stadler Rail hat auch in Grossbritannien einen Grossauftrag an der Angel, wie die «Handelszeitung berichtete. Seit dieser Woche ist der Auftrag offiziell: Das Bahnunternehmen Abellio Greater Anglia wird bei Stadler Rail bestellen, wie es in einer Konzernmitteilung heisst.

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Abellio wird bei Stadler insgesamt 58 Züge ordern, bestehend aus total 378 Triebwagen und Wagen. Auftragsvolumen: rund 500 Millionen Franken. Die Züge vom Typ Flirt – Stadler Rails Bestseller mit mehr als 1200 verkauften Einheiten – werden zwischen London, dem Flughafen Stansted und den Städten Norwich und ­Ipswich unterwegs sein. Und auf weiteren Strecken der Region.

Abellio plant, den Passagieren in allen Zügen drahtloses Internet anzubieten, wie das Fachblatt «Railway ­Gazette» schreibt. Die Thurgauer Flirts sollen 2019 oder 2020 in Betrieb ge­nommen werden.

Ein neuer Markt

Der Auftrag aus Grossbritannien ist für Stadler Rail von grosser strategischer Bedeutung. Bis vor kurzem war das Vereinigte Königreich für Peter Spuhler noch ein weisser Fleck.

Erst im März dieses Jahres ist es dem Unternehmer gelungen, zusammen mit der italienischen Ansaldo ­einen ersten Auftrag zu landen – für 17 U-Bahn-Züge für Glasgow. Umfang: 130 Millionen Franken. Die ­absehbare Order von Abellio hat nicht nur ein ganz anderes Volumen. Vor ­allem ­ermöglicht sie es den Thur­gauern erstmalig, Fernverkehrszüge nach England zu liefern.

Bombardier gewann den Auftrag für die Zürich Trams

Mit Abellio pflegt Stadler Rail seit längerem gute Geschäftsbeziehungen – allerdings nur ausserhalb von England. Das Unternehmen mit Sitz in der niederländischen Stadt Utrecht ­betreibt in diversen europäischen Ländern Bahn- und Busgesellschaften, etwa in Deutschland und Tschechien. Es ist der internationale Arm der holländischen Staatsbahn NS. Die deutsche Gesellschaft von Abellio mit Sitz in Berlin hat bereits diverse Aufträge an Stadler Rail vergeben.

Die Aufträge von Abellio in England und die gewonnene Order in ­Kalifornien haben zusammen einen Umfang von über 1 Milliarde Franken. Sie sind für Spuhler so etwas wie eine Lebensversicherung, sichern sie seinem Unternehmen doch knapp die Hälfte eines Jahresumsatzes. Die Order in Schweden sichert einen weiteren ordentlichen Batzen. Nachdem Stadler den prestigeträchtigen Auftrag für die neuen Trams der Stadt Zürich nicht zugesprochen bekommen hat – hier kam Rivale Bombardier zum Zug –, sind die Grossaufträge Gold wert. Zumal eben nicht ­alles Gold ist, was Unternehmer Spuhler anfasst.

Rückschläge für Werk in Minsk

Schlecht läuft es zum Bespiel in Spuhlers weissrussischem Werk in ­Fanipol nahe der Hauptstadt Minsk. Die Auslastung liege, sagte Spuhler anlässlich eines Treffens mit Präsident Alexander Lukaschenko Anfang August, bei 30 bis 40 Prozent. Die Wirtschaftskrise in Russland sowie die ­tiefen Öl- und Gaspreise hätten die Geschäfte in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion schwierig gemacht, so Spuhler. Zahlreiche Angestellte der weissrussischen Fabrik beschäftigt Stadler mittlerweile in Werken in ­Ungarn, Polen und in der Schweiz.

Trotz den jüngsten Rückschlägen hat Spuhler den Ost-Markt nicht ab­geschrieben. Ebenso wenig wie das Werk bei Minsk. «Die erwartete Aufhebung der EU-Sanktionen gegen Weissrussland», sagte Spuhler gemäss weissrussischen Quellen am Treffen mit Lukaschenko, «wird Weissrussland als Produktionsstandort noch ­attraktiver machen.» Er könne sich durchaus vorstellen, von Minsk aus auch Aufträge für westeuropäische Märkte abzuwickeln, so Spuhler.