1. Home
  2. Unternehmen
  3. Philipp Plein erzürnt Hindus mit 5750-Franken-Stiletto

Misstritt
Philipp Plein erzürnt Hindus mit 5750-Franken-Stiletto

Der Tessiner Mode-Star Philipp Plein hat Ärger wegen dem Namen seiner Schuhe. Er ist nicht der erste Modedesigner, der mit gewagten Kreationen religiöse Gefühle verletzt.

Von Marc Bürgi
2017-09-26

«Ganesha» und «Kali» sind schnittige Namen – offensichtlich auch für Damenschuhe. So heissen nämlich zwei hochpreisige Stiletto-Stiefel aus der aktuellen Kollektion von Philipp Plein. Inspiriert hat sich der Tessiner Luxusdesigner deutscher Herkunft dafür im Hinduismus: «Ganesha» und «Kali» sind zwei wichtige Götter.

Wegen dieses religiösen Bezugs hat sich das Modeunternehmen jetzt Probleme eingehandelt: Der US-amerikanische Hindu-Führer Rajan Zed fordert in einem offenen Brief die Tessiner auf, die Schuhe umzutaufen. Die Namen der Götter dürften nicht missbraucht werden, um aus «unternehmerischer Gier» Schuhe zu verkaufen. Das verletze die Gefühle religiöser Hindus. Was den Hindu-Führer zusätzlich erzürnt: Plein preist die Stiefel als zu hundert Prozent aus Kuhleder gefertigt an – die Kuh wird im Hinduismus aber als heilig verehrt.

Ein Hüter über religiöse Symbole

Philipp Plein ist nicht das erste Unternehmen, das ins Visier von Rajan Zed gerät. Der religiöse Führer aus Nevada hat ein waches Auge auf den Missbrauch von Hindu-Symbolen. Den chinesischen Online-Giganten Alibaba forderte Zed auf, eine «Krishna-Ganesha» Türmatte umzutaufen. Auch ein brasilianische Brauerei oder eine australische Modedesignerin kamen schon in seine Kritik, weil sie mit «Ganesha» warben. Die US-Handelsplattform Etsy wiederum erregte Zeds Zorn, weil sie Toilettendeckel mit «Ganesha»-Bildern verkaufte.

Ohnehin ist Plein lediglich das aktuellste Beispiel von Modedesignern, die mit ihren Kreationen Proteste hevorrufen. Die Modewelt arbeitet gerne mit politischen und religiösen Symbolen – und riskiert so, die Gefühle bestimmter Gruppen zu verletzen. Das Label Miu Miu des Modehauses Prada enfernte beispielsweise unlängst Kleidungsstücke aus der Kollektion, die einen gelben Aufnäher in Sternform hatten. Der Jüdische Weltkongress hatte zuvor auf die Ähnlichkeit mit dem Davidstern hingewiesen, den Juden in Nazi-Deutschland tragen mussten. Ein weiterer aktueller Fall: Sportartikelhersteller Umbro bewies wenig Fingerspitzengefühl, als er einen Schuh «Zyklon» taufte – offensichtlich war den Italienern das Todesgas Zyklon B der Nazis kein Begriff.

Plein schweigt zur Forderung

Ob Philipp Plein seine Schuhe umbenennt, ist unklar – das Modeunternehmen liess eine entsprechende Anfrage von handelszeitung.ch unbeantwortet. Kritiker Zeds Stimme wird in den USA aber offensichtlich gehört, falls die Angaben auf seiner Website stimmen: So hat er als Präsident der Organisation Universal Society of Hinduism unter anderem eine Zeremonie im US-Senat geleitet.

 

 

Anzeige