«2019 wird der Mensch den Roboter verdrängen»

Die Autoindustrie gehört zu den prozessintensivsten Boom-Branchen der Welt. In keinem anderen Sektor hat der Automatisierungsgrad stärker zugenommen. Und siehe da: Menschliche Arbeitskräfte in der Autobranche werden mehr, nicht weniger. US-Präsident Donald Trump renationalisiert die Autoindustrie und schafft Jobs. Toyota setzt wieder mehr auf Handarbeit, denn die Automation erhöhte die Zahl der Autorückrufe. Die Beschäftigtenzahl bei VW, BMW und Daimler sinkt nicht, sondern steigt. Und die bestehenden Roboterarmeen von Fanuc, Kuka und ABB müssen sowohl in der Produktion von Benzinern als auch von Hybridwagen von den Firmenfachkräften programmiert und gewartet werden. Arbeitnehmende in der Schweizer Robotik- und Zulieferindustrie wird das freuen. Bernhard Fischer, Redaktor

«Bitcoin rückt
 wieder stärker 
in den Fokus»
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Nach dem Platzen der vierten Blase seit Bestehen der Kryptowährung ist in der medialen Wahrnehmung der Ofen aus. Doch die Bitcoin-Nerds basteln unverdrossen weiter daran, die Notenbank-Konkurrenz massentauglich zu machen. Ob das gelingt, ist nicht absehbar. Klar ist jedoch, dass das Bitcoin-Narrativ, wonach es maximal 21 Millionen Bitcoins geben wird, nicht totzukriegen ist. Es gibt nichts stärkeres als eine Idee zur richtigen Zeit. Da spielt es keine Rolle, dass die «Geldmengenbegrenzung» auf 21Millionen Bitcoins eine Illusion ist. Derivate, Ausleihungen, ungedeckte Kredite: Bereits sehen wir Ansätze, wie die Menge von Ansprüchen auf Bitcoins grösser wird als die tatsächlich auf der Chain verankerten Coins. Aber vorerst wird die 21-Millionen-Idee Aufwind erhalten. Marc Badertscher, Co-Leiter Unternehmen und Politik
 

«2019 wird für 
Sheryl Sandberg 
zur Dernière»

Was hat sie nicht alles angekündigt, beschönigt und versprochen. Sheryl Sandberg, Chief Operating Officer von Facebook, liess letztes Jahr nichts unversucht, um mit ihren wohlfeilen Sprüchen Staatsanwälte, Politiker, Regulatoren, Wettbewerbshüter, Privacy-Advokaten und Heerscharen von Usern gegen sich aufzubringen. Wie tief das Vertrauen in Facebook und seine Topmanagerin gesunken ist, lässt sich am Aktienkurs ablesen: minus 28 Prozent im letzten Jahr. Nun kündigt Mark Zuckerberg an, seine Plattform neu aufzusetzen. Das kann nur heissen: mehr Ehrlichkeit, mehr Kontrolle, weniger Profitmaximierung und PR-Gesülze. Das heisst auch: weniger Sandberg. Die gefeierte, aber selbstgefällige Buchautorin ist für Zuckerberg zur grössten Belastung geworden. Stefan Barmettler, Chefredaktor

«Schrittzähler 
werden Krankheiten diagnostizieren»

Bisher zählen Fitbit und Co. unsere Schritte vor allem, um uns zu mehr Bewegung zu animieren. Damit ist der Datenschatz im Wearable aber längst nicht gehoben. Scheinbar harmlose Informationen können mit den richtigen Analyse-Tools viel mehr über die Nutzer der Geräte verraten. Unregelmässigkeiten in der Schrittlänge zum Beispiel oder verzögerte Drehmomente können frühe Anzeichen für neurologische Krankheiten sein. Derzeit forschen Pharmakonzerne und Startups daran, Krankheiten wie multiple Sklerose und Parkinson per App genauer zu protokollieren. Aber sie alle träumen davon, Smartphone-Daten so exakt auswerten zu können, dass diverse Leiden in einem viel früheren Stadium erkannt werden als bisher. Das Wettrennen der Entwickler läuft. Karen Merkel, Stv. Leiterin Online

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«Offline lebt und lebt weiter: 2019 werden die Läden schlauer»

Online, online und nochmals online: E-Commerce wird gehypt ohne Ende. Was dabei vergessen geht: Weiterhin läuft der grösste Teil des Schweizer Konsums über angestammte Offline-Kanäle. Sprich: Läden. Weil sie der ideale Ort sind, um Kunden emotional zu überzeugen. Und dabei Daten zu gewinnen. Bluetooth-Sender an der Decke, smarte Zutrittssysteme, Frequenz-Tracker: So kommen Läden ihren Kunden auf die Daten-Spur. Spannend wird es im Frühling, wenn der Kioskkonzern Valora mit Avec Box seinen ersten kassenlosen Laden öffnet. Der Shop-Zutritt wird dort nur per App möglich sein. Für die Kunden wird das anfangs Gewöhnungssache sein. Für Valora ist es von Beginn weg genial: So weiss der Händler noch genauer, was wann läuft. Und was wann nicht. Andreas Güntert, Redaktor

