Der Flugzeugbauer aus Stans war einer der Ersten, die sich sofort an ihre Lieferanten wandten, als sich das Ausmass der Krise abzeichnete. Doch was Pilatus seinen Partnern berichtete, musste alle aufgeschreckt haben, die von den Stansern abhängig waren. Eben erst hatte das ­Management um Patron Oscar Schwenk und Chef Markus Bucher Kurzarbeit für 1000 Mitarbeitende beschlossen, nun stellte es in einem Brief die Möglichkeit zum «kompletten Lockdown der Firma» in den Raum.

Stopp der Lieferungen

Die Lage ist verworren und vielleicht passiert das Schlimmste ja nicht. Hinter den Kulissen sucht die Pilatus-Führung jedenfalls unter Hochdruck nach Lösungen, um drastische Massnahmen zu verhindern. Details gibt der Konzern keine bekannt und teilt einzig mit: «Wir halten die Produktion weiterhin aufrecht – in reduzierter Form jedoch aufgrund der aktuellen Situation, in welcher Lieferketten vermehrt gestört sind.» Pilatus beurteile dabei die Situation stetig neu.

Fakt ist, dass das Unternehmen zuletzt auf seine Zulieferer zuging und ihnen reinen Wein einschenkte: Die Massnahmen in einzelnen Ländern und Grenzschliessungen hätten Pilatus’ Fähigkeit «ernsthaft getroffen», seine Produkte auszuliefern, liess der Konzern verlauten. Und stellte gleichzeitig unmissverständlich klar, dass Pilatus für seine «General-Aviation-Produktion» aktuell keine Teile von den Partnerunternehmen mehr annehmen könne. «Alle Lieferungen an Pilatus sollen aufgeschoben werden bis frühestens Freitag, den 1. Mai», heisst es im Brief an die Partnerfirmen.

Anzeige

Güter, die noch bis letzten Freitag bei Pilatus eingetroffen waren, will der Konzern noch bezahlen. Alle Lieferungen seit dieser Woche nimmt Pilatus nicht mehr an und begleicht entsprechend auch nicht mehr die Rechnung. Nicht viel mehr als ein Trostpflaster ist da die Absicht des Konzerns, «jene Flugzeuge fertig zu produzieren, welche sich aktuell in der Schlussphase der Fertigung befinden».

Von der Misere betroffen sind vor allem das einmotorige Flugzeug PC-12 NGX – ein Mehrzweckflugzeug sowohl für Transport- wie auch für Businesseinsätze – und der zweistrahlige Jet PC-24, der erst seit 2018 ausgeliefert wird. In beiden Fällen ist Pilatus nun daran, die Produktionszeitpläne anzupassen. Keine Änderungen bezüglich Materialbestellungen gab es vorderhand beim Trainingsflugzeug PC-21.

Warten auf neue Informationen

Jetzt also fordert Pilatus von seinen ­Zulieferern viel Geduld. Die ganze Tragik besteht darin, dass am Anfang der Probleme von Pilatus wiederum die Zulieferer standen und sich der Kreis quasi schliesst: Die Unterbrüche in den Lieferketten sind nun selbstverstärkend. Hersteller von so komplexen Endprodukten wie Flug­zeugen seien besonders ­darauf angewiesen, dass die oftmals massgefertigten Vorprodukte auch rechtzeitig in den Werkshallen in Stans ankommen, berichten Leute, die das Unternehmen kennen.

Nun aber fehlt etwa der Nachschub von entscheidenden Komponenten aus Italien. Ohne diese Teile sei der ganze weitere Fertigstellungsprozess in der Flugzeugproduktion stark beeinträchtigt. «Es macht für Pilatus vorderhand keinen Sinn, weitere Bestandteile zu kaufen, ohne dass die Flugzeuge fertig gebaut werden können», sagt ein Zulieferer.

Anzeige
PC-24 der Swiss Air Force

PC-24 der Swiss Air Force: Es mache für den Flugzeughersteller keinen Sinn, Teile auf Vorrat zu kaufen.

Quelle: Pilatus Aircraft Ltd

Für diese Woche stellte Pilatus seinen Geschäftspartnern neue Informationen in Aussicht. Offensichtlich sind diese noch nicht bei allen Zulieferern angekommen. «Man muss ihnen jetzt Zeit geben», erzählt einer, der für die Stanser produziert. Aber man warte jetzt auf ein klares Signal. Noch diese Woche.

Bis vor der Krise waren die Auftragsbücher bei Pilatus sehr gut gefüllt. Ob zu den kurzfristigen Liefersorgen auch längerfristige Stornierungen dazukommen, dürften wohl erst die kommenden Monate zeigen. Oscar Schwenk gibt sich weiterhin optimistisch. Der «Schweiz am Wochenende» sagte er: «Als Flugzeugbauer bevorzuge ich die Vogelperspektive. Also Kopf hoch!»

Anzeige