Das Wertschriftenlager der SIS SegaInterSettle AG wird auch als das «Fort Knox der Schweiz» bezeichnet. In dem Hochsicherheitsgebäude des Finanzdienstleisters in Olten lagern hunderttausende schweizerische und ausländische Effekten von unterschiedlichen Grossbanken. Insgesamt haben die eingelagerten Dokumente einen Wert von mehr als 2 Billionen Fr.

Für die Aufbewahrung der Wertschriften hat Swisslog ein unterirdisches Hochregallager geplant und realisiert. Dieses bietet Platz für fast 30000 Wertschriftenbehälter. Der Boden des Tresorraums liegt rund 25 m unter der Erdoberfläche und damit 8 m unter dem Grundwasserspiegel. Vor Feuchtigkeit ist der fast 1000 m2 grosse Raum umfassend geschützt, die Wände sind 94 cm dick.

Die Ein- und Auslagerung der Wertschriftenbehälter erfolgt vollautomatisch. Wenn ein SIS-Mitarbeiter im oberirdischen Bürogebäude ein bestimmtes Wertpapier anfordert, setzt sich im Tresorraum ein Regalbediengerät in Bewegung und holt den entsprechenden Behälter aus dem Regal. Ein Fördersystem transportiert diesen dann über fünf Zonen direkt an den Schreibtisch des Sachbearbeiters. Nach der Bearbeitung fährt der Behälter wieder zurück an seinen Lagerplatz, ohne dass ein Mitarbeiter den Tresorraum betreten muss.

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Mehrstufige Sicherheit

Automatisierte Transportsysteme und bauliche Vorkehrungen tragen viel zum Schutz der logistischen Abläufe in einem Finanzunternehmen bei. Für ein durchgängiges Sicherheitskonzept sind aber weitere Massnahmen notwendig. Dazu gehört unter anderem eine angemessene Zugangssicherung, die verhindert, dass unbefugte Personen Zutritt zu geschützten Bereichen erhalten. Typischerweise kommen dabei heute mehrstufige Verfahren zum Einsatz, also zum Beispiel Kombinationen aus Überwachungskameras, Batch-Systemen, Zugangscodes und einer Erkennung von biometrischen Merkmalen.

Grundsätzlich versuchen Finanzorganisationen aus Sicherheitsgründen, den Personalaufwand für die Abwicklung ihrer Intralogistik so gering wie möglich zu halten. Überall dort, wo manuelle Arbeitsschritte noch nicht durch automatisierte Prozesse abgelöst werden können, greift in der Regel das Vier-Augen-Prinzip: Sensible Tätigkeiten können also nur gemeinsam von zwei Personen ausgeführt werden. Um die gegenseitige Kontrolle sicherzustellen, ändert sich dabei die Zusammensetzung der Zweier-Teams regelmässig.

Nicht nur der Faktor Mensch kann aber eine Gefahr für die Sicherheit darstellen – auch natürliche Risiken müssen berücksichtigt werden. So können Wertpapiere zum Beispiel zerstört werden, wenn die Sprinkleranlage wegen eines Feueralarms ausgelöst wird. Bei SIS scannt man daher jedes Dokument vor der Einlagerung ein: So kann im Schadensfall auf eine digitale Kopie zurückgegriffen werden. Eine denkbare Alternative zu diesem Verfahren wäre der Einsatz eines aktiven Brandvermeidungssystems: Durch die Zuführung von Stickstoff wird dabei der Sauerstoffgehalt des Lagerraums soweit reduziert, dass kein Feuer mehr entstehen kann. So ist es möglich, auf die Installation von Sprinkleranlagen ganz zu verzichten.

Erhöhte Sicherheitsanforderungen gelten schliesslich auch für die Softwaresysteme, die innerhalb des logistischen Prozesses eingesetzt werden. Bei der Spezifikation der benötigen Anwendungen achten Finanzunternehmen speziell auf eine lückenlose Nachverfolgbarkeit. Der Logistiklieferant muss also gewährleisten, dass Lagerverwaltungs- und Materialfluss-Systeme alle Aktivitäten transparent darstellen und jederzeit eine nachträgliche Überprüfung ermöglichen. Visualisierungstools helfen dabei, Fehler sofort zu lokalisieren und zu beheben.