«2019 werden viele erstmals mit dem Handy zahlen»

Apple und Samsung hatten einen harzigen Start. Zwar können Besitzer von Handys dieser Marken seit zwei Jahren gewisse Kreditkarten so auf dem Handy abspeichern, dass dieses anschliessend als Kartenersatz taugt. Doch die Nutzerzahlen sind tief. Ähnliches gilt für die Schweizer Bezahl-App Twint. Doch nun tut sich etwas. Es mehren sich die Anzeichen, dass 2019 auch Google mit seinem Google Pay in die Schweiz kommt. Und während die grossen Banken mit ihren Kreditkarten weiterhin die Bezahl-Apps der Tech-Firmen boykottieren, brechen immer mehr kleinere Anbieter aus. Seit kurzem gibt es Kreditkarten ohne Jahresgebühren, die mit Samsung Pay und Apple Pay funktionieren – und sich damit als Ausprobier-Zweitkarte anbieten. 2019 kommt Schwung in die Sache. Michael Heim, Redaktor

«Federer-Ausrüster Uniqlo kommt 
in die Schweiz»

Wilhelm Tell? Nein! Unser Nationalheld heisst längst Roger Federer. Seit Juni trägt er auf dem Court Uniqlo. Die japanische Marke ist kein Sportartikelhersteller. Sie verkauft zwar sportliche Funktionsbekleidung, ist jedoch vergleichbar mit den Modeketten Zara und H&M. Nur sind die Japaner weder stationär noch online in der Schweiz vertreten. Federer-Fans müssen nach Frankreich oder Deutschland. Im Juni hiess es, Uniqlo habe keine Pläne, in die Schweiz zu kommen. Doch es würde sich lohnen: Einen besseren Werber als Federer gibt es nicht, Schweizer Kunden würden Uniqlo die Türen einrennen. Es wäre ein Versäumnis, hierzulande keine Präsenz zu haben. Deshalb wird Uniqlo 2019 eine Filiale eröffnen. Oder zumindest online in die Schweiz liefern. Bastian Heiniger, Redaktor

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«Der grosse Crash 
an den Börsen bleibt auch 2019 aus»

So mies war die Stimmung an den Finanzmärkten schon lange nicht mehr. Momentan reagiert der Markt auf jede Nachricht verschnupft. Als Folge korrigieren beinahe sämtliche Auguren ihre Konjunktur- und Börsenprognosen nach unten. Plötzlich scheint auch eine Rezession in den USA bereits in diesem Jahr möglich. Ob es so kommt? Erinnern wir uns zurück an den Start in das vergangene Jahr. Damals waren alle optimistisch gestimmt. Die Stimmung war beinahe euphorisch. Und das zu Beginn eines der schlechtesten Börsenjahre seit langer Zeit. Mister Market hat eben einen manisch-depressiven Charakter. Das sollten Anleger im Hinterkopf behalten. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass 2019 ein deutlich besseres Börsenjahr als 2018 wird. Peter Manhart, Ressortleiter Invest

«Watchbox wird den Markt für Uhren aus zweiter Hand prägen»

Die Sterne für Schweizer Luxusuhren stehen schlecht. 2019 dürften wir sinkende Umsätze und Exporte sehen. Aber: Das gilt nur für neue Ware von Swatch, Rolex, Richemont und Co. Das Geschäft mit Secondhand-Uhren, pardon: Certified Pre-Owned (CPO), wird weiter boomen – an den Kässeli der Marken vorbei. Das Business dominieren Plattformen wie Chrono24, Chronext und Ebay. Richemont fischt mit im CPO-Teich, dank der Übernahme von Watchfinder. Bucherer ebenfalls – in den USA. Am meisten Buzz wird 2019 aber Watchbox erzeugen. Die Amerikaner mit Dependance in Neuenburg sind schlicht schneller und innovativer als die Rivalen. Und sie holen – strategisch klug – stationäre Uhrenhändler ins Boot. Also jene Mittelsmänner, auf welche die Marken glauben verzichten zu können. Marcel Speiser, Stv. Chefredaktor

«Novartis wird
 Trendsetter 
beim Pricing»

