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Kräftemessen
Preisduell mit Mars: Das ist der grosse Coop-Gegner

Coop boykottiert den Lebensmittelkonzern Mars. Legendär ist die Firma für ihre Verschwiegenheit und gilt als Kaderschmiede für Manager. Was hinter dem höchst einflussreichen Milliardenkonzern steckt.

Von Christian Bütikofer
am 18.05.2017

Grossverteiler Coop boykottiert derzeit Produkte des Milliardenkonzerns Mars. Wo Kunden in den Gestellen bisher «Uncle Ben's»-Reispackungen vorfanden, klafft nun vielerorts gähnende Leere. Man kämpfe gegen schlechte Einkaufsbedingungen, sagte ein Coop-Sprecher gegenüber dem «Blick». Beim Reis bleibts allerdings nicht: Coop-Sprecherin Andrea Bergmann bestätigte handelszeitung.ch, dass auch diverse Tierfutter- und Schokoartikel nicht mehr überall erhältlich seien.

Es ist nicht das erste Mal, dass Coop gegen Mars vorgeht. Schon im Herbst 2011 schmiss der Grossverteiler den Mars-Reis aus den Regalen, weil der Konzern die Währungsgewinne infolge des starken Frankens nicht weitergab. Wenig später waren die Produkte wieder in den Coop-Läden zu finden, offenbar hatten sich die Basler damals durchgesetzt.

Süsse DNA

Trotz extrem bekannter Marken tritt der Mars-Konzern in der Schweiz selten in Erscheinung. Bekannt sind hier vor allem die Produkte: An Schokoriegeln wie Mars, Snickers oder Twix kommt wahrscheinlich kein Konsument vorbei. Auch Katzenfreunde dürften gute Kunden der Firma sein: «Katzen würden Whiskas kaufen» ist wohl einer der bekanntesten Werbeslogans der Firma.

Die Basis von Mars liegt in den USA, im Bundesstaat Virginia, wo Franklin Mars im Jahr 1911 den Grundstein für den heutigen Weltkonzern legte. Im Alter von 19 Jahren verkaufte er Süsswaren, die auf Rezepten seiner Mutter beruhten.

Wichtiges England

Franklins Sohn Forrest Mars brachte die Firma so richtig zum Laufen. 1923 erfand er den Milky-Way-Schokoriegel. Sieben Jahre später gesellte sich das mit Spanischen Nüssli gefüllte Snickers dazu und nur zwei Jahre später folgte mit der Gründung einer Niederlassung in Grossbritannien der Sprung nach Europa. Dort entstand auch das wohl bekannteste Produkt, der Mars-Schokoriegel.

Vor allem im britischen Raum stiegen viele ehemalige untere Manager später zu Führern grosser Konzerne auf. Das brachte Mars den Ruf ein, eine exzellente Talentschmiede für künftig CEOs zu sein.

Milliardendeal mit «Orakel von Omaha»

2008 wickelte Mars mit der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway von Warren Buffett einen gigantischen Deal ab. Für 23 Milliarden Dollar in Bar kaufte Mars der Investorenlegende - auch bekannt als das «Orakel von Omaha» - die Kaugummifirma Wrigley ab.

Inzwischen ist der Mars-Konzern aber weit mehr als nur ein Lebensmittelhersteller für Menschen: Auch im Tierfuttergeschäft mischt das Unternehmen mit. Neben dem Verkauf von Tiernahrung wie Whiskas, Sheba oder Pedigree betreibt Mars auch ein Tierspital in Los Angeles: Für 7,7 Milliarden US-Dollar kaufte Mars diesen Januar die Tierklinik-Kette VCA.

Geheimniskrämerische Inhaber

Legendär machte Mars auch die Geheimniskrämerei um den Tod von Firmenpatron Forrest Mars Senior. Als er 1999 verstarb, bestätigte das Unternehmen weder seinen Tod noch dass er für die Firma arbeitete.

Finanzzahlen veröffentlicht der privat geführte Konzern nur bedingt. 2015 wies Mars USA einen Gesamtumsatz von 33 Milliarden US-Dollar aus. Laut Forbes ist der Konzern das sechstgrösste privatgeführte Unternehmen der USA.

In der Schweiz existiert Mars schon seit langer Zeit. Verkauft wurden Mars-Produkte in der Schweiz seit 1940. Anfang 1967 liessen sich die Amerikaner hier nieder. Die im Kanton Zug beheimatete Niederlassung Mars Schweiz legte fürs Jahr 2015 einen Umsatz von 285 Millionen Schweizer Franken vor. Präsidiert wird der Schweizer Verwaltungsrat seit Ende 2016 von Iva Hristova Pachnikova aus Bulgarien.

Fürs Mars' Tierfuttersegment ist in der Schweiz die Firma Royal Canin (Schweiz) AG in Dällikon zuständig. Sie ist eine hunderprozentige Tochtergesellschaft der französischen Royal Canin SAS, welche 2002 von Mars gekauft wurde.

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