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Preiskampf-Angebot Wingo: Was Kunden wissen sollten

Wingo-Logo: Neues Online-Angebot für Mobilfunk-Kunden. Wingo

Die Swisscom lanciert das Mobilfunk-Angebot Wingo für reine Online-Kunden. Der günstige Preis ist eine Kampfansage an die Konkurrenz. Dafür wird bei der neuen Flatrate am Service gespart.

Karen Merkel
Von Karen Merkel
am 07.11.2016

Die Swisscom bringt unter der Marke Wingo ein neues Mobilfunkabonnement auf den Markt. Mit Wingo Mobile surfen und telefonieren die Kunden ohne Tempolimit, ohne zeitliche Begrenzung und ohne Mindestvertragsdauer auf dem Swisscom-Netz, wie es in einer Mitteilung heisst. Der Preis beträgt 55 Franken pro Monat.

Laut einem Experten wird dadurch die nächste Preiskampf-Runde in der Schweiz lanciert. Die Kunden müssen sich im Gegenzug mit einem schmalen Service zufrieden geben. Die Marke Wingo wurde im Frühling 2015 aus der Taufe gehoben. Bislang gab es lediglich ein Internet-Angebot, das sich an die sogenannten «Digital Natives» richtete. Also Kunden, die sich technologisch auskennen und einen schnellen, relativ günstigen Glasfaser-Internetanschluss wollen, dafür aber bewusst auf Serviceleistungen verzichten.

Hotline kostet 15 Franken für 10 Minuten

Jetzt baut Wingo mit einem Mobilfunkangebot aus. Auch hier entscheiden sich Kunden für den günstigen Preis ohne ausgefeilte Betreuung. Es gibt laut der Mitteilung «keine Extras». Daher enthalte der Abopreis keine Kosten für Service oder «sonstigen Schnickschnack». Das heisst zum Beispiel, dass die Hotline kostenpflichtig ist. Für die ersten zehn Minuten muss der Kunde 1,50 Franken pro Minute zahlen. Damit wird eine Beratung schnell teuer. Gratis erreicht der Kunde den Anbieter per Social Media oder über ein Kontaktformular.

«Es  ist eine Frage der Prioritäten», sagt Ralf Beyeler, Telekomexperte beim Vergleichsportal Verivox, gegenüber handelszeitung.ch. «Wer Wert auf persönliche Betreuung legt, fährt mit einem anderen Angebot besser.» Auch für die Nutzung im Ausland muss extra bezahlt werden – Roamingpakete lassen sich dazu buchen. Wer kein Paket bestellt, kann die Wingo-Dienste jenseits der Schweizer Grenze nicht nutzen – die Sperre soll Kunden vor unliebsam teuren Überraschungen schützen. 

Senken Salt und Sunrise die Preise?

Laut Telekomexperte Beyeler schafft Swisscom damit den Anschluss an die Konkurrenz und schliesst zum bisherigen Spitzenreiter (ein Coop-Abo) auf. Die unter den Markennamen Salt und Sunrise verkauften Abos seien sogar teurer, so der Experte weiter: «Das Ergebnis ist eindeutig: Swisscom eröffnet den Preiskampf.» Er rechnet damit, dass Salt und Sunrise «wohl die Preise für ihre Abos senken müssen».

Beyeler betont allerdings, dass sich das Angebot vor allem für internetaffine Vielnutzer lohne. Für den Durchschnitts- oder Wenignutzer gebe es günstigere Angebote. Wer jeden Monat 100 Minuten telefoniere, 30 SMS verschicke und maximal 1 GB Daten übertrage, für den sei das Wingo-Produkt nicht geeignet. Da lohnten sich beispielsweise die Angebote von M-Budget, Coop Mobile oder Das Abo, die für weniger als 30 Franken im Monat zu haben sind.

An der Börse avancieren die Swisscom-Aktien bis um 12.20 Uhr um knapp 1 Prozent auf 445,50 Franken und bleiben damit hinter dem Gesamtmarkt zurück.

(mit Material von awp)

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