Der nächste US-Präsidentschaftswahlkampf wirft seine Schatten voraus. Die demokratische Senatorin und Präsidentschaftskandidatin Elizabeth Warren aus Massachusetts schlägt vor, das Gesundheitsdepartement dazu zu ermächtigen, Generika zu produzieren. Der Vorgang zeigt: Die Medikamentenpreise werden 2020 zu den Topthemen gehören. Mittendrin dabei ist Novartis. Der Konzern dürfte 2019 die Zulassung für seine Gentherapie gegen spinale Muskelatrophie bekommen – einer schweren Erbkrankheit, die dazu führen kann, dass die betroffenen Kinder innerhalb der ersten beiden Lebensjahre sterben. Im Raum steht ein Betrag von 5 Millionen Dollar pro Behandlung. Das Pricing der Behandlung wird zeigen, wie weit die Politik zu gehen bereit ist, um das Leben eines Kindes zu retten. Seraina Gross, Redaktorin

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«2019 wird für 
UBS, CS und Co. 
zur Nagelprobe»

Was wurden die Chefs der Grossbanken in den letzten Jahren nicht müde zu betonen, wie solide ihr Geschäft nun sei: UBS wie Credit Suisse repetierten mantraartig, man habe die Risiken reduziert, die Kapitalpolster gestärkt, das Bankhaus krisenfest gezimmert. Nur: Die Nagelprobe blieb aus, weil die Börsen in Champagnerlaune verweilten. Berauscht von den Finanzspritzen der Zentralbanken kannten die Kapitalmärkte nur eine Richtung: nach oben. Auch Null- und Negativzinsen taten den Grossbanken nicht wirklich weh, weil man die flugs über höhere oder neue Gebühren an die Kunden weiterreichte. Nun aber hat sich die Stimmung an den Finanzmärkten eingetrübt. 2019 wird sich deshalb weisen, ob UBS, CS und Co. wirklich über einen ganzen Zyklus solide aufgestellt sind. Sven Millischer, Co-Leiter Unternehmen und Politik

«Das Fliegen wird teurer, es gibt viele Verspätungen»

Menschen in Europa fliegen gern und oft, Airlines sowie Zürich als grösster Schweizer Flughafen vermelden Rekordzahlen. Derweil steigen die Kosten für Rohöl, so dass Kerosin teurer wird. Also müssen Passagiere mehr für Flugtickets zahlen. Zudem geht die Konsolidierung in Europas Luftfahrt weiter, sodass weniger Airlines am Start sind. Der Wettbewerbsdruck sinkt, etablierte Anbieter haben mehr Marktmacht. Das hilft aus Kundensicht nicht, das Preisniveau der Tickets zu drücken. Auch die Personalkosten der Airlines klettern. Für Passagiere ebenfalls ärgerlich waren vergangenes Jahr die Streiks und Engpässe bei Fluglotsen. Das sorgte für sehr viele Flugausfälle und Verspätungen. Dies dürfte abermals im Jahr 2019 passieren, besonders zu Spitzenzeiten wie im Sommer. Tim Höfinghoff, Mitglied der Chefredaktion

«Sharing Economy? Ach was. Nun kommt die Abo-Economy»

Dass man sein Auto oder seine Wohnung dank dem Internet zweitverwerten kann – diese Idee schuf in Nu Milliardenfirmen wie Uber und Airbnb. Still und leise breitete sich dahinter ein ebenso simples Prinzip aus: weniger kaufen, mehr Abos lösen. Kleines Beispiel: Vor zehn Jahren war es noch selbstverständlich, sein Word-Programm von Microsoft mittels CD zu erwerben, einzulesen, fertig. Heute lädt man die Software im Abonnement aus der Cloud, jährlich zu erneuern. Dieses Muster breitet sich rapide aus, mehr und mehr lassen sich Kleider, Möbel, Rasierklingen, Socken, Eier, Biogemüse abonnieren – und auch Autos. Der Reiz der Subscription Economy für die Firmen: stetigere Einnahmen – und à la longue lassen sich mit demselben Produkt höhere Umsätze erzielen. Ralph Pöhner, Chefökonom

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«Bei Bossard werden die Schrauben neu justiert»

Das Handeln von Schrauben ist der Ursprung des Zuger Milliardenkonzerns Bossard. Mittlerweile ist die einstige Eisenwarenhandlung aber ein Spezialist für Verbindungstechnik und Berater für Lagerbewirtschaftung. Der Umsatz eilt von Rekord zu Rekord. Grösster Einzelkunde ist der E-Aut-Bauer Tesla, weswegen Bossard den Übernamen «Bosla» trägt. Das Problem: Tesla hat Mühe bei der Produktion des jüngsten Modells. Ausserdem verdient Bossard beim Model 3, dem jüngsten Wurf von Elon Musk, weniger als an den Vorgängermodellen. Noch grössere Verwerfungen stehen überdies an der Spitze von Bossard an: David Dean, Chef seit 2005, übergibt das Zepter im April an Daniel Bossard. Damit übernimmt wieder die Eigentümerfamilie die operative Verantwortung. Marc Iseli, Redaktor