Im Juni hat der Emir von Katar abgedankt. Nachfolger im kleinen, aber gasreichen Emirat ist sein Sohn Tamim bin Hamad Al Thani. Damit ist der 33-Jährige auch Herrscher über den Staatsfonds Qatar Investment Authority (QIA). Obwohl erst acht Jahre jung, zählt der Fonds zu den mächtigsten Investoren. Weit über 100 Milliarden Dollar sollen die 110 Investment­experten zum Wohle des Landes verwalten. Von Katars 1,7 Millionen Einwohnern sind 80 Prozent ausländische ­Arbeitskräfte; womit der Kleinststaat pro Katarer gegen 440 000 Dollar angespart hat – bislang.

Prestigereiche Investments. Die munter sprudelnden Gasgelder ­verteilt die QIA über den ganzen Globus. Zu den bedeutendsten Beteiligungen gehören jene an der London Stock Exchange, an Barclays, Banco Santander oder Agricultural Bank of China, an Volkswagen sowie an Frankreichs Konzernen Vivendi und LVMH. Jüngst wurde das Zehn-Prozent-Paket an Porsche der Gründerfamilie zurückverkauft. Vollständig im Besitz der Katarer steht das Londoner Warenhaus Harrods und seit kurzem der Pariser Einkaufstempel Printemps.

Die Schweiz behagt den Reichen aus dem Morgenland ebenfalls. So sind sie namhafte Aktionäre bei Credit Suisse und beim Rohstoffhändler Glencore Xstrata.

Auch im Fussballgeschäft verteilt das Scheichtum fleissig Querpässe. So sponsern sie mit saftigen Summen den FC Barcelona. Zudem gehört ihnen der Kickerclub Paris Saint-Germain. Und da wird geklotzt; für 64 Millionen Euro wurde der Uruguayer Edinson Cavani von Napoli losgeeist, den Transfer des 19-jährigen Brasilianers Marqui­nhos liess man sich 31 Millionen kosten. Reich aufgetragen wird auch 2022, wenn der Ministaat die Fussball-WM ausrichtet; angeblich soll der Bau der Infrastruktur gegen 50 Milliarden Dollar verschlingen.

Hotel-Imperium. Der verzweigte Al-Thani-Clan hält privat kaum weniger ansehnliche Besitztümer. So kontrolliert die Familie den Fernsehsender Al Jazeera. In Paris gehören der Wüstensippe Geschäftsgalerien und Bürogebäude, Hotels und Stadtvillen. Auch an der Côte d’Azur kaufen die Scheichs gerne Hotels und Paläste ein. In ihrem Besitz befindet sich das Zürcher Hotel Atlantis sowie das im hinteren Teil des Bürgenstocks gelegene Fünfsternehaus Villa Honegg.

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Der Bürgenstock selbst gehört dem Staatsfonds. Dessen Tochter Katara Hospitality will sich zur Weltspitze der Luxushotelbetreiber hochkaufen. Bislang wurde das Portfolio mit 20 Erstklasshäusern im Nahen Osten, in Asien, Afrika und Europa bestückt. Aushängeschild ist das Raffles in Singapur. In der Schweiz gehören neben dem Bürgenstock die Fünfsternehotels Schweizerhof Bern und Royal Savoy Lausanne dazu. CEO Hamad Abdulla Al-Mulla will bis Mitte der zwanziger Jahre über 60 Hotels und Resorts gebieten.