Rolex ist und bleibt das Mass aller Dinge, jedenfalls in der Schweizer Uhrenindustrie. Das Unternehmen, das einer karitativen Stiftung gehört, setzt Milliarden um (konkret: geschätzte 5,05 Milliarden Franken) und verkauft Millionen (konkret: geschätzte 950'000 Uhren). Es kommt auf einen globalen Marktanteil von über 20 Prozent. Neben Rolex erblassen somit selbst klangvolle Namen wie Omega, Cartier, Audemars Piguet, IWC oder Patek Philippe.

Nirgends zeigt sich das deutlicher als auf dem Markt für Secondhand-Uhren. Auf der Uhrenplattform Chrono24 waren von den zehn beliebtesten Uhren 2019 gerade Mal zwei nicht von Rolex – die «Nautilus» von Patek und die «Speedmaster» von Omega. Auf den anderen acht Plätzen: Rolex, Rolex und wieder Rolex. Ganz oben auf dem Podest: das Modell «Submariner», gefolgt von der «Datejust» und der «GMT Master II».

Wenn nun also ein Unternehmen wie Rolex auf das neue Jahr hin seine Preise erhöht, hat das durchaus eine gewisse Relevanz. Ganz viele Menschen werden 2020 für ihr Objekt der Begierde tiefer in die Tasche greifen müssen.

Im Schnitt plus 7 Prozent

Und zwar durchaus substanziell. Im Schnitt ist in Europa von einer Preiserhöhung von rund 7 Prozent auszugehen. In der Schweiz dürfte die Erhöhung etwas tiefer ausfallen. Zu hören ist von Preissteigerungen zwischen drei und sechs Prozent.

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Was das für die beliebtesten Modelle bedeutet, zeigen geleakte Preislisten aus Deutschland und Grossbritannien. Ein Beispiel: Im Königreich kostet eine aus Stahl gefertigte Submariner ohne Datumsanzeige aktuell 5750 Pfund. Ab Januar werden für das gleiche Modell 6175 Pfund fällig. Das ist ein Plus von 7,4 Prozent. In Deutschland steigt der Preis für diese Uhr von aktuell 6800 Euro auf 7350 Euro – plus 8,1 Prozent. Zum Vergleich: Für Schweizer Händler empfiehlt Rolex für die «Submariner No Date» aktuell einen Preis von 7100 Franken. Künftig dürften es rund 7500 Franken sein.

Zu hören ist ausserdem, dass auch die Rolex-Schwestermarke Tudor eine Preiserhöhung für das Jahr 2020 ins Auge fasst. Sie dürfte die empfohlenen Verkaufspreise um knapp drei Prozent anheben.

Wer nun ganz schlau sein will und noch schnell im ablaufenden Jahr eine Rolex bestellt, muss drei Dinge bedenken:

  • Erstens sind die beliebtesten Modelle bei den offiziellen Rolex-Händlern – der weltweit grösste ist das Schweizer Familienunternehmen Bucherer – in aller Regeln nicht vorrätig.
  • Sie werden zweitens nur an ausserordentlich gute und treue Stammkunden verkauft.
  • Und drittens sind Bestellungen von Rolex-Uhren im Normalfall unverbindliche Anfragen. Das heisst: Ob sie je geliefert werden, ist keineswegs sicher. Egal, ob man als Kunde nun auf einer Warteliste ist oder nicht. Und sollten sie dann doch geliefert werden, kommt der dann empfohlene Verkaufspreis zur Anwendung.

Der Schlaumeier-Trick funktioniert also nicht. Ausser man verfüge über beste Beziehungen zu Rolex selbst – oder zu einem offiziellen Händler.

Für die begehrtesten Rolex-Modelle sind ohnehin nicht die Ladenpreise relevant, sondern die Angebotspreise auf den diversen Secondhand-Uhrenportalen. Und die liegen oft weit über den offiziellen Ladenpreise. Zum Beispiel bei der «Submariner No Date» aus Stahl: Auf Chrono24 gibt es zwar einzelne Angebot für etwas unter 10'000 Franken. Das Gros der Preise ist aber klar fünfstellig. Nicht selten werden über 12'000 Franken fällig – also rund 70 Prozent mehr als offiziell im Laden.

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Bei Watchfinder, Watchbox und Chronext ist das Bild ähnlich.

Auch Secondhand-Preise dürften anziehen

Anzunehmen ist, dass die offizielle Preiserhöhung ab 2020 auch die Preise für Secondhand-Angebote weiter in die Höhe ziehen wird. In der Vergangenheit war ein solche Effekt jeweils zu beobachten. Er spielt aber längst nicht bei allen Modellen, sondern nur bei jenen, die gerade am «heissesten» sind.

Grundsätzlich gilt bei vielen Rolex-Modellen: Einen Wertverlust müssen Käufer nicht befürchten. In der Regel verlaufen die erzielbaren Wiederverkaufspreise und die steigenden offiziellen Ladenpreise zumindest parallel nach oben. Bei besonders nachgefragten Modellen ziehen die Wiederverkaufspreis den Ladenpreisen gar davon. Letzteres gibt es nur bei wenigen Marken und Modellen. Aber eben: Rolex ist ein Sonderfall.

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Das zeigt sich derzeit an der fast hysterischen Diskussion in der deutschen Stadt München. Dort macht die Runde, dass es in der ganzen Stadt keine Rolex-Uhren mehr gäbe. Die «Abendzeitung» spricht bereits von der «Rolex-Krise». Selbst die seriöse «Zeit» hat sich dem vermeintlichen Haupt-Thema der «Bussi»-Society bereits angenommen.