Der Schmuck- und Uhrenkonzern Richemont reitet auf einer Erfolgswelle. Vor allem die Schmuckstücke der Marke Cartier finden rund um den Globus reissenden Absatz und weder Konjunktursorgen noch der Ukraine-Krieg setzen dem Boom ein Ende. Auf den Gewinn drückt wie erwartet ein Milliardenabschreiber zum Verkauf der Online-Tochter YNAP.

Im Geschäftsjahr 2022/23 per Ende März stieg der Umsatz der Gruppe, zu der auch Marken wie IWC oder Piaget zählen, um 19 Prozent auf knapp 20 Milliarden Euro, wie es am Freitag hiess. Darin sind die an den Onlinehändler Farfetch verkauften YNAP-Aktivitäten nicht enthalten. Farfetch will bis Ende 2023 eine Online-Plattform für die gesamte Branche aufbauen.

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China erholt sich

Um Währungseinflüsse bereinigt wuchs Richemont im Berichtsjahr mit 14 Prozent und damit schneller als von Analysten erwartet. Einen Zacken zugelegt hat der Konzern in den Monaten Januar bis März. Der Umsatz wuchs im vierten Quartal des Geschäftsjahres um starke 22 Prozent nachdem das Wachstum im Weihnachtsquartal mit 5 Prozent enttäuschend ausgefallen war.

Wesentlich zum Steigerungslauf beigetragen habe die Erholung in China, sagte CEO Jérôme Lambert an einer Webkonferenz. In China wurden im Dezember die strikten Corona-Massnahmen aufgehoben, dies mit positiven Auswirkungen auf die Luxusverkäufe. Und auch im Rahmen des chinesischen Neujahrsfests sei deutlich mehr verkauft worden.

Die Gruppenreisen bleiben aus

Nur zaghaft entwickle sich noch das Geschäft mit chinesischen Touristen, fuhr Verwaltungsratspräsident Johann Rupert fort. Es fehlten Gruppen, die auf ihren Reisen nach Paris, Mailand oder London in die Boutiquen der Richemont-Marken strömen. «Die Erholung mit chinesischen Konsumenten wird langsamer vorankommen als dies in den USA der Fall war», glaubt Rupert.

Dagegen gaben Touristen aus anderen asiatischen Ländern und vor allem aus den USA auf Europa-Reisen mehr Geld aus. Die Verkäufe von Richemont schnellten im Gesamtjahr um 31 Prozent nach oben. Das Geschäft in Japan (+56 Prozent) «explodierte» im Nachgang zur Pandemie, während sich das Wachstum in Amerika (+14 Prozent) abschwächte. Asien (+1 Prozent) hinkt da noch hinterher, dies jedoch mit starkem Trend im Schlussquartal.

Grosszügige Ausschüttung

Steigende Umsätze und Kostenkontrolle machten sich in den Ergebnissen bezahlt: Der operative Gewinn (EBIT) ohne YNAP stieg um einen Drittel auf 5,03 Milliarden Euro und die Marge rückte auf 25,2 Prozent (+2,8 Punkte) vor. Das ist der Schmucksparte zu verdanken, die eine schwindelerregend hohe Marge von 35 Prozent erzielte. Die Uhrmacher steigerten die Profitabilität immerhin auf 19 Prozent.

Unter dem Strich drückte der Abschreiber zum YNAP-Goodwill (3,4 Milliarden) den Gewinn auf 301 Millionen Euro nach 2,08 Milliarden im Jahr zuvor. Die Aktionäre erhalten dennoch eine grosszügige Dividende von 3,50 Franken je A-Aktie (VJ 3,25 Fr.). Darin ist erneut eine Sonderzahlung von einem Franken enthalten. Zudem sollen bis zu 10 Millionen Aktien zurückgekauft werden.

Die Aussicht auf hohe Ausschüttungen und auf das boomende Geschäft mit Schmuck und Uhren kommt an der Börse gut an. Die Richemont-Aktie stieg erstmals über die Marke von 160 Franken und gewinnt bis am Freitagmittag beinahe 8 Prozent dazu.

(reuters/mbü)

Richemont-Chef dementiert Gerüchte LVMH- und Kering-Deals

Johann Rupert, der Hauptaktionär des Schweizer Luxusgüterkonzerns Richemont, hat Gerüchte über eine mögliche Übernahme durch LVMH oder einen Zusammenschluss mit Kering zurückgewiesen.

Der Milliardär sagte, er stehe in ständigem «freundschaftlichen» Dialog mit LVMH-Chef Bernard Arnault, das bedeute aber nicht, dass er Interesse an einem Geschäft mit dem französischen Unternehmen habe. Richemont stehe nicht zum Verkauf. Er bezeichnete die Spekulationen als eine «falsche Geschichte».

Rupert betonte auch, dass Investmentbanker vor zwei Jahren einen möglichen Zusammenschluss mit Kering vorgeschlagen hätten, aber Richemont dies abgelehnt habe. Rupert erklärte, dass Richemont, zu dem die Marke Cartier gehört, sein eigenes Markenportfolio ausbauen wolle und nicht nach grossen Übernahmen suche. «Warum sollten wir das wollen? Wir wissen, was wir haben», schloss er. 

(bloomberg/rul)