Die Raiffeisen-Gruppe hat im ersten Halbjahr 2023 deutlich mehr Geld verdient. Dabei hat sie in ihrem Hauptgeschäft, der Vergabe von Hypotheken, im Umfeld steigender Zinsen weiter zugelegt. Und auch die Einlagen von Kunden wuchsen.

Laut Heinz Huber, Chef von Raiffeisen-Schweiz, profitierte die nun zweitgrösste Bankengruppe des Landes auch von den Turbulenzen um die Credit Suisse. «Vor allem im zweiten Quartal verzeichneten wir einen Anstieg der Einlagen, stellen aber fest, dass die Kundinnen und Kunden ihre Gelder stärker auf mehrere Banken verteilen», sagte Huber in einer Telefonkonferenz.

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Der Reingewinn der Raiffeisen stieg um 26 Prozent auf 701 Millionen Franken. Der Geschäftserfolg, das operative Ergebnis einer Bank, nahm dank steigender Erträge und einer in etwa gehaltenen Kostenbasis um knapp 44 Prozent auf 894 Millionen Franken zu.

Raiffeisen Schweiz ist dabei in allen Ertragspositionen gewachsen. Insbesondere im Zinsengeschäft, dem Hauptertragspfeiler der Gruppe, ist der Erfolg um einen Viertel gestiegen. Treiber dazu war laut Raiffeisen vor allem die von der Schweizerischen Nationalbank (SNB) eingeleitete Zinswende. Doch auch die Erträge aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft (+11%) und dem Handelsgeschäft (+15%) habe man nochmals erhöht.

Die Zinsmarge - also die Differenz zwischen dem, was die Bank Kunden an Sparzinsen zahlt und wie viel die Bank an Kreditzinsen verlangt - ist erstmals seit 2018 über 1 Prozent gestiegen und erreichte die Marke von 1,1 Prozent. Doch bei den Hypotheken haben 75 Prozent des Bestands einen festen Zinssatz, hier können die Raiffeisen-Banken nicht an den Preisen drehen. Dagegen müssen sie nach jeder Zinserhöhung der Notenbank die Sparzinsen erhöhen, so dass Finanzchef Christian Poerschke eine sinkende Zinsmarge für das Gesamtjahr erwartet. 

Fraglich ist, ob die Raiffeisen-Banken diesen Effekt weiter mit steigenden Volumina ausgleichen können, um die Zinseinnahmen unter dem Strich weiter zu steigern. Laut Huber wolle die Banken-Gruppe kein Wachstum bolzen, sondern sich wie bisher auf «qualitatives Wachstum» im Hypothekargeschäft fokussieren.

Marktanteil bei Hypotheken verteidigt

Das Hypothekarvolumen der Gruppe wuchs um 1,7 Prozent auf 207,1 Milliarden Franken. Damit legte Raiffeisen auf Marktniveau zu und verteidigte den Marktanteil aus dem vergangenen Jahr von 17,6 Prozent. Zudem seien die Kundeneinlagen im ersten Halbjahr trotz einer rückläufigen Gesamtmarktentwicklung um 850,3 Millionen oder 0,4 Prozent auf 205,6 Milliarden Franken gestiegen. Seit dem Jahreswechsel sind den Raiffeisenbanken in Depots Nettoneugelder im Umfang von 1,8 Milliarden zugeflossen.

Auch im Firmenkundengeschäft profitierte Raiffeisen laut Huber vom Zusammenbruch der Credit Suisse. Die Raiffeisen-Banken hätten eine «erhöhte Nachfrage» festgestellt. Laut Huber sieht sich die Bankengruppe als «echte Alternative» zur CS, vor allem im Geschäft mit mittelständischen Firmen, aber auch grösseren Unternehmen. Im Unterschied zur Grossbank CS kann Raiffeisen diesen Kunden aber keine Wertpapieremissionen oder Beratungen bei Firmenübernahmen anbieten, da Raiffeisen kein Investmentbanking betreibt. 

Huber sieht zudem eine Chance für seine Bankengruppe darin, dass bei der CS im Zuge der Integration viele Stellen abgebaut werden. «Wir stellen ein und suchen vor allem Experten für die Kundenberatung und Fachspezialisten», so der Raiffeisen-Chef.

Für den weiteren Verlauf des Geschäftsjahres gibt sich Raiffeisen zuversichtlich und erwartet im einem aufgrund «steigender Rezessionsgefahren und anhaltender, geopolitischer Unsicherheiten herausforderndem Marktumfeld» im 2023 ein über dem Vorjahr liegendes Ergebnis.

(ali/awp/gku)