Ständige Überwachung

Einige der Projekte, die Swisslog im Finanzumfeld realisiert hat, waren hoch komplex – zum Beispiel der Bau eines neuen Bargeldlagers für die Zentralbank von Singapur. Swisslog erarbeitete dabei im Vorfeld gemeinsam mit dem Auftraggeber und weiteren Projektpartnern in einer Studie die optimale Lösungsstrategie. Dabei ging es zum einen um den reibungslosen Umzug vom bisherigen Standort, zum anderen um die technische Weiterentwicklung: Ziel der Zentralbank war, einen möglichst hohen Automatisierungsgrad zu erreichen. Die neue Anlage besteht aus einem Tresorraum mit fast 4000 Lagerplätzen, zwei Pufferlagern und vier auf Hochgeschwindigkeit ausgelegten Behälterlagern. Zur technischen Ausstattung gehören fünf Palettenkräne, zwei Portal-Roboter für das Handling der Banknoten sowie ein fahrerloses Transportsystem. Für die Verwaltung des Bargelds wird eine spezielle Currency Management Software eingesetzt.

Swisslog war als Generalunternehmer nicht nur für die Implementierung der technischen Systeme verantwortlich, sondern für die Gestaltung des gesamten logistischen Prozesses. Das Bargeld, das von den lokalen Kreditinstituten angeliefert wird, durchläuft zunächst eine Qualitätskontrolle. Während einwandfreie Banknoten eingelagert werden und im Rahmen der Geldausgabe wieder zurück an die Banken fliessen, müssen unbrauchbare Geldscheine vernichtet werden. Auch dieser Prozess unterliegt strengen Sicherheitsbestimmungen.

Zahlreiche Grossprojekte

Neben zahlreichen Projekten für die Lagerung und Distribution von Bargeld, Wertpapieren und Edelmetallen ist Swisslog auch in anderen Bereichen für Finanzorganisationen tätig. In der Commerzbank-Zentrale in Frankfurt hat der Logistikanbieter ein System für die interne Postverteilung realisiert. Die Lösung basiert auf dem schienengebundenen Fördersystem Unicar des Tochterunternehmens Swisslog Telelift. Von der Postzentrale aus verteilen heute 200 selbstfahrende Förderbehälter schnell und geräuscharm die Briefe in alle 63 Etagen des Commerzbank Tower. Die Streckenlänge des Schienennetzes beträgt insgesamt 1500 m. An den einzelnen Poststationen entleeren die Container ihre Fracht automatisch in sogenannte Drop-Boxen. Bei vertraulichen Dokumenten wartet der Förderbehälter in der Station auf den Empfänger. Dieser muss sich zunächst durch die Eingabe seines Benutzercodes identifizieren, erst dann kann er den Behälter öffnen und die Sendung entnehmen.

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Die Unicar-Lösung wird häufig in Gesundheitseinrichtungen eingesetzt, um Patientenakten, Medikamente oder Laborproben zu transportieren, oder auch in Luftfrachtzentren für die sichere Weiterleitung der Frachtpapiere. Swisslog konnte bei der Commerzbank also sein Know-how aus anderen Branchen nutzen. Das nächste Grossprojekt im Finanzumfeld ist bereits in Planung: Die chinesische Zentralbank, die Peoples Bank of China, hat Swisslog beauftragt, eine vollautomatische Logistiklösung für das Banknote Processing and Issuing Center in Peking zu konzipieren und umzusetzen. Auch diesen Auftrag wickelt Swisslog als Generalunternehmer ab. Das Team vor Ort befindet sich gerade in der Engineering-Phase und plant den Einsatz der innovativen Technologien, die für das Handling der Banknoten zum Zuge kommen sollen. Die Inbetriebnahme des Systems ist für 2008 geplant.

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